Konzert - Gwyneth Herbert & Co. im Pappelgarten

Wie Napoleonvor Röcken flieht

VON HEIKO REHMANN

REUTLINGEN. Gwyneth Herbert trommelt und singt, sie begleitet sich auf der Ukulele und bläst das Horn, sie nutzt Gläser und Pfannen als Perkussionsinstrumente, sie springt über die Bühne und wandert durchs Publikum, sie reißt die Zuhörer durch ihr Temperament mit und sie bringt sie durch ihre sehnsuchtsvollen Songs zum Träumen. Am Samstagabend war die preisgekrönte englische Jazz-Sängerin und Multiinstrumentalistin im Reutlinger »Pappelgarten« zu Gast.

Und weil sie nicht nur ein musikalisches Multitalent ist, streut sie zwischen ihre selbstkomponierten Lieder heitere und besinnliche Geschichten, wie etwa diejenige von den 49 Muschelsammlerinnen, die an der walisischen Küste Napoleons Invasionsheer in die Flucht schlugen, indem sie mit ihren bunten Unterröcken so geschickt wedelten, dass die Spiegelung im Wasser das Bild eines riesigen englischen Heeres erzeugte. Dumm nur, dass Napoleon seine geplante Invasion nie versucht hat und schon gar nicht an der Küste von Wales. Aber das macht nichts, denn ihre Geschichten sind natürlich alle wahr, wie sie mit einem Augenzwinkern verrät.

Starke Bühnenpräsenz

Auf jeden Fall nimmt sie ihr Publikum durch die direkten Ansprachen mit, genauso wie durch ihre starke Bühnenpräsenz und ihren enormen Stimmumfang. Mal schwebt ihre Stimme silbrig durch den Raum, mal rauchig und gelegentlich auch görenhaft schrill. Zwischen den Liedstrophen erzeugt sie eine Fülle von Stimmeffekten. Sie trillert und pfeift, lässt ihre Zunge schnalzen und ihre Lippen ploppen. Gelegentlich lässt sie ihre Stimme in unglaublich hoher Lage vibrieren, womit sie die Klangcharakteristik des Theremin, eines ungewöhnlichen elektronischen Instrumentes, imitiert.

Nicht nur stimmlich verfügt sie über eine breite Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, sondern auch stilistisch. Die meisten Stücke haben den Charakter englischer Folk-Songs. In deren durchaus traditionelle tonale Struktur mischen sich zahlreiche Elemente des Jazz, Blues, Soul und experimenteller Popmusik.

Am Flügel begleitet sie ihr Duopartner und Ehemann Ned Cartwright. Dezent hält sich der Pianist im Hintergrund und lässt ihre Songs durch seine zurückhaltende Art umso heller leuchten. Dabei ist er ein durchaus kongenialer Partner, der lebendig und geschmeidig spielt, der auf alle stimmlichen Nuancen seiner Partnerin eingeht und dem Konzert dadurch eine weitere Tiefendimension verleiht, auch wenn die Aufmerksamkeit des Publikums komplett auf die Sängerin gerichtet ist.

Die bringt ihre Zuhörer zum Träumen und zum Lachen, zum Mitklatschen und Mitsingen – und schließlich sogar zum Tanzen. (GEA)

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