Kultur
Interview - Der Regisseur Martin Scorsese über die 3D-Technik und den Kino-Pionier Georges Méliès

Wenn der Erfolg ausbleibt

Zum ersten MAl dreht Maritn Scorsese in 3D: "Hugo Cabret" ist eine Hommage an das frühe Kino. FOTO: VERLEIH
Eigentlich muss sich Martin Scorsese nichts mehr beweisen. Der Meisterregisseur setzte schon mit »Taxi Driver«, »Wie ein wilder Stier« und »Good Fellas« Meilensteine der Filmgeschichte. Dennoch ließ sich der 69-Jährige nun dem momentanen Kinotrend entsprechend auf sein erstes 3D-Projekt ein. In »Hugo Cabret« huldigt er dem Pionier der ersten Kinostunden: Georges Méliès, der bereits 1896 erste kleine Filme auf Jahrmärkten präsentierte. Im Film wird der zwölfjährige Hugo, der in den Gemäuern eines alten Pariser Bahnhofs lebt, zusammen mit einer Gefährtin auf eine magische Reise mitgenommen. Markus Tschiedert sprach mit Martin Scorsese.

GEA: Wollen Sie mit »Hugo Cabret« Ihre Liebe für den Film zum Ausdruck bringen?
Martin Scorsese: In erster Linie ist es ein Film über Menschen und über die Zeit. Auf der einen Seite steht der Knabe Hugo Cabret, auf der anderen der gealterte Georges Méliès, der verbittert ist und der Vergangenheit nachtrauert. Erst durch den Waisenjungen findet er zu sich zurück und kann sein Herz und damit auch seine Augen wieder öffnen.


Wir sahen die schlechtesten Filmkopien
 

Warum war Georges Méliès so verbittert?
Scorsese: Er steckte viel Leidenschaft und Energie in seine Arbeit und erlebte eine kreative Schaffensphase. Dann ging alles schief, sein Werk brach zusammen, und er war pleite. Deshalb wollte er damit abschließen und vernichtete alles. Was anderes kann man wohl nicht tun, wenn man einst so kraftvoll und passioniert war. Nur seine Frau bedeutete ihm noch etwas. Erst wenige Jahre vor seinem Tod 1938 wurde er wieder entdeckt und bekam die Ehre, die ihm zustand.

Hugo ist ein 12-jähriger Junge, der filmverrückt ist, und der sich sogar ins Kino schmuggelte. Waren Sie genauso?
Scorsese: Dort, wo ich lebte, wäre es unmöglich gewesen, sich ins Kino zu schmuggeln. Wärst du von einem Aufpasser erwischt worden, hätte es keine Gnade gegeben, die waren ganz schön hart drauf. Nein, ich bin hauptsächlich mit meinem Vater, meinem Bruder und ab und zu mit meiner Mutter ins Kino gegangen. Später ging ich dann vermehrt mit meinen Freunden ins Kino, die alle in einem verwahrlosten Zustand waren. Wir sahen die schlechtesten Filmkopien, aber dafür kostete der Eintritt auch nur 15 Cent. Ansonsten entdeckte ich mich in Hugo nur insofern wieder, als ich mich als Junge ebenso oft isoliert fühlte wie er.

Warum?
Scorsese: Mit drei Jahren wurde bei mir Asthma festgestellt, und das bestimmte fortan mein Leben. Es ging immer darum, was man kann und was man nicht kann, wenn man diese Krankheit hat. Um 1945 ging es in den New Yorker Straßen von Queens nicht immer gemütlich zu, trotzdem konnte ich mich behaupten, und viele von den großen Kids nahmen mich auch in Schutz. Und dann war da noch die katholische Kirche, die für mich ein wichtiger Ort war, um mal von der Straße und von Zuhause wegzukommen, wo sich Leute permanent stritten oder schlugen.

Fühlen Sie sich dem Filmzauberer Georges Méliès oder dem Jungen Hugo Cabret näher?
Scorsese: Ich denke, ich kann mich mit beiden identifizieren! Wobei ich hoffe, nie in so eine traurige Phase, wie sie Georges Méliès erlebt, zu geraten. Inzwischen bin ich aber schon älter als er zu dem Zeitpunkt, als er alles aufgeben musste und einen Spielzeugladen eröffnete.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie es Ihnen ergehen würde, wenn der Erfolg ausbliebe?
Scorsese: Wenn man einen Film wie »Hugo Cabret« dreht, denkt man automatisch darüber nach, ohne aber eine richtige Antwort finden zu können. Ich hatte bisher das große Glück, dass die Leute immer noch meine Filme sehen wollen und darüber reden. Letztendlich kann niemand wissen, ob und wie erfolgreich ein neues Kunstwerk wie ein Film, ein Buch oder Musik von den Leuten angenommen wird.

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit Kindern?
Scorsese: Schon als wir uns das erste Mal begegneten, fühlte ich, dass ich gut mit ihnen und sie gut mit mir auskommen würden. Mir kam das nicht anders vor als mit meiner 12-jährigen Tochter und ihren Freunden zusammenzusein. Es war wie miteinander spielen, nur dass man bei so einem aufwändigen Film natürlich unter anderem Druck steht. Ich meine, sie standen mir täglich vier Stunden zur Verfügung, und durch den Umstand, dass wir in 3D drehten, kam es zu Verzögerungen. Wenn dann eine Szene eingerichtet war, hieß es vom Betreuer der Kinder, dass jetzt eine Pause angesagt ist. Da musste dann einfach mal gewartet werden (lacht).

»Hugo Cabret«:
an Donenrstag im Kino

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