Sonic Visions - Hattler & Hattler im franz.K

Vater und Sohn im Dialog

REUTLINGEN. Hellmut Hattler hat als Bassist von Kraan und Tab Two Musikgeschichte geschrieben. Sein Sohn Max Hattler lebt als erfolgreicher Medienkünstler in London. Gemeinsam sind sie noch nie auf der Bühne gestanden. Für ihren ersten Versuch haben sie sich ausgerechnet Reutlingen ausgesucht: Thomas Maos und Friedemann Dähn können es als Coup verbuchen, dass sie die beiden in ihre audiovisuelle Reihe »Sonic Visions« am franz.K gelotst haben.

Und die Vater-Sohn-Performance am Donnerstagabend kam an. Selten ging das Publikum in der Reihe so spontan mit, wie zu den energetischen Basstexturen Hellmut Hattlers im Zusammenspiel mit den Video-Abstraktionen von Max Hattler.

Dass zwischendurch der Laptop zickte und den Klangstrom vom Bass nur ruckelnd durchließ, machte die Sache noch spannender. Vater und Sohn mussten spontan reagieren. Kurzerhand wurde die über den PC zugespielte zusätzliche Klangschiene mit Schlagzeug und Ähnlichem weggelassen. Von nun an gab es nur noch Hellmut Hattlers Bass pur im Dialog mit den von seinem Sohn live gesteuerten Projektionen. War vorher manches poppig wie Lounge-Musik gewesen, erlebte man nun freies Reagieren aufeinander: Hier kantig aufgewühlte Basstexturen, dort farbige Blöcke, die auf der Leinwand ein virtuelles Weltall durcheilen. Klasse!

Noch bizarrer waren die Klanglandschaften, die zuvor Claus Boesser-Ferrari auf der elektronisch erweiterten Akustikgitarre geschaffen hatte. Wunderliche Szenerien von metallischem Klirren über sambaartige Perkussionsmuster, die er auf dem Korpus klopft, bis zu Melodiefetzen, die wie aus der Nacht heranwehen; und dann schwebt das Ganze in Sphärenklänge ab. Dazu gleitet der Blick auf Jochen Schambecks Video über die Details ineinander verschlierter Ölfarben-Kunstwerke. Erstarrte Brandungswellen aus Ultramarin, loderndes Feuer aus Rot und Gelb - und dazu züngelt die Gitarre von Boesser-Ferrari. Beeindruckend!

Zu Beginn hatte die Tübinger Jugendband Bikinis ihren live gespielten Soundtrack zu einem Kurzfilm von Norman McLaren vorgestellt. »Wir haben ein Jahr geprobt für neun Minuten!«, schmunzelte Thomas Maos, der das Projekt betreut hat. McLaren kombiniert Slapstick mit Stop-Motion-Animation und lässt den Streit zweier Nachbarn um eine Blume zur blutigen Schlacht ausarten. Die 17-/18-Jährigen von den Bikinis fanden dazu die passenden Stimmungen und schlugen geschickt den Bogen von tändelnden Keyboard-Sounds zu immer rockigeren Klangwogen. Ein gekonnter Einstieg in die Filmmusik von Johanna Sauter (Keyboard), Frederik Liggesmeyer (Gitarre), Dario Kosnick (Bass), Johannes Sturm (Schlagzeug) und Valentin Riegger (Gitarre und Leitung). Und eine lobenswerte Idee, auch Jugendprojekte in die Reihe zu holen. (akr)



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