REUTLINGEN. Es ist eine wundersame Geschichte, die die Ludwigsburger Brenz-Band geschrieben hat, seit sie vor 34 Jahren gegründet wurde. Die große Gruppe, die, wie sie von sich selbst sagt, »heftige Straßenmusik mit schwäbischem Cajun« spielt, besteht zur Hälfte aus Menschen mit Behinderung und feiert mit ihren Konzerten auf der ganzen Welt erstaunliche Erfolge. Am Sonntag spielte sie im franz.K anlässlich des Jubiläums der Reutlinger Computer-Oldies.
Natürlich wird es laut, wenn die Brenz-Band auf der Bühne steht, natürlich stimmt nicht jeder Ton. »Wir sollten aufhören, ständig großartig sein zu wollen«, sagt dazu Gerhard Ruhl, der in Ludwigsburg Pfarrer ist und in der Brenz-Band den Bass und das Akkordeon spielt. In einer Band, die zu 50 Prozent aus Menschen mit Behinderung besteht, und die gefeiert wird - von der Unesco, die sie zu Künstlern für den Frieden ernannte, vom früheren Bundespräsidenten Horst Köhler, von vielen anderen.
Noch in diesem Jahr wird die Brenz-Band, die bereits im Jahr 2000 eine Reise in den Libanon unternahm, nach China reisen. Studenten der Filmakademie Ludwigsburg werden sie begleiten und ihre Reise dokumentieren - auch ein Konzert auf der Chinesischen Mauer ist geplant: »Dort durften nicht einmal Pink Floyd spielen!«, sagt Horst Tögel, Pädagoge, Musiker auf Dudelsack, Akkordeon, Mandoline, Drehleier und Gründer der Brenz-Band.
Die Unterschiede verschwimmen
18 Köpfe zählt diese Band, »aber vollständig sind wir bei den Konzerten eigentlich nie«. Jeder der Musiker hat sich sein Instrument selbst ausgesucht, jeder ist hier willkommen, in jeder Beziehung. Und das funktioniert, auf einer Ebene, die sich dem Perfektionswahn tatsächlich entzieht: Die Tatsache, dass hier Menschen mit und ohne Behinderung nebeneinander auf der Bühne stehen, lässt die Unterschiede verschwimmen. Die offene Konzeption der Band sorgt dafür, dass jedes Instrument und jedes kleine oder große Talent integriert werden kann.
Und die Begeisterung der Musiker macht einen Auftritt zum Erlebnis. Tögel stellt jeden vor und erzählt seine jeweilige Geschichte, die immer erstaunlich und berührend ist - und wenn die Brenz-Band spielt, dann spielt sie, wie versprochen, ihr Publikum in Grund und Boden: mit Trommeln und Akkordeon, mit Dudelsack, Schalmei, Kazoo und Keyboard. Ihre Musik ist wild und lebensfroh, unbändig und selbstbewusst, bei Stücken mit und ohne Gesang, bei »Greensleeves« oder »Amazing Grace«. (mora)
Die Liste der Cannes-Stars auf dem Festival ist lang. Einer aber versetzte die Fotografen, Journalisten und Autogrammjäger wieder in fast hysterische Aufregung: Brad Pitt.