Medien

TV-Jahr 2012: Das ZDF hat die Nase vorn

Von Carsten Rave, dpa

Berlin (dpa) - 12,6 Prozent Marktanteil. Dieser Wert reichte dem ZDF im Jahr 2012, um das Rennen unter den großen deutschen Fernsehsendern für sich zu entscheiden. Damit stieß das Zweite den Privatsender RTL vom Sockel, der im Vorjahr noch die Nase vorn gehabt hatte.

Wo bleiben die neuen Ideen: RTL-Castingshow «Das Supertalent» mit Thomas Gottschalk (l-r), Michelle Hunziker und Dieter Bohlen. Foto: Jörg Carstensen
Wo bleiben die neuen Ideen: RTL-Castingshow «Das Supertalent» mit Thomas Gottschalk (l-r), Michelle Hunziker und Dieter Bohlen. Foto: Jörg Carstensen
Doch die von der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg gemessene Spitzenposition für das ZDF täuscht auch nicht darüber hinweg, dass auch der Sieger einige Probleme hat, sich am Markt zu behaupten. Das ZDF steigerte sich zwar um 0,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr, dies geschah allerdings mit der kräftigen Unterstützung durch die Fußball-EM und die Olympischen Spiele in London.

Die ARD, die mit ihrem «Ersten» gleichauf mit RTL auf 12,3 Prozent kam, konnte den Rückenwind durch die sportlichen Großereignisse nicht nutzen. Unter anderem machte dem «Ersten» die lange Talfahrt von Thomas Gottschalk im Vorabendprogramm zu schaffen. Im Vorjahr hatte die ARD auch ohne großen Sport noch bei 12,4 Prozent gelegen.

Größter Verlierer beim Spitzentrio war RTL. Der Kölner Privatsender hatte im Jahr 2011 noch gute 14,1 Prozent verbucht. Doch im abgelaufenen Jahr verlor der Sender einige seiner Fans. Die einstigen Publikumsmagneten wie die Castingshows «Das Supertalent» und «Deutschland sucht den Superstar» verloren deutlich an Anziehungskraft - neue Ideen fehlten.

Auch in der zweiten Reihe konnte das Gespann ProSieben und Sat.1 die Orientierungslosigkeit an der Spitze nicht für sich nutzen. Sat.1 verlor von 10,2 auf 9,5 Prozent, ProSieben von 6,2 auf 5,9 Prozent. Vor allem Sat.1 hatte reihenweise Pech mit Eigenproduktionen - deutsche Serien wie «Es kommt noch dicker» oder «Auf Herz und Nieren» brachen ein, auch das Castingexperiment «Million Dollar Shootingstar» mit Bar Refaeli scheiterte. Inzwischen wechselte in München die Geschäftsführung.

Der Druck auf die Großen erfolgt von unten. Denn die dritte Reihe wird immer stärker. Vox legte von 5,6 auf 5,8 Prozent Marktanteil zu. Zwar hatte auch der Kölner Sender Pech mit Eigenproduktionen, aber die US-Serien, das Vorabendprogramm und Dokusoaps treffen den Zuschauergeschmack. Auch RTL II ist im Aufwind - 4,0 nach 3,6 Prozent schlagen zu Buche - unter anderem wegen der Vorabendsoap «Berlin Tag & Nacht» und schräger Vögel wie «Die Geissens». Super RTL landete bei 2,1 nach 2,2 Prozent, die dritten ARD-Programme liegen zusammengerechnet bei gleichbleibend 12,5 Prozent.

Bei den jüngeren Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren, die von den Privatsendern bevorzugt angesprochen werden, behält RTL seine Führung - aber auch hier nur mit hohen Verlusten. In dieser Zielgruppe kommt der Sender auf 15,9 Prozent Marktanteil (nach 18,5 Prozent). Dahinter liegen die Konkurrenten ProSieben mit 11,3 Prozent (11,7 Prozent) und Sat.1 mit 9,9 Prozent (10,6 Prozent). Die öffentlich-rechtlichen Anbieter legten in diesem Segment leicht zu: Die ARD kam auf 7,0 Prozent (6,6 Prozent) und das ZDF auf 6,8 Prozent (6,2 Prozent).

Der RTL-Schwestersender Vox blieb noch vor dem ZDF und kam auf 7,7 Prozent (7,4 Prozent). RTL II verbesserte sich von 5,6 auf 6,4 Prozent. Kabel eins gab von 6,1 auf 5,6 Prozent nach und Super RTL von 2,4 auf 2,2 Prozent.

Die durchschnittliche Sehdauer nahm nach dem Allzeithoch vom vergangenen Jahr etwas ab. Der Zuschauer ab drei Jahren hockte laut der Marktforschungsfirma Media Control (Baden-Baden) bis zum 27. Dezember einschließlich jeden Tag durchschnittlich 222 Minuten (2011: 225) vor dem Bildschirm, die werberelevante Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren genau 187 Minuten (192).

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Land

Grippewelle im Südwesten fordert acht Todesfälle

Ein kranker Mann liegt im Bett und misst Fieber. Foto: Andreas Gebert
Die Grippewelle rollt über den Südwesten und forderte erste Opfer: Seit Beginn der Saison Anfang Oktober starben acht Menschen infolge einer Infektion.
lesen »
Polizeimeldung

60000 Euro Schaden nach Unfall mit zwei Lastwagen

Ein Polizeiwagen im Einsatz Foto: Roland Weihrauch/Archiv
Ein Schaden in Höhe von vermutlich über 60.000 Euro ist bei einem witterungsbedingten Verkehrsunfall am Ortsbeginn von Metzingen entstanden.
lesen »
Bildung

Realschule in Dußlingen geplant

Überzeugt vom Projekt Realschule (von links): Schulleiter Stefan Creuzberger, stellvertretender Vorsitzender Matthias Heinz, Verwaltungsleiterin Margret Grünenwald von der Freien Evangelischen Schule Reutlingen und Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch.
Die Anfrage der Freien Evangelischen Schule Reutlingen (FES), in seiner Gemeinde eine Realschule zu gründen, hat der Dußlinger Bürgermeister hocherfreut zur Kenntnis genommen. Sollte die Schule vom Regierungspräsidium Tübingen genehmigt werden, wird sie Bewegung in die Schullandschaft im Steinlach-Wiesaz-Tal bringen.
lesen »
Dokumentation

Reutlinger Stadtbibliothek zeigt Leben und Werk Michael Endes

Michael Ende in jungen Jahren als Schauspieler. Foto: Nachlass Michael Ende
Michael Ende war - und das mag überraschen - zunächst einmal Schauspieler. Schlagartig bekannt aber wurde er durch sein bis heute beliebtes Buch »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer«.
lesen »

Nur noch mit Tütchen

**ST. JOHANN. **»Wir können hier nicht alles regel... mehr»

Musikalische Spritztour durch ein Jahrhundert

**REUTLINGEN. **»Die letzten anderthalb Seiten sin... mehr»

WahrhaftigerGeiger

**REUTLINGEN. **Auch eine Stradivari »Lady Harmswo... mehr»

Hier geht's richtig rund

**REUTLINGEN. ** Diese beiden Frauen sind hochgrad... mehr»

»Gottesmutter, verjage Putin!«

**STUTTGART. **Da stehen sie nun auf der Bühne des... mehr»

US-Präsident

Trump verteilt »Fake News Awards«

Donald Trump hatte schon als Kandidat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Medien - als Präsident setzt er das in einmaliger Weise fort. Foto: Andrew Harnik/Archiv
US-Präsident Donald Trump hat «Fake News Awards» für aus seine Sicht besonders unredliche und falsche Berichterstattung verliehen.
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Videos
Aktuelle Beilagen