Konzert - Irish-Folk mit der Gruppe Cara im franz.K

Trotzdem singen

VON GERHARD SCHINDLER

REUTLINGEN. Die Welt ist ja oft kein Freudentanz. Es sterben Menschen, die einem nahestehen, Mord und Terror rütteln an unseren Gefühlen, und immer wieder erhalten Chefs mehr Macht als Kompetenz. Was kann man da noch tun?

Ensemblemitglieder von Cara beim Auftritt im franz.K. FOTO: SCHINDLER
Ensemblemitglieder von Cara beim Auftritt im franz.K. FOTO: SCHINDLER
Eine mögliche Antwort gibt die Folk-Band Cara im Titelsong ihres aktuellen Albums: »Yet we sing« – Trotzdem singen wir! Das Gesicht in den Wind drehen, der Angst keinen Logenplatz einräumen, wieder in den Refrain des Lebens einstimmen. Wie das praktisch geht, demonstrierte die fünfköpfige Gruppe am Donnerstagabend im franz.K einem empfänglichen Publikum, das sich gerne begeistern ließ.

Dass deutlich mehr Zuhörer gekommen als Stühle aufgestellt waren, war dabei kein Nachteil: Es dauerte nicht lange, bis sich viele zum Mitklatschen, Mitwippen und vereinzelt gar zum Tanzen animieren ließen. Denn das Repertoire von Cara ist ebenso vielfältig wie hochklassig. Nachdenkliche eigene Songs wechseln sich ab mit neu arrangierten traditionellen Balladen und unterschiedlichsten Tanzrhythmen aus der Welt der Jigs, Reels, Highlands und Slides. Und so kam die Publikumsrunde nicht nur in den Live-Genuss eines Großteils der Stücke des aktuellen Albums, sondern auch von Glanzlichtern aus dem reichhaltigen Fundus aus 13 Jahren Band-Geschichte.

Der besondere Charme von Cara besteht dabei im Zusammenspiel von fünf höchst unterschiedlichen Musikern, die sich gegenseitig inspirieren und bereichern – jeder in seinem Element eine Klasse für sich, gemeinsam ganz großartig. Frontfrau Gudrun Walther ist als gebürtige Pfälzerin schon länger in Schwaben heimisch und nicht nur mit ihrer warmen Singstimme und ihrem fröhlichen Humor ein einnehmendes Wesen, sondern auch ein großes Talent an Fiddle und Akkordeon. Gemeinsam mit dem echten Schwaben Jürgen Treyz bildet sie das kreative Zentrum von Cara, aus dem immer neue Songs und Stücke sprudeln.

Trommel als Melodieinstrument

Treyz erweist sich beim Auftritt nicht nur als Meister an Gitarre und Dobro, der liegend gespielten Resonatorgitarre, sondern zeichnet auch für zahlreiche Arrangements auf den inzwischen fünf Alben von Cara verantwortlich. Rolf Wagels aus Hannover beherrscht seine Bodhrán, die irische Rahmentrommel, über alle Rhythmen hinaus sogar als Melodieinstrument. Hendrik Morgenbrodt, Tübinger mit Hamburger Wurzeln, hat seine Uilleann Pipes, den irischen Dudelsack, selbst gebaut. Und Kim Edgar, Pianistin und Sängerin, ist in ihrer schottischen Heimatstadt Edinburgh auch als Chorleiterin und Songwriterin bekannt. Mehrere Stücke auf der neuen Cara-CD stammen aus ihrer Feder. Insgesamt also eine höchst gelungene Mischung – die Band wie das Album. (GEA)

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