Konzert - Das Reutlinger Nachwuchsorchester mit Werken von Mozart, Respighi und Hindemith in der Stadthalle

Tapsig und leichtfüßig

VON CHRISTOPH B. STRÖHLE

REUTLINGEN. Maria Eiches Wunsch ist in Erfüllung gegangen. »Dass Sie auf dem Nachhauseweg ganz viele Ohrwürmer aus unserem Konzert nachsingen können«, hatte die Leiterin des Reutlinger Nachwuchsorchesters (NWO) am Sonntagabend zu Beginn des Sommerkonzerts in der Reutlinger Stadthalle als Erwartung skizziert. In der Pause und nach der zweiten Zugabe hörte man vor allem ein Motiv, das gesummt und gepfiffen wurde: eine Melodie aus dem »Tanz der Holzpuppen« von Paul Hindemith, den das Orchester gleich zweimal gespielt hatte.

Ausgerechnet Hindemith, der vielen als sperriger Neutöner gilt! In seinem »Tuttifäntchen«, aus dem der Tanz der Holzpuppen stammt, zeigt sich der Komponist von einer anderen Seite und lässt die Figuren fröhlich Foxtrott und Ragtime tanzen. Das Schwerfällig-Tapsige übernahmen die Kontrabässe, während sich die übrigen Streicher und die Holzbläser auf dem schmalen Grad zwischen trubeliger Jahrmarktsatmosphäre und entspanntem Caféhaus-Flair bewegten. Das Tempo war eher ruhig gewählt, was der Darbietung aber nichts von ihrer erfrischenden Wirkung nahm.

Beschwingt mit Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zum Singspiel »Der Schauspieldirektor« hatte der Abend begonnen, der eigentlich unter dem Motto »Gesang, Tanz und Bühne« stehen sollte, wie Maria Eiche in ihrer kurzen Einführung vorausschickte. Nachdem sich die Suche nach einer Gesangssolistin schwierig gestaltete, entschied man sich für ein leicht abgespecktes Programm. Gesungen wurde dann eben in der Pause und nach dem Konzert – von den Zuhörern, die zahlreich in die Stadthalle gekommen waren.

Leichtfüßig kam die Mozart-Ouvertüre mit ihrem fanfarenartigen Hauptthema daher. Die Jungmusiker spielten das Werk mit feiner Dynamik, setzten auf Durchsichtigkeit, Kontur und Farbe, wobei ihnen auch die Abschattierungen vor dem festlichen Finale gut gelangen.

Fließend und aufblühend

Mit Ottorino Respighis Italiana und Siziliana aus »Antiche Danze« (Suite Nr. 3) setzte das NWO auf Tonstücke des 16. Jahrhunderts, ursprünglich für Laute geschrieben und von Respighi in zeitlos anmutigem Stil orchestriert. Es war ein Genuss, den Streichern bei diesen melodischen Tänzen zuzuhören. Wunderbar fließend und aufblühend klang das beim ersten Stück, verinnerlicht und von einer rasanten Talfahrt im Cello durchzogen beim zweiten.

Nach der Pause war dann Antonín Dvoráks Amerikanische Suite op. 89b zu hören. Fünf Sätze mit jeweils ganz eigenem Charakter, den das Orchester unter Maria Eiches präziser Leitung wunderbar gestaltete. Wilde Rhythmen, lyrische Weisen im raschen Wechsel. Da fehlte es nicht an romantischem Schmelz, weit ausholenden musikalischen Bögen, munterer Quirlig- und satter Festlichkeit. Das Blech, das eingangs etwas dick aufgetragen hatte, verabschiedete sich im fünften Satz klangprächtig mit einer Fanfare. (GEA)

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