Kultur
Pop - Rebekka Bakken machte im Stuttgarter Theaterhaus einen völlig unnötigen Ausflug in die Country-Welt. Begleitet von einer fantastisch improvisierenden Band

Sich selbst unterboten

VON VERONIKA RENKENBERGER

STUTTGART. Manche Künstler werden ein Leben lang immer besser. Andere arbeiten sich Jahrzehnte und etliche Alben lang daran ab, noch einmal so gut zu sein wie früher.

Rebekka Bakken auf einem Schaukelpferd. FOTO: TINA AXELSON/THEATERHAUS
Rebekka Bakken auf einem Schaukelpferd. FOTO: TINA AXELSON/THEATERHAUS
Zu denen gehört neuerdings auch Rebekka Bakken, die wunderschöne, drei Oktaven bezwingende Norwegerin, die sich selbst einst die musikalische Latte so hoch gelegt hat. Vergangenen Herbst hat sie ihr neues Album »September« veröffentlicht, das fünfte Solo-Album, und tourt nun mit den neuen Songs. Am Samstagabend war sie im Theaterhaus.

»September« ist, wie der Vorgänger, eine amerikanische Produktion und klingt auch so. Ein paar neue Zutaten hat Songwriterin Bakken diesmal untergerührt: Country lässt grüßen, ein bisschen Blues ist auch dabei. Plus immerhin drei gecoverte Songs. Merkwürdig flache Musik ist das über weite Strecken, auf der CD wie auch auf der Bühne. Da steht diese Frau mit dem Feenhaar und der hypnotischen Engelsstimme, zauberhaft wie eh und je, hinter ihr machen vier Bandmusiker ihre Arbeit vortrefflich - aber man bleibt leicht angeödet und wünscht sich heim aufs Sofa, um sich eine alte Bakken-CD anzuhören.



Aufatmen bei den Klassikern


Linderung kommt durch die alten Songs - und siehe da, plötzlich steht da auch die alte Rebekka Bakken, die bei ihren Klassikern ebenso aufzuatmen scheint wie das Publikum. Man hört ihr wieder an, dass sie große Erfolge in der Welt des Jazz gefeiert hat. Die Tiefe der Texte holt einen machtvoll ein, und die Melodien sind eigentümlich und besitzergreifend.

Als Bühnenprofi macht ihr so schnell keiner was vor. Sympathisch, wie sie zwischendurch über ihr neues I-Phone schimpft und sich Spezialisten hinter die Bühne einlädt. Konsequent, wie sie sich selbst stimmlich voll ausreizt - und dann aus dem Scheinwerferkegel heraustritt und minutenlang still verharrt, um ihre fantastisch improvisierende Band in den Fokus zu rücken. Und schön für langjährige Fans, dass sie lieb gewordene Rituale pflegt, zwischendurch in ihrer Muttersprache singt und Ludwig Hirsch interpretiert mit ihrem putzigen österreichischen Akzent.

Fazit: Die neuen Songs braucht man nicht wirklich, das intensive Live-Erlebnis durchaus. Das Ü40-Publikum im nicht ausverkauften Saal erklatschte sich prompt Zugaben. Es besteht ja auch Hoffnung: Mittlerweile lebt Rebekka Bakken nach ihrem amerikanischen Intermezzo wieder in Skandinavien, angeblich auf einer Pferdefarm in Schweden. Möge es sich auf ihr nächstes Album niederschlagen. (GEA)



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