Open-Air-Konzert - Die Gruppe Wendrsonn begeistert das Publikum auf der Waldbühne im Reutlinger Naturtheater

Schwäbisch, humorvoll, virtuos

VON ISABELLE WURSTER

REUTLINGEN. Zum Schutz war eine Plane über der Waldbühne installiert worden, die Band sollte ja nicht nass werden. Doch es regnete überhaupt nicht. Stattdessen prasselte das musikalisch hervorragende Können von Wendrsonn (auf Hochdeutsch Wintersonne) auf das Publikum hernieder und entführte in einen Abend, der angefüllt war mit guter Laune und wahrhaft guter Musik.

chwoba-Folk-Rock und ein großartiges Cross-over durch verschiedene Stile bot die Gruppe Wendrsonn auf der Bühne des Reutlinger Naturtheaters. FOTO: WURSTER
chwoba-Folk-Rock und ein großartiges Cross-over durch verschiedene Stile bot die Gruppe Wendrsonn auf der Bühne des Reutlinger Naturtheaters. FOTO: WURSTER
Das Programm gestaltete sich so abwechslungsreich, dass einem fast schwindelig wurde - Schwoba-Folk-Rock und ein großartiges Cross-over durch verschiedene Stile, gleichzeitig aber auch ein Wechselbad der Gefühle.

Humorvoll moderierend führte Markus Stricker durch den Abend. Der kreative Kopf der Band, mit Federzylinder und wuchtigem Bart, ließ auch Erklärungen zur Entstehungsgeschichte der Lieder nicht aus - wie etwa zum Lied der Rebellen, die sich im Bauernkrieg 1524 gegen Herzog Ulrich auflehnten. Die Wiedergabe von »Kommet zur Hochzeit« zeichnete sich vor allem durch die wütend und stark gespielte Geige von Klaus Marquardt und den aufrüttelnden Gesang Strickers aus.

Wo man sich gerade noch in »Revoluzzer-Laune« befunden hatte, kehrte man anschließend ein in die von Biggi Binder zart und einfühlsam besungene Geschichte des »zuzogene Eiwandererkindes«, das damals in den 50er-Jahren im Schwarzwald »im Dorfbrunna ersoffe isch« und dessen Bestattung vom protestantischen Pfarrer nicht gestattet wurde, so die Erläuterung.

Die fein gezupfte Gitarrenbegleitung durch Micha Schad und der Klang der Blockflöte, zu der Binder immer wieder wechselte, zauberten eine andächtig-besonnene Atmosphäre. Durch langsames Wegtreten Binders vom Mikrofon verklang die Geschichte von Ausgrenzung, nicht ohne eine Spur der Rührung beim Publikum zu hinterlassen.

Bauchtanz des Bassisten

Hinein in psychedelische Sphären eines nebelgefüllten Schwarzwaldes entführte Wendrsonn mit hallenden Klängen der wortlosen Stimme Binders und mit einem Falkenschrei, den Marquardt zauberte - basslastig und gleichzeitig schwelgend unterlegt von den treibend loungigen Drums, die Heiko Peter so gut beherrscht, dass er später sogar ein Solo auf einem Blecheimer, dem Kiesboden, dem Logengeländer und den Stufen der Sitzreihen abhielt. Nicht nur der Bauchtanz des Bassisten Ove Bosch führte ringsum zu Entzückung.

Schwäbisch deftigen Blues spielten sie, dann wiederum den Tanz der »Schwobalisl«. Wie von einer irischen Tarantel gestochen führte das Fiddle-Spiel Marquardts in rasanten Läufen Begeisterung in die Hände der Zuschauer, die zum scheinbar endlosen Tempo-Anstieg applaudierten.

Das Banjo, wiederum gespielt von Schad, unterließ keine Mühe, dem Folge zu leisten, und die »schüchterne Ukulele« Strickers wurde ebenso wie das Waschbrett Binders bei den Programmeinlagen nicht ausgelassen. Zu »Mädle ziaged Händschich oh« sang die Zuhörerschaft lauthals mit und später auch bei der schwäbischen Variante von Joplins »Mercedes Benz«, wo es nun um »Schoglahd« ging.

Der spannungsgeladene Abend ging schneller vorüber, als man es von drei Stunden vermutet hätte. Mehrere Zugaben musste Wendrsonn davor allerdings noch spielen. (GEA)

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