Kultur
Jazzfestival - Bei der »Singin' and Swingin'«-Nacht in Montreux stehen zwei Big Bands hintereinander auf der Bühne.

Roger Cicero swingt das Publikum

Von Elisabeth Weidling

MONTREUX. Rote Melone, rotes Hemd, schwarz-weiß karierte Krawatte und ein schwarzer Anzug - für seinen Auftritt beim 44. Jazzfestival in Montreux hat sich der deutsche Pop- und Jazzmusiker Roger Cicero in gewohnt perfekter Manier herausgeputzt. Professionell tanzt er à la Frank Sinatra über die Bühne der nicht ganz ausverkauften Stravinski-Halle, animiert das Publikum zum Mitsingen und erzählt hier und da einen Schwank aus seinem Leben. In diesem Moment waren alle Beziehungsdramen, von denen auch in seinen Songs die Rede ist, vergessen. Unverkennbar ist der ehemalige Eurovision-Contest-Sänger stolz, mit seiner Big Band in der Stadt am Genfer See zu sein, in der Musikgeschichte geschrieben wurde. »Deep Purple« und »Queen« ließen sich in Montreux nieder, um Songs zu produzieren. Die Freddie-Mercury-Statue am Seeufer und der Song »Smoke on the water« erinnern für immer daran.

Auf Europas größtem Jazzfestival: Roger Cicero. Foto:PR
Auf Europas größtem Jazzfestival: Roger Cicero. Foto:PR
»Ich hoffe einige verstehen mich, wenn ich deutsch spreche«, hatte Cicero seinem Auftritt als Hauptakt des Abends vorausgeschickt. Und bemüht, im französischsprachigen Teil der Schweiz alles richtig zu machen, hatte er das Publikum mit »Bonjour« begrüßt. Die Sorge um seine Sprachkenntnisse ist unbegründet, wie sich herausstellt. Denn auch die nachfolgenden Künstler sprechen ein Mix aus Deutsch, Englisch und Französisch. »The swiss army big band«, die zweite Big Band des Abends, kommt aus der Schweiz und hat viele deutschsprachige Fans von zuhause zum größten europäischen Jazzfestival gelockt.

Antworten auf Männerfragen

Roger Cicero hat sich vorbereitet auf den besonderen Tag und als »Weltpremiere« extra für den Abend den Song »Ich hab das Gefühl für dich verlor'n« auf Englisch in petto. Ebenso im Repertoire ist der Titel, für den er laut eigenen Worten nach Konzerten mehrfach Komplimente von männlichen Gästen bekam: »Wenn sie dich fragt«. Darin bekommen Männer Antworten auf typische Fragen in Sachen Beziehung.



Im Verlauf des Abends schafft es der Jazzmusiker durch seine sympathische und professionelle Art, das gesamte Publikum zum Mitklatschen und -singen zu bewegen. Nachdem er sich mehrmals verbeugt und lange seine rote Melone in Richtung Publikum gehalten hat, sagt Roger Cicero bescheiden: »Ich hoffe, ihr hattet ein bisschen Spaß mit uns und seid warm geswingt«. Denn der gesamte Abend steht unter dem Motto »Singin' and Swingin'«.

Doch dann erscheint der Swing-Meister noch einmal auf der Bühne und gibt seinen Lieblingssong von Prince »How come you don't call me anymore« und den Eurovision-Contest-Titel »Frauen regier'n die Welt« als Zugabe zum Besten. Die Zuhörer danken mit großem Applaus, um dann zu einer 40-minütigen Pause hinaus ins Freie zu strömen, wo Freilichtbühnen mit Live-Musik, zahlreiche Stände mit kulinarischen Köstlichkeiten und allerlei Verkaufsbuden entlang der Seepromenade auf sie warten.

Bis zum Erscheinen der »Swiss army big band« unter der Leitung von Pepe Lienhard ist der Konzertsaal fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Kamerateams drängen sich auf den VIP-Plätzen, wo zuvor gähnende Leere herrschte. Das E-Piano ist durch einen Steinway-Flügel ersetzt worden.

Als ersten Gast-Künstler stellt Lienhard Marc Sway vor. Einen jungen Schweizer Musiker im Afro-Look. Der heizt, ausgestattet mit einer voluminösen Stimme und in Begleitung von Trommeln, dem Publikum zu »Mas Que Nada« kräftig ein.

Reizvolle Engländerin

Darauf folgen die Singer-Songwriter Kirsty und Max Herre. Die in der Schweiz lebende Engländerin Kirsty spielt mit ihren Reizen und erntet dafür von männlicher Seite hypnotisierte Blicke. Einige weibliche Zuhörer ärgern sich jedoch über die Engländerin mit der glitzernden hautengen Hose und rufen leise »Buh« und »Also wirklich!«.

Ein Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Petula Clark mit ihrem Hit »Downtown«. Unglaublich, wie sich die britische Sängerin mit beinahe 80 Jahren ihre kraftvolle Stimme bewahrt hat und zu »Don't sleep in the subway« den Ton so lange anhält wie Whitney Houston ihn bei ihren Konzerten hätte anhalten sollen. Die Zuhörer jubeln.

Neben den musikalischen Darbietungen von Seven, Joy Denalane und Stefanie Heinzmann sticht als weiterer Höhepunkt der Saxofonist Klaus Doldinger heraus. Der alte Hase auf dem Jazzfestival in Montreux spielt die »Tatort«-Melodie, die er einst selbst komponiert hat.

Zum Abschluss der facettenreichen »Singin' and Swingin'«-Nacht darf noch einmal der Hauptakt Roger Cicero singen und swingen. Dann versammeln sich alle Künstler des Abends zum freien Weitermusizieren auf der Bühne. (GEA)

www.montreuxjazz.com

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