Kultur
Pop - Vasee und Tua stellen am 17. Dezember im franz.K ihre neue CD »Evigila« vor. In sich geschlossenes Konzept

Raus aus der Stadt der negativen Gefühle

VON ARMIN KNAUER

REUTLINGEN. Gemeinsam sind sie durch die Republik getourt, der Reutlinger Sänger Vasee und der in Berlin lebende Tua, der längst mehr ist als nur ein Rapper. Über 150 Konzerte haben sie zuletzt gegeben und dabei zweierlei festgestellt: erstens, dass Deutschland ein wunderschönes Land ist; zweitens, dass die Menschen in diesem wunderschönen Land voller negativer Emotionen sind. Aufschwung hin oder her: Man fühlt sich gegängelt, eingeengt, bevormundet.

Diese Erfahrung haben Tua und Vasee nun in ein Konzept-Album gegossen. »Evigila« heißt die CD, die sie diesen Freitag im franz.K vorstellen. »Evigila ist eine metaphorische Stadt aus Ängsten, Hass und Zweifel«, erklärt Tua. In 13 Songs wird diese symbolische Stadt aufgebaut, »und gleichzeitig rufen wir dazu auf, sie einzureißen«. Sie seien sofort gefragt worden, »ob das auf Stuttgart 21 gemünzt ist«, grinst Tua, aber das Konzept sei schon vor den Protesten dagewesen.



»Wir sind Message-Künstler«, sagt Tua, der als Johannes Bruhns in Reutlingen aufgewachsen ist. Die Botschaft lautet: Stelle dich deinen negativen Gefühlen, um sie zu überwinden. Tua und Vasee (alias Vassilios Parashidis) haben selbst die negativen Seiten des Musikgeschäfts kennengelernt - und daraus ihre Lehren gezogen. »Evigila« haben sie bewusst in Eigenregie produziert. Von der Cover-Grafik über die Tonaufnahmen bis hin zum Video-Dreh vollzog sich alles in Vasees »Hinter dem Horizont«-Studio in der Reutlinger Wörthstraße. Lediglich den Vertrieb haben sie den Freunden vom Label »Chimperator« überlassen.

Kulisse selbst gebaut

Selbst das Modell der düsteren Großstadtkulisse, die das Booklet ziert, haben sie aus Styroporteilen selber hergestellt. Pate stand dafür der Look von Fritz Langs düsterem Science-Fiction-Klassiker »Metropolis«. »Wir sind beide Fans der Stummfilm-Ästhetik«, erklärt Vasee. Einiges davon haben sie in die CD übernommen: die hysterisch klingenden Geigen oder das charakteristische Gemisch aus synthetischen Sounds und geräuschhaften Klängen. Diese Sounds wurden gezielt mit Material erzeugt, das im Studio vorzufinden war. Auch das an die Stummfilm-Ära angelehnte Schwarz-Weiß-Video wurde in einem einzigen Raum gedreht. All das steigert die klaustrophobische Stimmung. »Die Bilder sind absichtlich überbelichtet, und es wirkt dennoch düster«, erläutert Vasee. Die Musik sei nichts, »was man sich vor der Disco reinzieht«, betont Tua. Keine lustigen, netten Songs, stattdessen dominiert eine dunkle, konzentrierte Grundstimmung, mit dumpf pochenden Rhythmen und düsteren Raps. Allerdings schwingen sich auch immer wieder eingängige und überraschend poppige Melodien auf. Und Vasees soulig-samtige Stimme gibt dem Ganzen immer wieder eine Wendung ins Positive. Am Ende des Tages, so die Botschaft, wird da doch irgendwo ein Freund sein, der dich hält. Als Kronzeugen dafür ziehen sie keinen Geringeren als Barack Obama heran. Eine Rede von ihm hat Tua elektronisch verfremdet in einen Song über zwischenmenschliche Beziehungen verwandelt.

Dass sie es mit einer so konsequenten Konzept-CD nicht jedem recht machen können, ist ihnen klar. Aber Tua und Vasee ist wichtig, dass sie hinter dem Resultat stehen können. Um sich ihre Unabhängigkeit zu bewahren, arbeiten sie bewusst mit kleinem Budget und in Eigenregie. Dass es schwer ist, so gegen Konkurrenz anzutreten, die von Plattenriesen mit enormen Etats gepusht wird, wissen sie auch. »Das ist, wie wenn ein Marathonläufer gegen lauter Gedopte läuft«, sagt Vasee. »Aber unter den Nicht-Gedopten«, ergänzt Tua, »stehen wir sehr gut da!« (GEA)



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