Konzert - Carl Orffs »Carmina Burana« mit dem Collegium Vocale und Gästen aus Notzingen in der Gomaringer Kulturhalle

Mit Verve und Schellenring

VON DAGMAR VARADY

GOMARINGEN. Populär und effektvoll sind zwei Eigenschaften, die man Carl Orffs »Carmina Burana« nicht absprechen kann. Demgemäß war auch Gomaringens Kulturhalle am Sonntagabend mit Menschen ausgefüllt: Menschen, die das stattliche Werk erlauschen wollten, und natürlich auch eine beträchtliche Anzahl an Mitwirkenden auf der Bühne. Denn für eine solch imposante Schöpfung mit ihren oftmals wuchtigen Klangeffekten werden freilich reichlich viele Stimmen und Hände gebraucht.

Michael Lieb am Dirigentenpult hat dies gemeinsam mit Beate und Gerald Pommranz organisiert und dafür die Fassung ohne Orchester ausgewählt. Wilhelm Killmayers von Carl Orff autorisierte Fassung sieht statt eines Orchesters zwei Klaviere und Schlagwerk vor. Viel mehr Ausführende hätten auch gar nicht mehr auf die Bühne gepasst. Denn schon die Sänger waren in ansehnlicher Zahl erschienen: Das Collegium Vocale aus Reutlingen, der Chor Nowelli aus Notzingen und einige Schüler der Gesangsklasse von Beate Pommranz. Dazu die beiden Flügel und das breit gefächerte Perkussionsspektrum.

Exzellent achtsam

An die trockene Akustik ohne Nachhall gewöhnte man sich recht schnell, denn das gebotene Klangereignis ließ dies irgendwann in den Hintergrund geraten. Auch dass die beiden Klaviere akustisch an den lauten Stellen etwas untergingen, war gar nicht anders möglich. Und die beiden Pianisten Gregor Wohak und Peter Goller zeigten ohnehin eine tadellose Leistung und eine exzellente Achtsamkeit sowohl aufeinander als auch auf den Dirigenten.

Das Schlagwerk war ein klangliches und auch optisches Phänomen. Otto Huber, Jürgen Parison, Johannes Reischmann und Alexander Zweifel lieferten mächtige und gelegentlich auch dezente Effekte und halfen sich auch mal gegenseitig aus. Kurios, wenn man einen Paukisten sieht, der mit einer Hand die Pauke schlägt und gleichzeitig mit der anderen Hand seinem Mitstreiter den Schellenring hinstreckt. All dies hielt Michael Lieb mit seinem präzisen und zuverlässigen Dirigat zusammen. Die Chöre spornte er zu vortrefflichen Leistungen an. Nicht nur im Klanglichen waren sie lobenswert, sondern auch, was die Aussprache betraf. Die eindrucksvoll gestaltete Rhythmik gepaart mit ihrer steten Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen musikalischen Gegebenheiten sind hervorzuheben. Tobende Klangwolken bei »O fortuna« wurden beispielsweise von einem staccatoartigen Männergesang (»Fortune plango vulnera«) abgelöst, den der Chor aufgriff, nur um in einen unbändigen Klangausbruch zu münden.

Klangmächtiges Ereignis

Die Moderation von Felix Heller war eine unterhaltsame Ergänzung, denn er führte mit witzigen Worten, lockerem Auftreten und ausdrucksvoller Stimme durch die verschiedenen Teile des Werks. Da wurden die Mädchen mit ihren Verführungskünsten erwähnt, die betrunkenen Klosterbrüder und die Welt der höfischen Liebe.

Die beiden Solisten des Abends waren zweifellos ein weiterer Höhepunkt. Johanna Pommranz mit ihrer kristallklaren und wunderschön gefühlvollen Sopranstimme und Johannes Mooser (Bariton), der sich unbeschreiblich flexibel zeigte. Seine Stimme erlangte die zartesten Tönungen, die gewaltigste Fülle, ferner weite Tiefen und höchste Höhen.

Auch schauspielerisch war es ein Amüsement, ihn als leidenden Schwan zu sehen und zu hören. Der Applaus zum Schluss wollte nicht enden, die Begeisterung war groß und im Publikum wurde über dieses klangmächtige Ereignis in großen Tönen diskutiert. (GEA)



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