REUTLINGEN. Ein großer Abend mit Genesis-Songs im klassischen Gewand. Das sollte das Konzert von Ray Wilson am Samstag in der Friedrich-List-Halle werden. Der Ex-Genesis-Sänger hatte sich für die Klassik extra die Unterstützung des Berlin-Symphony Ensembles geholt. So ganz konnte die Veranstaltung aber dem hohen Anspruch trotzdem nicht genügen.
Die meisten der Zuschauer im voll besetzten Saal waren wohl ehemalige Fans der legendären Rock-Gruppe Genesis. Natürlich war es deshalb nicht verwunderlich, dass sie bei allen großen Hits von Genesis begeistert mitklatschten und mitsangen. Ray Wilson bediente die Fans dann auch mit den allseits bekannten Hits: Von »I can't dance« bis »Land of confusion« spielte er fast alle großen Songs von Genesis. So schien der Funke bereits nach den ersten Klängen auf das Publikum überzuspringen.
Gleich zu Anfang begeisterte Ray Wilson außerdem mit einer tollen Akustikversion von »In the air tonight«. Überhaupt hatte er seine Stärken bei den Akustik-Stücken. Nur er allein, mit Gitarre auf der Bühne. Das ließ die Authentizität und das Gefühl spüren, die bei den opulenten oder schnellen Stücken oft verloren ging. Ray Wilson wäre wohl ein besonderes Erlebnis, in einem kleinen Club bei einem Unplugged-Konzert.
Leider schien für ihn aber schon die relativ kleine List-Halle in Reutlingen zu groß. Die Idee, die alten Genesis-Songs mit orchestraler Untermalung auf die Bühne zu bringen, war gut gemeint. Teilweise klappte das auch sehr gut. So gewannen Stücke wie die wunderschöne Version von Phil Collins' »Another day in Paradise« durch die Streicher noch mehr an Tiefe. Auch »Follow you, follow me«, das von Wilson als »das wichtigste aller Genesis-Stücke« bezeichnet wurde und zwar, »weil jetzt das erste Mal auch Frauen zu den Genesis-Konzerten kamen,« wurde ein besonderes Klangerlebnis durch die Begleitung der drei Violinen, der Bratscherin und des Flügels auf der Bühne. Doch konnte das ganze Konzert nicht seiner großen Ankündigung »Genesis Klassik - Pop meets Symphony« genügen.
Bei den schnelleren Stücken war meist gar nichts von den Klassik-Musikern zu hören. Schlagzeug, Gitarren und Keyboard übertönten jedes noch so gut gemeinte Streicher-Arrangement. Da hätte der Zuschauer auch auf ein ganz normales Rock-Konzert gehen können. Von der Symphonie war allenfalls ein nettes Symphönchen übrig. Auch ansonsten plätscherte das Konzert gerade im Mittelteil nur so ein bisschen dahin. Die Stücke, die Ray Wilson aus seiner Solo-Karriere spielte, wie zum Beispiel das rockige »Change«, waren zwar ganz nett anzuhören, zogen den Abend aber in die Länge.
Trotzdem gab Ray Wilson alles: Er sprang auf der Bühne herum, erzählte Anekdoten aus seiner Zeit in Stuttgart und griff auch mal selbst zu Trommel und Mundharmonika. Das wurde von den Reutlingern dann auch belohnt: Sie ließen den Sänger erst nach drei Zugaben, Standing Ovations und vielen Autogrammen aus der Halle gehen. (geu)
Viele Ärzte kassieren Extra-Honorare dafür, Patienten an bestimmte Kliniken zu überweisen. Das berichtet «Bild.de» unter Berufung auf eine repräsentative Studie der Universität Halle-Wittenberg.