REUTLINGEN. Christoph Zehendner packt sein Publikum in der evangelischen Pauluskirche in Sickenhausen im Nu. Bald schon singen etliche der Zuhörer am Freitagabend die oft von Psalmen aus der Bibel inspirierten Texte mit, wenn ihnen der Refrain per Beamer an die Wand projiziert wird. Eher selten gibt es nach den Stücken Applaus, meistens wartet das Publikum ruhig auf die Fortsetzung der Zehendner'schen Erzählungen und Darlegung seines Glaubens, bemüht, die Atmosphäre von Innigkeit und Feier nicht zu stören.
Der Liedermacher verbindet Charakteristika wie Innehalten, Schlichtheit und Gemeinsinn mit seinem christlichen Glauben und einer starken Performance. Musikalisch gesehen sind weder die Melodien noch die Stimme ungewöhnlich, aber Zehendner unterlegt seinen Gesang mit expressivem Ausdruck und Gestik, mal in Blues-Manier, mal mit dem nachdenklich-anklagenden Gestus eines Konstantin Weckers oder mit ansteckender Freude über anrührende Ereignisse.
Aus Kabul und Jerusalem
Diese Ereignisse verbinden sich oft mit seinen Reisen, daher auch der Name seines Programms: »Wortweltenwanderer«. Der Liedermacher versucht, seine Erlebnisse, die er in aller Welt gemacht hat, in Worte und Lieder zu fassen. Zu seinem Programm gehört auch eine Dia-Schau mit Bildern etwa von und aus der Stadt Jerusalem, die er besingt, von Kabul und den afghanischen Kindern, die Drachen steigen lassen, oder von indischen Waisenkindern.
Zwischen den Liedern gibt Zehendner prägnante Eindrücke, die er gesammelt hat, wieder, beispielsweise die Geschichte von der langsamen Männerprozession, die er in Indien gesehen hat: Ein Einbeiniger mit Krücken führte die Gruppe an, hin zum Musikfest. Ihm folgten Blinde, immer die Hand auf der Schulter des Vordermannes. Für Zehendner ein Beispiel dafür, wie sich jeder nach seinen Möglichkeiten in die Gemeinschaft einbringen kann.
Begleitet wird der Liedermacher von Michael Schlierf, einem versierten Profi am Klavier, der für den Drive in den Rock-Pop-Jazz-Stücken zuständig ist. Der Pianist spielt druckvoll, wechselt zwischen vollen Akkorden zu geradezu barock umspielten Melodien, lässt die Spannung auch in den ruhigeren Stücken nicht abflachen. Mit der Eigenkomposition »Israel« konnte Schlierf seine pianistischen Fähigkeiten voll ausspielen. (sol)
Die Liste der Cannes-Stars auf dem Festival ist lang. Einer aber versetzte die Fotografen, Journalisten und Autogrammjäger wieder in fast hysterische Aufregung: Brad Pitt.