Kultur
Monika Schaber im Technolo-giepark Tübingen-Reutlingen

Kraftvolle Konfettiwelt

Wer Monika Schabers Ausstellung »Territory« im Technologiepark Tübingen-Reutlingen besucht, sollte sich die Werke vom 5. Stockwerk an abwärts anschauen. Die aus 2003/2004 stammenden Holzschnitte aus der Serie »Screens«, die ganz oben mit bestem Blick über die Härten hängen, sind noch tastende Vorläufer zur dominierenden Serie »Territory« aus den Jahren 2007 bis 2009. So wird die künstlerisch-technische Entwicklung nachvollziehbar, die Findung der S Ausdrucksform oder schlicht: wie man aus Konfetti leicht außerirdische Landschaften schafft.

Denn an herabgefallenes Konfetti erinnern von Größe und nicht ganz perfekter Form her die runden Strukturelemente in Schabers Bildern. Hat dieses banale Sujet, wenn es etwa nach einem Festumzug in Schlieren auf der Straße liegt, schon die Potenz, sich unter einem fantasievollen Blick zu Figuren zu finden, erweckt die Künstlerin ihre runden Tupfen zu vielschichtigem, drängendem Leben. Was das körperliche Konfetti als schwache Ahnung in unserer Vorstellung auslöst, wird durch der Künstlerin Gestaltung dieser simplen Form in ihren zweidimensionalen Holzschnitten auf eine andere Bedeutungsebene gehoben. Nicht der Zufall, Schaber lenkt hier des Betrachters Einbildungskraft.

Siedlungslandschaften

Ihre Anordnung der Kreiselemente zu Gebäudeansammlungen, Verkehrswegen und Topografien führt durch die Unterlegung mit einem marmorierten, changierenden Untergrund und teilweiser Kombination mit »Schattenkreisen« in Kontrastfarbe zu einer ausgesprochen plastischen und komplexen Konstruktion. Ihre Landschaften sind Siedlungs-, nicht Naturlandschaften, wobei die in ihrer kontrastreichen Enge vibrierenden Punkte gleichzeitig Gebäude und ihre Bewohner, Straßen und ihre Benutzer darzustellen scheinen.

In diesen Holzschnitten steckt so viel Energie, dass das Motiv in der Umsetzung als Leuchtkasten nicht an Tiefe gewinnt, sondern durch die Farbigkeit eine zusätzliche Qualität. Weitere Variationen aus der Arbeit mit den Punkten sind die »Sequence«-Bilder. Hier ordnen sich die Tupfen strenger horizontaler Geometrie unter, Rhythmus durch unterschiedlich lange Lücken bildend.

Einige figürliche Anmerkungen findet man in der aus Zeichnungen und Drucken bestehenden Serie »Spurensicherung«, in der wieder die dreidimensionale Räumlichkeit hervorsticht, ob nun James-Bond-artig ein Rucksack-Flieger durch den hellen Bereich des Bildes davon zu schweben scheint oder rätselhafte Strukturen von einer spiralförmig aufgerollten Leitung aufsteigen.

Die Ausstellung kann bis 12. Februar montags bis freitags, 9 bis 16 Uhr, im Gebäude Gerhard-Kindler-Straße 6 des Technologieparks Tübingen-Reutlingen besucht werden. (sol)

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