Konzert - David Garrett begeistert in der Liederhalle

Klassischer Romantiker

Von Alexander Rabe

STUTTGART. Es ist kurz vor 20 Uhr. In wenigen Sekunden beginnt das Konzert der »Classic Romance«-Tournee von Stargeiger David Garrett in der Stuttgarter Liederhalle. Das Publikum wartet gespannt, so auch in Loge 4. »Ich habe den Garrett gesehen, als er als kleiner Junge im Fernsehen aufgetreten ist. Ich hab schon damals gewusst, dass der ein Großer wird«, sagt eine Dame in Gala-Robe zu ihrer Nebensitzerin.

   Stargeiger David Garrett zog das Stuttgarter Publikum mit seinem perfekten Spiel schnell in seinen Bann. FOTO: DPA
Stargeiger David Garrett zog das Stuttgarter Publikum mit seinem perfekten Spiel schnell in seinen Bann. FOTO: dpa
Dann wird der Small Talk von Beifall übertönt, die Weimarer Staatskapelle und David Garrett betreten die Bühne. Letzterer nimmt mit lässigen Jeans und seiner sündhaft wertvollen Stradivari auf einem Barhocker Platz.

Musiker und Moderator

Mit dem »Csardas« von Vittorio Monti eröffnet er sein klassisches Programm temperamentvoll und hat das Publikum im seit einem halben Jahr ausverkauften Beethovensaal schon nach wenigen Sekunden mit seinem virtuosen Spiel in seinen Bann gezogen. Mit der romantischen »Serenade« von Schubert und dem »Ungarischen Tanz Nr. 5« von Brahms - der mit verlangsamtem Vorspiel und Hornsoli dargeboten wird - unterstreicht der Aachener mit Leichtigkeit sein Ausnahmekönnen. Scheinbar mühelos spielt er sich mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht durch schwierigste Passagen.

Garrett sucht den Kontakt zu seinem Publikum, erzählt Anekdoten und berichtet von Tournee-Erlebnissen. Dass er dies nach jedem Stück tut, ist des Guten etwas zu viel. Dass er den jeweils folgenden Programmpunkt anmoderiert, hilft zumindest den Klassik-Neulingen im Publikum. Und jene Neulinge will Garrett insbesondere für die klassische Musik begeistern.

Im Schein weißer Kerzen am Bühnenrand spielt Garrett die neu arrangierte »Vocalise« von Sergej Rachmaninow und lässt die Herzen der Damen dahinschmelzen. Wenig später bringt er mit »He's A Pirate« aus dem Soundtrack des Films »Fluch der Karibik« nicht nur die Saiten seiner Geige zum Glühen, sondern auch die Härchen am Unterarm der Zuhörer zum Stehen.

Das Orchester, die Weimarer Staatskapelle unter der Leitung von George Pehlivanian, ist stets würdiger Begleiter des Virtuosen - mal herrlich weich und unauffällig, mal mit enormer Klangfülle.

Perfekte Kabinettstückchen

Die »Humoresque« von Dvoák, »Nur wer die Sehnsucht kennt« von Tschaikowsky, »Salut D'Amour« von Elgar oder die höchst schwierig zu spielenden »Zigeunerweisen« von Pablo Sarasate, die Garrett erstmals mit neun Jahren gespielt habe: Der »schnellste Geiger der Welt« spielt die Kabinettstückchen mit technischer Perfektion.

Nach der Pause gibt der Blondschopf noch einen Klassiker zum Besten. Im Violinkonzert Opus 64 von Felix Mendelssohn folgt ein vibrierender Stradivari-Ton dem nächsten und Garrett wird dem Titel seiner Tournee und der gleichnamigen CD einmal mehr gerecht: »Classic Romance«, klassische Romantik.

Zwei Zugaben - Massenets »Meditation« und Paganinis Variation »Karneval in Venedig« - geben dem begeisterten Stuttgarter Publikum den Rest. Auch in Loge 4, wo sich die eingangs erwähnte Dame in Gala-Robe erneut zur Nebensitzerin beugt: »Ich hab's doch schon damals gewusst. Der Garrett wird mal ein Großer.« Recht hatte sie. (GEA)

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