Lesung - Bestseller-Autorin Petra Durst-Benning stellte bei Osiander ihren neuen Roman »Die Zarentochter« vor
Kinder- und Jugendjahre einer Königin
VON DOROTHEE SCHEURER
REUTLINGEN. Historische Romane liegen im Trend. Eine Autorin, die auf dieses Genre setzt, ist die in der Nähe von Nürtingen lebende Petra Durst-Benning. Sie stellte am Mittwoch in der Buchhandlung Osiander ihren neuen Roman »Die Zarentochter« vor. Bis auf den letzten Platz war der große Veranstaltungsraum im obersten Stock besetzt.
Geschichte hat sie schon immer fasziniert. Nach der Schule war sie immer im Antiquitätengeschäft ihrer Eltern in Kirchheim/Teck. Ihr erlernter Beruf hat aber mit Geschichte wenig zu tun. Vor ihrer Karriere als Autorin arbeitete sie als Übersetzerin und Wirtschaftskorrespondentin. Sie hatte nie vor als Autorin Karriere zu machen. Aber, wenn schreiben, dann Historisches.
In den Geschichten von Petra Durst-Benning stehen Frauengestalten im Mittelpunkt. Im neuen Roman »Die Zarentochter« erzählt sie von der Großfürstin Olga Nikolajewna Romanowa (1822- 1892), zweite Tochter des russischen Zaren Nikolaus I. von Russland und späteren Königin Olga von Württemberg. Als Kind wird sie liebevoll Olly genannt.
Die Faszination für Olga von Württemberg wurde bei der Autorin durch ein Gemälde Franz Xaver Winterhalters geweckt, das 2006 bei Christie?s in London versteigert, vom Wüttembergischen Landesmuseum erworben und in der Landesausstellung »Das Königreich Württemberg« gezeigt wurde. Das besagte Gemälde zeigt Königin Olga in einer pastellfarbenen Robe mit Rosen - wunderschön und herrschaftlich. Einerseits wirkt sie fast einladend, kommt man ihr aber näher, fühlt man Distanz, fast eine Wand, die den Betrachter von ihr trennt.
Genauso empfand es Petra Durst-Benning, als sie das Bild das erste Mal sah. Und diese Wand zu durchtrennen, fiel ihr nicht leicht. Erst durch ihre Reise nach Russland auf den Spuren der Kindheit der Großfürstin gelang es ihr. Durst-Benning beschreibt einen magischen Augenblick, als sie nachts um zwei Uhr am Ufer der Newa bei Petershof, der Sommerresidenz der Zarenfamilie, saß und die, wie sie sagt, »Erleuchtung« hatte. Der Nebel lichtete sich und sie sah Olga zum ersten Mal, wie sie wirklich war.
Nahe an der Wirklichkeit
»Selten bin ich so nah an der Wirklichkeit geblieben wie in diesem Buch. Durch das umfassende Material, vor allem durch Tagebuchaufzeichnungen Olgas in Russland, konnte ich sehr detailliert über sie schreiben«, beantwortet Durst-Benning die Frage einer Leserin über Realität und Erfundenem im Roman. »So viel Material wie über Olga hatte ich bisher bei keinem meiner Romane zur Verfügung«, schwärmt die Autorin.
»Die Zarentochter« erzählt die Kindheit Olgas in Russland und endet mit dem Einzug in Stuttgart. Drei Tage dauern die Feiern zur Begrüßung der neuen Kronprinzessin. »Die Stuttgarter haben sich damals sehr gefreut«, meint Petra Durst-Benning. »Die Zarentochter« ist im weitesten Sinne eine Fortführung der »Zuckerbäckerin« wie eine begeisterte Leserin in der anschließenden Fragerunde bemerkt. Dort geht es um Olgas Tante, Königin Katharina von Württemberg. Durch ihre Romane könne man sich einen großen Teil der württembergischen und auch der russischen Geschichte erlesen, erklärt Petra Durst-Benning mit Stolz. Ihr ist es gelungen, ein eindrucksvolles Porträt von Königin Olga als Kind in Russland zu zeigen. Jetzt schreibt die Autorin am zweiten Teil von Olgas Geschichte, über die Zeit in Württemberg nach ihrer Heirat mit König Karl I. Der Roman soll nächstes Jahr im Herbst erscheinen.
Königin Olga widmete sich in Württemberg vor allem sozialen Aufgaben. Sie gründete neue soziale Einrichtungen, kümmerte sich um die Versorgung Behinderter und Kriegsverwundeter sowie um die Bildung und Erziehung von Mädchen. Sie übernahm die Schirmherrschaft über die Stuttgarter Heilanstalt für Kinder. Diese Anstalt wurde später nach ihr »Olgahospital« - im Volksmund »Olgäle« - genannt. Auch heute noch sind verschiedene Einrichtungen und Straßen nach ihr benannt. (GEA)