Konzert - Katharina Schlenker und Ecatuor

Kammermusik ohne Stühle

VON ELKE KADEN

MÜNSINGEN. Bereits in der vergangenen Saison hatte die in Münsingen gebürtige, mit Preisen und Stipendien ausgezeichnete junge Pianistin Katharina Schlenker gemeinsam mit einem Streicher-Ensemble, damals mit dem Amaryllis-Quartett, der Konzertreihe der Gesellschaft der Musikfreunde Münsingen (GdM) einen glanzvollen Höhepunkt verliehen. Nun setzte sie ihr Engagement für Münsingen und die GdM mit einem weiteren Highlight ihrer Reihe »Herbstliche Klavierquintette« gemeinsam mit dem Ensemble Ecatuor fort.

Die jungen Instrumentalisten Tilmann Hussla, erste Violine, Meike Lu Schneider, zweite Violine, Kundri Lu Schäfer, Viola, und Martin Knörzer, Violoncello, ausgebildet beim weltberühmten Artemis-Quartett, haben ein wichtiges Ziel: Menschen jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht für klassische Musik zu begeistern. Dazu wählen sie nicht immer historische Aufführungsräume wie die Münsinger Zehntscheuer und ein etabliertes Publikum, vielmehr spielen sie auch in Bars, Clubs, ja selbst auf der Straße! Man konnte gespannt sein auf diesen Auftritt.

Ohne Notenständer

Und in der Tat, es ist außergewöhnlich: Die Bühne ist leer – Notenständer, Stühle fehlen, wenn man von einem kleinen Hocker für den Cellisten absieht.

Dann betreten sie die Bühne und beginnen unmittelbar Beethovens Streichquartett F-Dur, op. 18/1. Die Notenblätter erweisen sich tatsächlich als vollkommen überflüssig, denn hier wird nicht buchstabiert, vielmehr musiziert: flexibel, sensibel miteinander – und vor allen Dingen mit ganz selbstverständlicher feinsinniger Virtuosität.

Faszinierend, wie sich die Musiker die Bälle der einzelnen Phrasen zuspielen! Es ist nicht nur der Blickkontakt, den das Fehlen der Notenblätter, -ständer und Stühle fördert; es ist mehr: Ein grenzenloser Klangkörper fügt sich aus vier virtuosen Gleichgesinnten.

Mit Ravels Streichquartett F-Dur setzten sie dem Programm die Krone auf: nicht zeichnerisch, sondern malerisch empfunden, zaubern sie Klänge vom Einfühlsamsten, mit viel Temperament aufgeladen. Lyrische Momente münden unversehens in hochdramatische Ausbrüche. Gestochen scharf erklingt das Pizzicato des zweiten Satzes, »Vif et agité«, geballt temperamentvoll finden sie zum Finale.

Dvorák mit rhythmischer Kraft

Nach der Pause war der Höhepunkt des Abends zu erwarten, das gemeinsame Musizieren des Ensembles Ecatuor mit der Pianistin Katharina Schlenker. Antonín Dvoráks Klavierquintett A-Dur, op. 81 stand auf dem Programm. Ganz selbstverständlich integrierte sich die Pianistin ins Ensemble, indem sie sowohl Dvoráks Folklore-Anklängen als auch der Stilistik der Spät- und Hochromantik gerecht wurde. Mit Farbigkeit, auf opulenten Klang gebetteter Melodik und sicherer Linienführung verlieh sie dem Quintett ihr musikalisches Gesicht. So dominierte sie virtuos und einfühlsam den Mittelteil der »Dumka«, eines slawischen Tanzes, und führte das Ensemble weiter voll rhythmischer Kraft zum temperamentvollen »Furiant«, klangfroh an den ersten Satz erinnernd.

Das Publikum war begeistert und mitgerissen und spendete Beifall mit Bravo-Rufen. Die Zugabe des Ensembles erinnerte eher an dessen Bar- oder Straßenmusik und wurde doch höchsten Ansprüchen gerecht. Der Beifall wollte nicht enden. (GEA)



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