Konzert - Black Art Jazz Collective im Pappelgarten

In der Tradition schwarzer Kultur

VON JÜRGEN SPIESS

REUTLINGEN. Die Musik dieser Zeit war jazzig mit etwas Rhythm & Blues, ein wildes Gemisch aus afroamerikanischer Identität, Power und Protest. Auch die aus Connecticut stammende All-Star-Band Black Art Jazz Collective kultiviert die Stimmung der heißen 60er-Jahre und führt am Mittwoch im voll besetzten Pappelgarten die »schwarze Kultur« in bester Tradition ihrer Vorbilder fort.Im Rampenlicht bei Festivals und Galakonzerten stehen Jeremy Pelt (Trompete), Wayne Escoffery (Tenorsaxofon) und James Burton (Posaune) selten, aber seit Jahren sind die drei versierten Bläser, die wie so viele durch Art Blakeys Jazz-Messengers-Schule gegangen sind, verlässliche Traditionalisten mit schier unerschöpflicher Klangfantasie. Wenn sie jetzt mit dem Pianisten Xavier Davis, dem Bassisten Daryll Hall und Drummer Moussa Fadera erstmals im Pappelgarten gastieren, dann nehmen sie die Zuhörer mit in ein rhythmisch pulsierendes Hardbop-Wunderland. Die drei Bläser präsentieren sich als kompetente Gestalter schier endloser Melodielinien, als begnadete Techniker, die ihre Muskeln spielen lassen können, sich aber auch angenehm zurücknehmen können.Viel Platz bleibt dennoch für die langen melodischen Improvisationen dieses Bläsertrios, aber wann immer sich Gelegenheit bietet, lassen auch die anderen ihre Fähigkeiten aufblitzen: Der für Johnathan Blake eingesprungene Moussa Fadera beweist, wie sensibel er sein Drumset beherrscht, den Kontrabass zu impulsivem Eigenleben erweckt Daryll Hall. Pianist Xavier Davis ist respektlos genug, sein Können zu zeigen, lässt die rechte Hand quirlig laufen, stemmt dunkle Akkorde in die Tasten. Plötzlich hören wir ein notenreich swingendes, gar nicht verträumtes Piano-Trio. Spannend wird es im zweiten Set vor allem dann, wenn der teilweise auf Deutsch moderierende Wayne Escoffery mit mächtigem, warmem Ton auf dem Tenorsaxofon ins Geschehen eingreift. Er ist ein Könner in den großen Schuhen von Charlie Parker, ein gewandter Nachfolger von Cannonball Adderley. Kein Neuerer, der John Coltranes »Giant Steps« weiterführt, auch wenn er den Sound des Saxofon-Übervaters in seinen Balladen gerne beschwört. Schwarz ist dieser Jazz durch und durch. Da schimmern Art-Blakey-Zitate durch die Stücke, mit »Awaiting Change« wird dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama nachgetrauert und »Devil Eyes« ist eine herzzerreißende Hommage an das verstorbene Gründungsmitglied der Band, Bassist Dwayne Burno. Das Publikum erlebt eine überaus kreative Traditionspflege, die nach zwei Stunden und einer Zugabe mit großem Applaus belohnt wird. (GEA)

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