Lesung - Werner Ort über Heinrich Zschokke

In Aarau sesshaft

REUTLINGEN. Keine 20 Besucher folgten am Dienstagabend einem informativen Vortrag in der Stadtbibliothek: Der Schweizer Historiker Werner Ort stellte mit dem Hintergrund der Städtepartnerschaft zwischen Aarau und Reutlingen seine Biografie über den deutschen Autor und Erzieher Heinrich Zschokke vor, der zur selben Zeit wie der Reutlinger Ökonom Friedrich List in Aarau lebte. Eine Begegnung der beiden mit vielen Talenten gesegneten Vordenker ist allerdings nicht überliefert.

Zwei höchst unterschiedliche Lebenswege, die doch einiges gemeinsam hatten: Beide stammten aus Deutschland, sie zeichneten sich in verschiedenen Disziplinen durch ihren Weitblick aus, und es verschlug sie beide ins Schweizer Exil, nach Aarau. Während Friedrich List vor seiner drohenden Festungshaft nach Aarau floh und dort von 1823 bis 1824 lebte, wie Kulturamtsleiter Werner Ströbele bei seiner Einführung erläuterte, galt Heinrich Zschokke zu dieser Zeit bereits als eine der wichtigsten publizistischen Stimmen der Schweiz.

Der in Aarau geborene und in Zürich lebende Historiker Werner Ort las im ersten Teil der Veranstaltung aus seiner Biografie über Heinrich Zschokke (1771–1848) und berichtete über dessen indirekte Verbindungen zu Reutlingen.

In Magdeburg geboren

Der aus Magdeburg stammende Zschokke, der schon als Jugendlicher Theaterstücke schrieb, hatte bereits in Deutschland eine erfolgreiche Karriere als Schriftsteller und Dramatiker hinter sich, bevor er 1798 »in der Schweiz hängen blieb«. Über die Stationen Graubünden und Chur landete er schließlich in Aarau, wo er als »geistreicher Volksschriftsteller, Politiker und Erzieher« die ersten Jahrzehnte des jungen Kantons Aargau prägte. Zschokke war nicht nur ein glänzender Redner und fantasievoller Geschichtenerzähler, »seine größte Leidenschaft galt dem Lehren und der Volksaufklärung«, so sein Biograf.

Ort bezeichnete ihn als »die liberale Antwort auf die Restauration« und ging im zweiten Teil seiner Lesung auch auf den sogenannten Bücherkrieg zwischen Zschokkes Aarauer Verleger Sauerländer und zahlreichen württembergischen Verlagen ein. Der Streitpunkt: Vor allem Reutlinger Verlage produzierten zu dieser Zeit billige Nachdrucke, unter anderen auch von Zschokke-Werken, gegen die sich Sauerländer mit Preisnachlässen wehrte. Dagegen kämpfte Heinrich Zschokke bis zu seinem Tod in Aarau für eine liberale und sozialverantwortliche Gesellschaft »und gab dieser Idee in seinen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern eine machtvolle Stimme.« (jüsp)

Werner Ort: Heinrich Zschokke . Eine Biographie. 712 Seiten, 90 Abbildungen, 62 Euro. Hier und Jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte, Baden-Dättwil (Schweiz).



Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Die GEA-Kampagne

200 Jahre Fahrrad

Geschichten, Messe, Touren, Gewinnspiel: Der 200. Geburtstag des Fahrrads wird  gefeiert, und der GEA ist mit einer großen Kampagne dabei
Geschichten, Touren, Hintergründe: Der 200. Geburtstag des Fahrrads wird gefeiert, und der GEA ist mit einer großen Kampagne dabei.
lesen » www.gea.de/fahrrad
Ausstellung

Gedok Reutlingen: Hintersinn statt Muskelspiele

Keramik von Heidi Degenhardt
Wenn über einer Ausstellung der Titel »kraftvoll« prangt, dann macht man sich auf was gefasst. Materialschlachten, Farbexplosionen, ästhetische Muskelspiele.
lesen »
Pfullinger Projekt

Wann gibt's grünes Licht für das Kulturhaus Klosterkirche?

amit wieder alle Stockwerke der  Klosterkirche genutzt werden können – was seit acht Jahren aus Brandschutzgründen nicht mehr möglich ist – sieht der Siegerentwurf des Planungswettbewerbs aus dem Jahr 2014 einen Treppenturm vor, der alle Geschosse erschließt. Zusätzlich käme ein Anbau mit einem Saal für rund 200 Leute hinzu. GRAFIK: BAMBERG ARCHITEKTEN
Der Förderverein Kulturhaus Klosterkirche (KuK) steht bereit, sich für die Verwirklichung des lang ersehnten Kulturhauses - auf Basis des Siegerentwurfs vom Planungswettbewerb 2014 - ins Zeug zu legen. »Wir brauchen allerdings zunächst ein Signal von der Stadt«, betonte der Vorsitzende Albert Mollenkopf.
lesen »

Riesiges Fass im Schlosskeller bald wieder zugänglich

Ab Januar ist das älteste erhaltene Riesenweinfass der Welt wieder für Besucher zu besichtigen. Foto: Sebastian Gollnow

Tübingen (dpa/lsw) - Das älteste erhaltene Riesenw... mehr»

Mit voller Konzentration zum Sieg gegen Weinheim

Wieder einsatzfähig: SSV-Innenverteidger   Jonas Vogler (rechts). Foto: Baur

**REUTLINGEN. **Mit der TSG Weinheim schlägt am he... mehr»

Literatur: »Zauberer - das sind wir alle!«

Nadolny bei einem Auftritt auf der Buchmesse diesen Oktober in Frankfurt. Foto: Krichel

**TÜBINGEN. **Sten Nadolny will nicht Joanne K. Ro... mehr»

Grundschüler bauen Instrumente für Konzert

Damit sie harmonisch klingen: Wolfgang Bergler stimmt die Kalimbas, die die Schüler der ALS gerade gebaut haben.

**KUSTERDINGEN. ** »Ich hoffe, so stimmt es.« Nach... mehr»

Mähringer Härtenschule: Mehr Platz für bessere Betreuung

Der Neubau soll in Verlängerung des grauen Kernzeit-Gebäudes (vorne rechts) nach links entstehen. Foto: Harald Rauser

**KUSTERDINGEN-MÄHRINGEN. **Dass es an der Härtens... mehr»

Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Videos
Aktuelle Beilagen