Konzert - Nachwuchs- orchester in der Stadthalle

Heiteres und Dramatisches

VON HEIKO REHMANN

REUTLINGEN. Triller und Tremolo, sanfte Streicher-, wilde Bläserklänge: Am Sonntagabend gab das Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie Reutlingen sein Herbstkonzert in der Stadthalle. Zugleich war es das erste Konzert unter der Leitung der jungen Schulmusikstudentin Maria Eiche. Sie hat im September ihren Vorgänger Konrad Heinz abgelöst.

Sanft schwebend steigen die Violinen in Pjotr Iljitsch Tschaikowskis »Elegie für Streicher in G-Dur« ein, begleitet von einem dynamischen Pizzicato der Celli. Dann hebt das Werk zu einem dramatischen Donnergrollen an, dem in der Interpretation der rund 70 Musiker im Alter von 12 bis 19 Jahren noch ein wenig der Schwung fehlt.

Mit umso mehr Schwung holen sie dafür die im Sommer versäumte Verabschiedung ihres bisherigen Dirigenten Konrad Heinz nach, der als frisch eingestellter Musiklehrer und Familienvater nun keine Zeit mehr für das Nachwuchsorchester hat. Eine Rose bekommt er überreicht, und weil er Großes geleistet hat, ist sie auch ganz besonders groß. Dann singt das Orchester gemeinsam mit dem Publikum eine Neufassung des bekannten Mozart-Kanons »Bona Nox«: »Lieber Konz! Wir bedanken uns! War ne coole Zeit, doch jetzt ist’s vorbei, Oh Nein! Ha’m geschwitzt, viel gelacht, und dich zur Verzweiflung gebracht. Heute Nacht singen wir dies Lied für dich, dass es kracht! Bleib gesund und werd nicht kugelrund!« Während Seifenblasen aus dem Orchester aufsteigen, sitzt der Ehemalige gerührt auf dem Dirigentenpult.

Unter neuer Leitung

Dieses hat nun Maria Eiche inne, die in Stuttgart Schulmusik studiert und seit dem Jahr 2008 Mitglied der Jungen Sinfonie ist. Für ihre neue Aufgabe hat sie sich vorgenommen, »dass die Jugendlichen Spaß am Spielen haben, dass sie mit Leidenschaft spielen«. Fehler zu vermeiden gehöre nicht um jeden Preis dazu. Dass sie damit auf dem richtigen Weg ist, zeigt sich an der Spielfreude der jungen Musiker im Konzert.

In Schumanns »Introduktion und Allegro appassionato« op. 92 tritt die junge Reutlinger Pianistin und Jugend-musiziert-Preisträgerin Isabelle Haas als Solistin auf. Mit ihrem weichen Anschlag und dem geschmeidigen Lauf ihrer Finger überzeugt sie von Anfang an. Ihr fehlerfreies Spiel harmoniert perfekt mit dem Orchester. Wie Rede und Gegenrede sind die Einsätze aufeinander abgestimmt. Wenn sich bei den Bläsern gelegentlich ein paar falsche Töne einschleichen, stört dies den Fluss des Stückes überhaupt nicht, womit sich zeigt, dass Maria Eiche völlig recht hat, wenn sie Spielfreude über Perfektion stellt.

Beethoven mit Schwung

Mit Beethovens erster Sinfonie steht ein selten gespieltes Frühwerk auf dem Programm – mit seiner an Mozart erinnernden Heiterkeit ist es gut geeignet für die jungen Künstler.

Die Musiker steigen zunächst noch etwas verhalten in die heiteren Melodiebögen des ersten Satzes ein, steigern sich dann aber zu beachtlichem Schwung. Schließlich gelingt ihnen ein schönes Wechselspiel zwischen Streichern und Bläsern, das sich zu einem kräftigen Schlussakkord steigert. (GEA)



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