Literatur - »Die Irritation«, 21 Stories von Anke Laufer

Geschichten mit Sogwirkung

KUSTERDINGEN. Die Schriftstellerin Anke Laufer hat mehr Preise als Bücher. Für unveröffentlichte Texte wurde die in Mähringen lebende promovierte Ethnologin mit dem Würth-Literaturpreis 2011, dem Irseer Pegasus, dem Nordhessischen Autorenpreis, zweimal mit dem Schwäbischen Literaturpreis und mit dem Literaturpreis der Buchmesse im Ried ausgezeichnet. Jetzt sind ihre preisgekrönten Erzählungen zusammen mit anderen in dem Buch »Die Irritation« erschienen (295 Seiten, 16,90 Euro, Worthandel Verlag, Dresden).

Meist kaum zehn Seiten lang, erfasst jede von Anke Laufers »21 Stories« ein komplexes menschliches Drama. Sie beherrscht die Kunst des präzisen Settings, sowohl örtlich als auch psychologisch - und das mit einer schnörkellosen Sprache, in der jedes Wort sitzt. Jede Geschichte hat eine eigene Perspektive; oft braucht es eine Weile, bis man als Leser diese erfasst hat, auch bis man weiß, ob ein Mann oder eine Frau erzählt. Aber aus den nach und nach gereichten knappen Informationen entwickelt sich ein erzählerischer Sog, dem man sich nicht entziehen kann.

Mord auf einer Fähre

Das liegt freilich auch an den Inhalten, in denen es nicht selten um Leben und Tod geht, um Verlust, Schuld, Versäumnisse, Abstürze. »Am Klippenrand«, die mit dem Würthpreis ausgezeichnete Kurzgeschichte, konfrontiert mit einem jungen Kerl, den ein spielendes Mädchen auf dem Kliff in die Erinnerung an seine kleine Schwester hinabreißt, die hier den Tod gefunden hat, weil er nicht aufgepasst hat. In der Titelgeschichte »Die Irritation« berichtet eine alte, seekranke Dame, wie der Neid auf ein junges Glück sie zur Mörderin eines jungen Mädchens auf einer englischen Fähre machte.

Die 28 Seiten lange Science-Fiction-Novelle »Die Chronistin von Chateauroux« macht mit einer bedrohlichen Kinderwelt im Jahr 2121 bekannt, die ebenso sanft wie faschistoid ist. Erwachsene sind abgeschafft, weil die Menschen keine Eltern mehr brauchen, weil sie mit 20 Jahren reproduziert werden. Dieser Text lebt in verstärktem Maß von der farbigen, kenntnisreichen Darstellung exotischer Schauplätze. In einen Schauplatz des Grauens führt indes »Der Saal unter dem Fluss«, dessen Totenhaus-Szenerie einen so schnell nicht mehr loslässt. Ausgehend von einer jobsuchenden Friseurin öffnet Anke Laufer eine Welt der Gewalt und stellt sich zugleich dagegen. Große Literatur. (can)



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