Crossover - Überraschende Versionen berühmter Stücke: Der lässige Stargeiger liefert in Stuttgart eine perfekte Show

Garrett lässt es krachen

VON GISELA SÄMANN

STUTTGART. Was für eine Verschwendung, jammerten die Klassik-Puristen, als das einstige Wunderkind aus Aachen der reinen Lehre abschwor und auch Led Zeppelin und Nirvana geigte. Aber was für eine Verschwendung wäre es gewesen, hätte sich David Garrett nicht dem musikalischen Crossover verschrieben: Dann blieben den Rock- und Popfans unvergessliche Momente vorenthalten.

   Stargeiger David Garrett zog das Stuttgarter Publikum mit seinem perfekten Spiel schnell in seinen Bann. FOTO: DPA
Stargeiger David Garrett zog das Stuttgarter Publikum mit seinem perfekten Spiel schnell in seinen Bann. FOTO: dpa
Mit »Welcome to the Jungle« von Guns 'n Roses eröffnet der Stargeiger sein Konzert in der ausverkauften Stuttgarter Schleyer-Halle. Auf der »Rock Anthems«-Tour kracht es von Anfang an ordentlich. Eine exzellente Band hat David Garrett im Rücken plus das Orchester der Frankfurter Philharmonie. Dazu kommt eine gigantische, hochkreative Light-Show. Auf der Leinwand im Bühnenhintergrund werden zu jedem Musikstück Geschichten erzählt, in die der geigende Hauptdarsteller nahtlos eingepasst wird.

Dass er so unverschämt gut aussieht, dafür kann der 32-Jährige nichts. Aber auch das gehört natürlich zur Show, ebenso wie das superlässige Outfit mit Jeans, fetten Klunkern und derben Stiefeln. Der Liebhaber schneller Autos bietet dem Publikum eine atemberaubende Fahrt durch die Rock-Pop-Geschichte mit Stücken unter anderem von den Beatles, Michael Jackson, Coldplay, Nirvana und Queen. Es sind mitunter überraschende Bearbeitungen, oft eigenwillige Instrumentalversionen berühmter Songs - die auf diese Weise einen ganz neuen emotionalen Ausdruck bekommen. Absolute Höhepunkte in Stuttgart sind die Version von »Kashmir« (Led Zeppelin) sowie das genial verjazzte »Desperado« der Eagles.

Garrett gibt auch Klassik-Konzerte und spielt Klassik-Alben ein, aber auf dieser Tour steht das im Hintergrund. Beethovens »Neunte« kommt mit Band und Orchester gewaltig daher. Umso schöner, wenn dann barocke Corelli-Variationen für eher leise Momente sorgen.

Globetrotter-Anekdoten

Zwischen den Musikstücken gibt's Anekdoten aus dem Leben des geigenden Globetrotters, der sein Basislager in New York hat. Lustige Geschichten sind das, und doch wirkt alles ein bisschen zu einstudiert. Es ist der einzige Abstrich, den man an diesem Abend machen muss: David Garrett ist virtuos, er spielt mit Hingabe, die Show ist perfekt - aber es fehlt das Spontane, die konsequente Zuwendung an genau diese Zuhörer. Der Musiker bleibt distanziert und lässt gar die junge Frau, die er bei »Stop Crying Your Heart Out« zu sich holt, nachher allein wieder über die Bühne laufen und ins Publikum hinuntersteigen.

Sympathisch hingegen die Bilder aus dem Familienalbum, die bei »Yesterday« über die Leinwand flimmern. Und sympathisch auch, dass zu »Thank You For Loving me« von Bon Jovi sehr persönliche Dankadressen an seine Mitarbeiter hinter den Kulissen aufleuchten. Es fordert seinen Tribut, dieses Leben auf der Überholspur, das Hetzen von Kontinent zu Kontinent: Mit Familie und Freunden engen Kontakt zu halten, sei schwierig bis unmöglich, erzählt der Deutsch-Amerikaner. Und dass sein Team eine Ersatzfamilie sei - die sich vielleicht ganz schnell auflöst, wenn es mal nicht mehr so gut läuft. Aber was hilft's, er kann und will nicht anders. Garrett geigt John Miles: »Music as my first love - and it will be my last.« (GEA)



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