Ausstellung - Kunstmuseum Spendhaus zeigt Originalgrafik-Bücher aus dem Leipziger Verlag Lubok und freie Arbeiten der beteiligten Künstler. Heute ist Eröffnung

Erschwingliche Kunst

VON MONIQUE CANTRÉ

REUTLINGEN. Preiswerte Originale gehörten zu HAP Grieshabers Demokratiebegriff einer Kunst für alle. Lubok ist darum im Reutlinger Spendhaus, wo Grieshabers Schaffen eine Heimat hat, genau am richtigen Ort. Der Leipziger Verlag druckt Bücher mit originaler Grafik in relativ hohen Auflagen - bis zu 1 500 Stück - und bringt sie zu erschwinglichen Preisen zwischen fünfzig und achtzig Euro unters Volk. Heute um 19 Uhr wird im Spendhaus die bis 25. April dauernde Lubok-Ausstellung eröffnet.

Lubok hießen die russischen Volksbilderbögen, die seit dem 17. Jahrhundert auf Jahrmärkten verkauft wurden. Seit 2007 geben unter diesem Namen der Künstler Christoph Ruckhäberle und der Drucker Thomas Siemon Künstlerbücher mit originalen Linolschnitten heraus. Etwa zehn verschiedene Künstler sind an jedem Band beteiligt. Ihre Grafiken werden auf einer Päsident-Schnellpresse aus dem Jahr 1958 in der Leipziger Baumwollspinnerei gedruckt.

»Handwerklich erstklassig« nennt Kurator Ralf Gottschlich ihre buchbinderische Verarbeitung. Davon kann sich jeder Besucher selbst überzeugen, denn die Bücher liegen auf Tischen aus, und man darf darin nach Herzenslust blättern. Auf zehn Lubok-Sammelausgaben ist die Reihe mittlerweile angewachsen. Etliche Ausgaben sind jedoch vergriffen.

Der besondere Charme der Lubok-Alben hat sich schnell herumgesprochen und hat auch das Interesse von namhaften Künstlern wie Christiane Baumgartner, David Schnell oder Matthias Weischer geweckt sowie von Tal R, André Butzer, Christoph Feist, Katharina Immekus und Volker Pfüller, die dann auch monografische Künstlerbücher gestalteten. Die insgesamt beteiligten hundert Künstler gehören so gut wie alle der jüngeren Generation um 35 an.

Klassische Hochdrucktechnik

Umso mehr überrascht, wie sie in der für viele ungewohnten klassischen Hochdrucktechnik des Linolschnitts und der Beschränkung auf Schwarz-Weiß auf »altmodische« Sujets zurückgreifen. Die große Mehrheit gestaltet im vorgegebenen Format Din-A 4 figurative Szenen, die an Expressionismus und Neue Sachlichkeit erinnern. Andererseits finden die Künstler für ihre Figuration auch ungewohnte Bildlösungen. Aber alles wirkt irgendwie ein bisschen »retro«.

So auch Christoph Ruckhäberles Tapeten, die mit ihrer seriellen Op-Art dem Sehnerv einiges abverlangen. Im ersten und zweiten Stockwerk sind Wände mit seinen originalen Linolschnitttapeten beklebt und geben den darauf verteilten Exponaten einen unruhigen Hintergrund. Von den hundert Lubok-Künstlern sind 29 auch mit freien Arbeiten präsent und lassen staunen, wie anders ihre eigentliche Handschrift in Malerei und diversen Grafik-Formen aussieht.

Mit großen, fotografisch anmutenden Linoldrucken imponiert Katharina Immekus, gegenüber hängen mit Ölfarbe vielschichtig gedruckte ornamentale Bilder von Jens Schubert. Kohlezeichnungen von Simone Waßermann sind zu sehen, Radierungen von Schnell und Weischer, Scherenschnitte von Steve Viezens, Holzstiche von Stefanie Schilling.

Geöffnet ist Dienstag bis Samstag 11 bis 17 Uhr (donnerstags bis 19 Uhr) sowie sonntags 11 bis 18 Uhr. (GEA)



Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktuelle Beilagen
Mundart

Hörbares Schwäbisch per Mausklick

Sprachatlas-Screenshot (Ausschnitt) zum Begriff »Bürgermeister«. Foto: VEY
Die Vielfalt der Dialekte im Land blättert der digitale Sprachatlas auf, den Tübinger Forscher aufgebaut haben. »I hoo«, sagen die Junginger, »I ha« die Gomadinger. »I häb« oder »I han« heißt es in anderen Regionen für »Ich habe«. Der besondere Reiz am Online-Atlas ist, dass Ortsansässige ihren Dialekt lebendig werden lassen. Hörproben gehören zum sprechenden Sprachatlas. »So erfährt der Nutzer, wie ein Wort klingt«, erklärt Hubert Klausmann, Leiter des Projekts, das am Ludwig-Uhland-Institut angesiedelt ist.
lesen »
Personen

Vierter Verdächtiger nach Tod von Kims Halbbruder in Haft

Polizisten sperren im Flughafen von Kuala Lumpur einen Bereich ab, in dem der Mord nachgestellt werden soll. Foto: AP
Nach dem mutmaßlichen Giftmord am ältesten Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die Polizei in Malaysia eine vierte verdächtige Person festgenommen. Bei dem Festgenommenen soll es sich nach Medienberichten um einen 47 Jahre alten Nordkoreaner handeln.
lesen »

Trudeau fordert Aufmerksamkeit für die Mittelklasse

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel beim Matthiae-Mahl in Hamburg. Foto: Christian Charisius

Hamburg (dpa) - Der kanadische Premierminister Jus... mehr»

Viele Tote bei Razzien nach Anschlag in Pakistan

Ein pakistanischer Polizist in Islamabad. Armeechef Bajwa sagte: «Wir werden einen Erfolg der feindlichen Agenda nicht zulassen, egal, was es kostet». Foto: B.K. Bangash

Islamabad (dpa) – Nach einem der schwersten Selbst... mehr»

Dicke Luft in Stuttgart - Land setzt alles auf blaue Plakette

Eine Hand hält einen Designvorschlag des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg in der Innenstadt von Stuttgart vor einem vorbeifahrenden Auto. Foto: dpa

Stuttgart (dpa/lsw) - Letzte Hoffnung: Um die vor ... mehr»

Nach Brexit-Votum: Zahl der Einbürgerungen von Briten steigt

Nach dem Brexit-Referendum ist die Zahl der Briten, die einen deutschen Pass haben möchten,deutlich gestiegen. Foto: Julian Stratenschulte

Berlin (dpa) - Nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 ... mehr»

Mehrheit gegen Klarnamenzwang bei Facebook und Co

Nur jeder Fünfte meint, dass die Nutzer von Pseudonymen im Intenret etwas zu verbergen haben. Foto: Tobias Hase

Köln (dpa) - Wer im Internet mit Pseudonym statt r... mehr»

Bürgerbeteiligung

Wie die Eninger ihre neue Mitte suchen

Viele Eninger beschäftigten sich am Mittwochabend mit der Entwicklung ihres Ortes, wozu auch ein Modell der Ortsmitte aus den Achtzigerjahren aufgebaut war.
»Wo ist die Ortsmitte«? Eine der Grundfragen, über die die etwa 150 Teilnehmer an der Auftaktveranstaltung zur Vorstellung des Entwicklungskonzepts Ortsmitte nachdachten. Und sie machten in der HAP-Grieshaber-Halle zahllose Vorschläge.
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...