Konzert - Das Lage Lund Trio im »Pappelgarten«

Energetisch und vibrierend

VON ISABELLE WILTGEN

REUTLINGEN. Das ging ab, gestern im »Pappelgarten«! Schnelle Harmoniewechsel auf der Gitarre, wildes Toben in den Drums, hektisches Brummen auf dem Kontrabass – das Lage Lund Trio ließ es krachen! Das Trio um den norwegischen Gitarristen Lage Lund ist vom Energielevel her kaum zu übertreffen.

Dabei sind die Gestik und die Mimik des Frontmans immer sehr ruhig und besonnen. Stets behält er eine nachdenkliche Miene, schaut immer mit seinen Augen nach oben, als ob er sich die Melodie, die er spielt, gerade ausdenken würde. Lage Lund macht keine große Show, redet nicht viel, lässt sich Zeit: Er bleibt ganz bei der Musik, ob improvisiert oder nicht. Sein Spiel ist energetisch und vibrierend. Doch er sieht dabei sehr ruhig und gelassen aus, im Gegensatz zu den beiden anderen Musikern des Trios, Matt Brewer am Bass und Justin Faulkner an den Drums. Matt Brewers Haltung ist so gespannt und nervös, man sieht wahrhaftig, wie ihn die Musik elektrisiert.

Prickelnde Zurückhaltung

Justin Faulkner lässt seine ganze Spannung an den Drums aus: mit bestialischer Kraft und rasender Geschwindigkeit haut er auf die Trommeln. Dabei hat er aber stets Kontrolle über die Drumsticks. Welch prickelnde Zurückhaltung bei den leisen Stellen! Zum Beispiel sein Sound mit den Schlagzeugbesen: Das hört sich an wie elektrostatisch aufgeladene Luft.

Bei Lund sind es diese gleichzeitige Ruhe und Energie, die ihm eine mystische Präsenz geben. Während des ersten Sets sieht sein Anzug auch ein wenig aus wie der eines Priesters – schwarzer Pulli, unter dem etwas Weißes am Kragen auffällt – eine Krawatte, wie sich später herausstellt. Lustig, dass gerade das erste Stück vom »Rumspringa« der streng religiösen Amish handelt. »Rumspringa« – eine Art Übergangsritual, bei dem jugendliche Amish in die weite Welt gehen dürfen, um die »Sau rauszulassen«, um danach informiert die Entscheidung zu treffen, ob sie Amish bleiben wollen oder nicht.

Tiefe und Flair

Dieses »Rumspringa« hat man sehr gut in Schlagzeug und Bass gehört – ihr Spiel schrie nach Exzess! Darüber spielte Lund eine eingängige Melodie, sehr schön und sauber phrasiert – wie die Stimme eines vernünftigen, gemäßigten Amish! Überhaupt ist Lunds Spiel sehr friedlich: vorsichtige Akkordfolgen, die gleichzeitig ungewöhnlich und doch völlig stimmig klingen, sehr schöne funkelnde Akkordbrechungen, alles sehr sanft und doch vital.

Doch Lund erfindet damit nicht das Rad neu und auch die Begleitung an Schlagzeug und Bass ist nichts Außergewöhnliches, so will bei aller Virtuosität und geistreicher gestalterischer Kraft der Funken, der doch zwischen den Musikern auf jeden Fall gezündet hat, bei manchem Zuhörer doch nicht überspringen. Keine entflammende Musik – aber dennoch: Musik mit Tiefe und Flair! (GEA)



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