REUTLINGEN. Es ist Sonntagmorgen, die Sonne strahlt kühl über dem Studio der Württembergischen Philharmonie und drinnen dreht sich auch alles um das Gestirn, das nicht wärmen will. »Sunrise Quartet« heißt das Ensemble aus Musikern der Philharmonie, das hier zum ersten Mal vors Publikum tritt. Wobei aus einem Guss wirkt, was Timo de Leo und Konrad Balik an den Geigen, Benjamin Hartung an der Bratsche und Friedemann Dähn am Cello vorlegen.
Wie gesagt, es geht um die Sonne, mit drei Werken aus drei Epochen, immer rückwärts auf dem Zeitstrahl. Am Anfang ein Sonnenaufgang, aber kein gewöhnlicher, denn nicht nur die Beatles, sondern auch die Anhänger der Minimal Music ließen sich in den 60ern/70ern von indischer Musik und Mythologie begeistern, wie Friedemann Dähn in seiner Einführung erläutert. Und so ist es keine normale Sonne, die in Terry Rileys »Sunrise Of The Planetary Dream Collector« aufgeht, sondern ein Gestirn, das die Träume der Menschen einsaugt. Soghaft ist auch die Musik; es braucht indes ein paar Momente, ehe die kreisenden Motive ihre Kraft entfalten. Dann jedoch gleitet man unwiderstehlich mit auf einem hypnotischen Klangstrom.
Dunkle Farben der Dämmerung
Und schon geht die Sonne unter mit Ottorino Respighis spätromantischem Gedicht-Epos »Il tramonto«. Dazu tritt die Mezzosopranistin Frédérique Friess zum Ensemble und lotet mit ihrer Stimme sehr innig die klanglichen Schattenzonen aus. Abendrot, das steht hier für den Tod des Geliebten; Friess und das Quartett fassen das in volle, warme, friedvolle Klänge, ruhig und fließend.
Gleich darauf ist es wieder Morgen in Haydns »Sonnenaufgangsquartett« Opus 76/4. Der Titel stammt, wie Friedemann Dähn anmerkt, nicht von Haydn selbst, trifft's aber trotzdem. Bei so viel spritziger, kontraststarker Spiellaune geht am Klassik-Himmel ganz fraglos die Sonne auf. Das Adagio lässt die Szenerie noch einmal sehr atmosphärisch im nebelverhangenen Zwielicht versinken; aber mit dem kernig walzernden Menuett und dem robusten Finale herrscht dann wirklich eitel Sonnenschein. Und der wärmt mehr als der vor der Tür. »O sole mio« grüßt das Quartett plus Sängerin zum Schluss - man wünscht sich noch weitere solche Auftritte der Truppe. (akr)
Die Liste der Cannes-Stars auf dem Festival ist lang. Einer aber versetzte die Fotografen, Journalisten und Autogrammjäger wieder in fast hysterische Aufregung: Brad Pitt.