METZINGEN-GLEMS. Gäbe es ihn nicht, wäre die Geschichte der Bluesmusik vielleicht ganz anders verlaufen.
Einzigartiges Mundharmonikaspiel: Paul Jones an der Blues Harp. FOTO: JÜSP
Und auch die Kulturkneipe Hirsch hätte auf ein stimmungsvolles Highlight verzichten müssen. Nun war Sänger und Harmonikaspieler Paul Jones mit seiner Blues Band höchstselbst in Glems und machte das, was er bereits seit Ende der 70er-Jahre am liebsten tut: zurückgelehnte Bluesmusik spielen.
Dabei gehören die Briten zu denjenigen, die die Crux des Älterwerdens ignorieren und auf der Bühne wie abgeklärte und mit sich zufriedene Freizeitmusiker wirken. Fünf Routiniers, die den Blues in vielen Schattierungen zu spielen wissen und die Stimmung so lange anheizen, bis die Menschen im Saal wippen, tanzen und johlen. Hier zeigt sich mal wieder, dass gerade Bluesmusiker nicht nach ihrem Alter und ihren CD-Produktionen beurteilt werden sollten. Live klingen die hochgelobten Briten nämlich um ein Vielfaches kraftvoller, authentischer und intensiver als auf den rund 20 Alben, die sie während ihrer über 30-jährigen Bandgeschichte aufgenommen haben.
Vor allem die Art, in der Blues-Band-Initiator Paul Jones seine Harp spielt, ist umwerfend. Die tiefen Lagen klingen manchmal so rau, als entstünden sie nicht an den Zungen des Instruments und des Mundes, sondern tief im Halsbereich. Auch in den Höhen findet er immer wieder den richtigen Ton. Dazu kommt seine wandlungsfähige Stimme, die kraftvoll donnern und erschüttern bis zart ansingen kann gegen die Band, die seinen Eskapaden wohl folgt, aber stets genügend Eigendynamik entwickelt, um eine durchweg hohe Spannung aufrechtzuerhalten. Stücke wie »Sittin' On Top Of The World« oder »Robert Johnsons »Crossroads« kommen so als Zwölftakter stets gut gelaunt und mit enormer Lautstärke daher.
Abwechslung am Mikrofon
Auch die dramaturgische Abfolge des Auftritts, nämlich immer wieder akustische Passagen einfließen zu lassen und den Gesangspart aufzusplitten, ist gut gelöst. The Blues Band besteht aus fünf Musikern, von denen sich vier reihum am Mikrofon abwechseln und nur einer, nämlich Schlagzeuger Rob Townshend, die ganze Konzentration seinem Instrument widmet. Harpspieler Paul Jones, ehemaliges Manfred-Mann-Mitglied, Gitarrist Tom McGuinness, E-Bassist Gary Fletcher und Slidegitarrist Dave Kelly wechseln sich mit verklärtem Altherrenlächeln beim Singen ab, und zwar mit sehr unterschiedlichen Stimmen.
Dazu gibt es charmante Anekdoten aus den Anfängen der Band und humorvolle Ansagen von Paul Jones. Kein Zweifel, The Blues Band gehören noch lange nicht zum alten Eisen. (jüsp)
Viele Ärzte kassieren Extra-Honorare dafür, Patienten an bestimmte Kliniken zu überweisen. Das berichtet «Bild.de» unter Berufung auf eine repräsentative Studie der Universität Halle-Wittenberg.