Ausstellung - Wie und warum Kunstwerke gefälscht werden, zeigt eine Schau in der Heidelberger Universitätsbibliothek

Die raffinierten Tricks der Kunstfälscher

VON BIRGIT VEY

HEIDELBERG. »Fake – Fälschungen wie sie im Buche stehen« heißt die Ausstellung in der Heidelberger Universitätsbibliothek. 200 Exponate sind bis 27. Februar zu sehen, die Kurator Henry Keazor zusammenstellte. Beleuchtet werden die Tricks, mit denen sich das große Geld auf dem Kunstmarkt erzielen lässt, sowie dass auch Eitelkeit eine Rolle spielt.

Fintenreich zum »selbstgetippten Picasso«: Plakatmotiv mit einer Fälschung von Elmyr de Hory in einer Schreibmaschine. FOTO: FÄLSCHERMUSEUM WIEN/SUSANNE HENKER
Fintenreich zum »selbstgetippten Picasso«: Plakatmotiv mit einer Fälschung von Elmyr de Hory in einer Schreibmaschine. FOTO: FÄLSCHERMUSEUM WIEN/SUSANNE HENKER
Ein von Wolfgang Beltracci gefälschtes Bild des deutschstämmigen US-Expressionisten Johannes Molzahn ist dem echten Molzahn-Werk gegenübergestellt. »Wenn man Fälschungen isoliert sieht, nimmt man nicht wahr, dass an ihnen etwas nicht stimmen könnte. Das lässt sich deutlich besser erkennen, wenn man sie mit den Original vergleicht«, erklärt Keazor.

Auch den Zusammenhang zwischen Büchern und Fälschungen thematisiert die Schau, etwa anhand des größten Fälschers der jüngsten Zeit, Beltracci. »Ausstellungskataloge gaben ihm Auskunft über Motive und Technik, weitere Inspirationsquelle war die Biografie des Künstlers«, sagt der Kunstwissenschaftler. Bis in Werkverzeichnisse schaffte es Beltracci. »Dann sind Fälschungen geadelt«, versichert er. Denn diese Listen gelten als »hieb- und stichfest«, schließlich erstellten sie Kunst-Experten. »Fälscher sind sehr gut informiert«, betont Keazor. Sie wissen beispielsweise, von welchen Bildern in Werkverzeichnissen nur noch der Titel bekannt ist, aber nicht mehr das Motiv. Auch Monografien können den Weg in solche Verzeichnisse ebnen, wie es Andrea Fimenich passierte. Sie vertrat die Theorie, dass beim Expressionisten Heinrich Campendonk Katzenmotive von zentraler Bedeutung seien. »Beltracci lieferte, wonach die Kunsthistorikerin suchte«, so Keazor. Das gefälschte Campendonk-Bild ist ebenfalls Teil der Ausstellung. Dass sogar mit gefälschten Katalogen gearbeitet wird, deckt die Schau anhand der Briten John Drewe und seinem Malergehilfen John Myatt auf. Ein Katalog von 1950 (das Original) liegt neben der Fassung von 1990 (der Fälschung). Eine Herangehensweise war, den Katalog komplett neu nachzudrucken, auf alt zu trimmen, die Bildbände in Archive zu schmuggeln und dort mit den Original-Bänden auszutauschen. »So wurden Provenienzen vorgetäuscht, die es gar nicht gab. Die manipulierten Bände sollten belegen, dass bestimmte Arbeiten schon in den 50er-Jahren ausgestellt waren«, erklärt Keazor. Trickreich daran war zudem, dass »keiner auf die Idee kam, Ausstellungskataloge auf ihre Echtheit hin zu überprüfen«. Erstmals öffentlich zugänglich ist der Band »Sidereus Nuncius« (»Der Sternbote«) von Galilei Galileo – natürlich als Fälschung, die belegt, dass auch in Büchern getrickst wurde. Abgebildet sind Tuschzeichnungen, angeblich aus Galileos Hand.

»Das Buch schlug ein wie eine Bombe«, versichert Keazor. Aber der Fund von 2005 stellte sich als Betrügerei heraus: Das Original von 1610 zeigt nämlich Radierungen.

Nicht nur des Geldes wegen

Hinter diesem Schwindel steckte Massimo De Caro, ehemaliger Direktor der staatlichen Biblioteca dei Girolamini in Neapel. »Dieser Fall belegt, dass Geld nicht die zentrale Rolle spielte, sondern Eitelkeit«, meint Keazor. Denn De Caro hatte kein Studium absolviert, fühlte sich von der Fachwelt nicht ernst genommen und wollte mit der Schummelei akademische Ehre erlangen.

Gedacht ist die Ausstellung für ein breites Publikum. »Besucher können erkunden, was Original und Fälschung ist. Wenn sie sich irren, haben sie nur den gleichen Fehler wie die Fachwelt gemacht. Schließlich täuschten sich auch Experten«, meint Keazor. Der Kunstprofessor ist zudem überzeugt, dass die Schau »ein Superweg ist, um an Kunst heranzuführen. Denn das Bild hängt nicht einfach nur an der Wand, sondern man muss zweimal hinschauen, um die Unterschiede zwischen echt und falsch zu erfassen«. (GEA/Foto: Fälschermuseum Wien/Susanne Henker)

Ausstellungsinfo


Die Ausstellung »Fake – Fälschungen, wie sie im Buche stehen«, ist bis 26. Februar 2017 an der Universitätsbibliothek Heidelberg zu sehen, täglich außer an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. (GEA)

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