Konzert - Die Junge Sinfonie und Solistin Anne Mauz machen Eindruck beim Herbstkonzert in der Stadthalle

Die Cellistin hat’s gerockt

VON ISABELLE WILTGEN

REUTLINGEN. Die Junge Sinfonie Reutlingen« hat am Sonntag mal wieder mit einem Konzert der Extraklasse geglänzt. Mit welcher Professionalität dieses Orchester mit Musikern von doch so jungen Jahren sowohl Klassiker als auch moderne Stücke aufführt, das ist schon recht erstaunlich! Kein Wunder, dass ein Komponist für diese Musiker komponieren will, wie Pavel Klimashevsky, dessen »Decemberdy« hier uraufgeführt wurde.

Der ebenfalls junge Komponist (Jahrgang 1984) ist als Bassist im Jazz zu Hause, und das ist in diesem Stück kaum zu überhören: Klarinettenklänge à la »Rhapsody in Blue« gibt’s da, Walking-Bass-Linien in den Tubas und Big-Band-Grooves im Blech. Diese sind nicht zu laut, dafür aber sehr elegant. Die Musiker der Jungen Sinfonie spielen dieses Stück mit der ihnen charakteristischen jugendlichen Leichtigkeit, aber gar nicht salopp, sondern mit akribischer Genauigkeit. Die dissonanten, kratzigen Linien spielen die Streicher sicher und problemlos und zeigen so, dass sie auch in der Neuen Musik zu Hause sind.

Elgars Konzert als Höhepunkt

Höhepunkt dieses Abends war jedoch der Auftritt von Solocellistin Anne Mauz, die zusammen mit dem Orchester das eindrucksvolle Cello-Konzert in e-Moll von Edward Elgar darbot. Ganze vier Mal wurde sie vom Publikum durch zahlreiche Bravos wieder auf die Bühne gerufen. »Richtig krass geil war’s«, meint eine junge Frau während der Pause. »Die hat’s gerockt!«, sagt eine andere.

Und Recht haben sie! Mauz übermittelt Elgars Sehnsucht, Zärtlichkeit und trotzende Verzweiflung sehr überzeugend. Das wird gleich in den vier eindringlichen Akkorden im Cello deutlich, die zu Beginn des ersten Satzes des Elgar-Werks erklingen: Das Publikum spürt sofort die düstere Atmosphäre, die der Komponist da musikalisch erzeugen will. Die Streicher, Klarinetten und Hörner des Orchesters antworten dem Cello sanft und Anteil nehmend.

Schade, dass die Holzbläser teilweise bei den schnelleren Cellosolopassagen die Cellistin von der Lautstärke her übertünchten. Trotzdem hat man gehört, dass sie auch diese virtuosen Tonfolgen mit Kraft und keiner Spur Aufgeregtheit spielte. Im zweiten Teil des Konzertes brachte die Junge Sinfonie die dritte Symphonie von Johannes Brahms auf die Bühne. Sowohl die herrlichen Melodien des zweiten Satzes als auch das energische Thema des vierten Satzes spielen die Musiker sehr nuanciert. Den menuettartigen dritten Satz interpretieren sie recht schnell – der Satz war trotzdem wegen seiner elegischen Natur zum Dahinschmelzen!

Dirigent Rainer M. Schmid ermutigt die Musiker zu aufbrausendem, leidenschaftlichem Spiel, fordert aber auch mit einer subtilen Handbewegung Zurückhaltung. Die Musiker nehmen ihren Chef ernst, und so funktioniert das Zusammenspiel wunderbar. Resultat für den Hörer: Er geht nach dem Konzert ganz beflügelt nach Hause. (GEA)



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