Musiktage - »Der Rose Pilgerfahrt« in der Festhalle

Die Blume als Mensch

BAD URACH. Man kann’s drehen, wie man will, aber der Stoff von Schumanns Oratorium »Der Rose Pilgerfahrt«, das am Mittwochabend bei den Herbstlichen Musiktagen erklang, wirkt heute befremdlich. Eine Blume will Mensch sein, um Liebe zu fühlen; mit Elfenhilfe wird sie verwandelt, findet im Müllerhaus eine Heimstatt, verliebt sich – und als es am schönsten wird, entsagt sie dem Leben, lässt Mann und Kind zurück und zieht ins Reich der Engel ein.

Sabine Goetz singt in der Festhalle die Titelpartie des Oratoriums. GEA-FOTO: KNAUER
Sabine Goetz singt in der Festhalle die Titelpartie des Oratoriums. GEA-FOTO: KNAUER
Herrje, das ist schon eine geballte Packung biedermeierlicher Verklärung der Familie und romantischer Todessehnsucht. Immerhin ein interessantes Zeugnis für die Stimmung um 1850, als gerade die bürgerliche Revolution gescheitert war und viele Künstler ihr Heil im privaten Glück suchten. Perfekt umgesetzt kann da ein Kleinod draus werden, in dem die Verletzlichkeit der Künstlerseele durchscheint. Der Aufführung bei den Musiktagen in der Uracher Festhalle gelang das zumindest annähernd.

Nicht nur perfekt, sondern in ihrer zarten, feinfühligen Ausleuchtung geradezu unter die Haut gehend waren die Klavierstücke, die Pianist Florian Uhlig in die Aufführung einwob. Stücke aus den Kinderszenen und aus dem Album für die Jugend waren das, die im Gefüge des Oratoriums wirkten wie ein entrücktes Nach-innen-Horchen.

Nicht perfekt, aber gut sang der Chor, die Frankfurter Motette unter dem musikalischen Leiter Thomas Hanelt, zunächst mit etwas gebremster Waldeslust-Wildheit in Schumanns »Zigeunerleben«. Im Oratorium dann lassen die Sänger in den Elfenstücken leichtfüßig die Silben tanzen. Manche Einsätze gelingen nicht völlig homogen, manchmal hätte der Chor auch noch mehr aus sich herausgehen dürfen. Und für den robusten Jagd-Gesang im zweiten Teil entwickeln die Männer einfach zu wenig Power. Insgesamt machte der Chor aber gute Figur.

Sopranistin überzeugt als Rose

Unter den Solisten ragt Sopranistin Sabine Goetz als »Rose« heraus: Berührend und linienklar gibt sie der schlichten Empfindsamkeit ihrer Figur Ausdruck. Stark auch Bassist Reinhard Hagen als lebensweiser Totengräber, der dem Röslein mit Rat zur Seite steht. Erdverbunden und strahlender Vitalität stellt er diesen Charakter in den Raum.

Altistin Barbara Schmidt-Gaden zieht präzise die Linien, wird gefühlsmäßig jedoch weder mit den magisch flirrenden Sphären der Elfenfürstin noch mit den Schmetterlingen im Bauch des verliebten Försterjungen richtig warm. Einen kleinen, durchaus gelungenen Einsatz mit Witz und Charme als Müllersmann absolviert Festivalleiter Florian Prey. Am Ende langer, verdienter Beifall für einen durchaus interessanten Ausflug in schwärmerische Märchengefilde. (akr)



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