Kunst - Die Mitglieder des Tübinger Künstlerbunds zeigen in ihrer Jahresausstellung an drei Orten in Tübingen ein breites Spektrum interessanter Ansätze

Der experimentelle Blick

VON SONJA LENZ

TÜBINGEN. Mitten im Rummel des Weihnachtsmarkts eröffnete der Künstlerbund Tübingen seine Jahresausstellung: Für den Vernissage-Besucher am Freitag galt es, sich durchs Gewühl zwischen den Buden zu den drei Ausstellungsorten Stadtmuseum, Künstlerbund-Galerie und Kulturhalle durchzukämpfen. Belohnt wurde derlei Mühe mit einer Fülle von experimentellen Blicken auf die Welt, etwa durch ungewöhnliche Bildausschnitte und Kompositionen.

Eine Arbeit von Carola Dewor. Foto: Lenz
Eine Arbeit von Carola Dewor. Foto: Lenz
Darunter Gunther Klosinskis »Licht-Angebot«, eine Collage von fotografierten Marmorbüstenhänden, menschlichen Händen und einer Flamme, die einem Knopf zu entspringen scheint. Axel von Criegern überwältigt in der Kulturhalle mit dem 40-teiligen Werk »Die Gottessucherin«, einer Wand bedeckt mit Zeichnungen voll von ornamentalen Frauenklischees: ballonesken Brüsten, gespreizten Schenkeln gen religiöse Symbole hin ausgerichtet, ab und zu k.u.k-Dekadenz zitierend. Fülle, Ironie und Ernst verschwimmen miteinander.

Fischköpfe und Fingerspitzen

Ähnlich verwirrend genau ist der Blick, den Susanne Höfler bei ihrem »Fischerinnern« anwendet: Mit Kohle sind Fischköpfe und einige Fingerspitzen gezeichnet, die von genauer Inspektion des Fanges sprechen. Auch Frido Hohbergers »Die Venusfalle« gehört in diese Nahaufnahmen-Blickkategorie.

Auch auf technischer Seite gilt es Reichtum zu entdecken, etwa Jörg Umraths wie milchig übermalte Wärmekamerafotos wirkende Tintendrucke auf grundiertem Papier. Oder Günter Weckwarths Aufnahmen von Alufolien-Gipfeln für das bewusste Täuschungswerk »Gipfel ohne Gipfelkreuzbeschwerden«. Oder Tilman Röschs aus sich heraus leuchtende 3D-artige Bilder.

Thematisch bietet die diesmal unter keinerlei Motto stehende Ausstellung einige Landschaften (Dieter Loechle: »Côtes de Durance«), schon diese bedeutungsvoll überhöht (Andreas Jauss: »Road to the Sea«). Etliche Werke laden ihre Sujets symbolistisch auf wie Jürgen Macks »Wrack«, Susanne Höflers »Schleizwei«, Dieter Luz’ »Afrikanische Buchführung« oder Marc von Criegerns Szenen ganz im Sinne der aktuellen, in den 1960er-Jahren spielenden US-Kultserie »Mad Men«, in denen Männer in »Die Falle« gehen oder zwischen »Spielgeld« auf der Theke balancieren.

Auf der abstrakten Seite beeindruckt Helmut Anton Zirkelbach mit bei aller Massigkeit leicht wirkenden Grafit-auf-Holz-Arbeiten: Die verwischte glatte Fläche kommuniziert mit rindenartig eingekerbter Struktur. Pop-Art zitierende Werke von Karl Heinz Deutschle werben gemeinsam mit Eva Borsdorfs zart-transparenten Arbeiten um Aufmerksamkeit. Roger Aupperles Stahl-Skulptur »Wiesennotiz« behauptet sich in puncto Leichtigkeit neben Malte Dickmanns Fotoserien von fotografisch in feine Spitze verwandelten Blattgerippen: Als solche sind sie allerdings auch oft erst auf den zweiten Blick erkennbar. (GEA)

Ausstellungsinfo
Die Ausstellung des Künstlerbunds ist bis zum 10. Januar zu sehen. Das Stadtmuseum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, die Kulturhalle sowie die Galerie Künstlerbund von Dienstag bis Freitag 15 bis 18 Uhr und Samstag 11 bis 14 Uhr. (GEA)

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