Kultur
Lesung - Sebastian Fitzek stellt sein neues Buch vor

Das linke Auge fehlt

VON DOROTHEE SCHEURER

REUTLINGEN. Über 100 Zuhörer wollten den Bestseller-Autor Sebastian Fitzek persönlich kennenlernen, der in der Buchhandlung Osiander seinen Anfang Juni erschienenen Psychothriller »Der Augensammler« vorstellte. Dieses Buch verkauft sich bereits so gut, dass es auf der nächsten Spiegel-Bestseller-Liste auf Platz 3 zu finden sein wird.

In seinem sechsten Buch geht es um den Enthüllungsjournalisten Alexander Zorbach und eine mysteriöse Zeugin: Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, durch bloße Körperberührungen in die Vergangenheit ihrer Patientin sehen zu können. Und sie glaubt, den Augensammler behandelt zu haben. Der Augensammler tötet Mütter, verschleppt die Kinder, und die Väter haben 45 Stunden Zeit, ihre Kinder wiederzufinden. Nach Ablauf der Zeit werden die Kinder getötet. Bei den Leichen fehlt jeweils das linke Auge. Nach dem siebten Mord meldet sich Akina Gregoriev bei Zorbach, und gemeinsam versuchen sie, den Augensammler zu entlarven.

»Was wäre, wenn?« Diese Frage stellt sich Fitzek häufig. Und daraus entstehen seine Geschichten. Allmonatlich wird Fitzek von seiner Physiotherapeutin Cordula Jungbluth behandelt. Sie dreht ihn, wie er selbst sagt, seit vier Jahren durch die Shiatsu-Mangel. Nach jeder Sitzung verblüfft sie ihn mit treffenden Erkenntnissen aus seinem Leben und zu seiner Psyche. Diese Erkenntnisse hat sie angeblich aus seinem Körper während der Behandlung herausgelesen. Und so kam es zur »Was-wäre-wenn-Frage«. Fitzek überlegte, ob sie es wohl merken würde, wenn er kurz vorher im Keller jemanden ermordet hätte. Daraus entstand die Idee zum »Augensammler«.

Wie träumt ein Blinder?

Um die blinde Alina Gregoriev glaubhaft darzustellen, musste sich Fitzek intensiv mit dem Leben blinder Menschen auseinandersetzen. Nachdem er Anfang 2009 getwittert hatte, dass eine blinde Physiotherapeutin eine wichtige Rolle in seinem nächsten Buch spielt, meldeten sich zahlreiche Blinde, die seine Werke von Hörbüchern her kennen. Er entwarf einen Fragebogen, den ihm über 20 Blinde ihm beantworteten. Darin standen Fragen »Wie träumt ein Blinder?« oder »Wie kann ein Blinder seine Wäsche in bunt und weiß sortieren?«. Fitzek hat für die Lesung ein »Colorino« mitgebracht. Ein kleines elektronisches Gerät, das 150 Farben erkennen und sprechen kann. Die Funktion des Gerätes demonstrierte er den Anwesenden an seiner Kleidung.

Er zeigte Zeichnungen von blinden Kindern, die Dank der Methode des Tastzeichnens ihre Vorstellungswelt in eine Zeichenfolie stanzen können. Es war erstaunlich, wie ähnlich die Vorstellungswelt dieser nicht sehenden Kinder der Wirklichkeit kam. Zuletzt konnten die Zuhörer Fragen stellen, als Anreiz gab es dafür ein essbares Gummi-Auge. (GEA)


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