Rock - Status Quo auf Abschiedstournee. In einen fulminanten Auftritt in der Porsche-Arena mischt sich Wehmut

Das Goodbye der Rock-Opas von Status Quo

VON CHRISTOPH FISCHER

STUTTGART. Damals hatten sie nicht einmal die Kohle, um sich neue Klamotten für den Auftritt zu besorgen. Das ist heute längst kein Problem mehr. Francis Rossi steht mit weißem Hemd und eleganter Weste als Frontmann von Status Quo auf der Bühne der Stuttgarter Porsche-Arena, und mit dem ersten Riff auf seiner grünen Gitarre ist man sofort wieder in den 70ern des letzten Jahrhunderts.

Noch diese Tour, dann winkt der Ruhestand: Gitarrist Francis Rossi (links) und John  »Rhino« Edwards am Bass beim Auftritt von Status Quo in der Porsche-Arena im Rahmen der Abschiedstournee der legendären Rock-Gruppe.
Noch diese Tour, dann winkt der Ruhestand: Gitarrist Francis Rossi (links) und John »Rhino« Edwards am Bass beim Auftritt von Status Quo in der Porsche-Arena im Rahmen der Abschiedstournee der legendären Rock-Gruppe. FOTO: Jürgen Meyer
Rossi und Status Quo starten mit »Caroline« und in Tausenden Hirnen formiert sich sofort die Frage: Ist das wirklich die letzte Tournee dieser Formation, die mehr als 30 Studioalben nebst zahlreichen Live-Alben produzierte – und die aus dem Rock 'n' Roll-Betrieb eigentlich gar nicht wegzudenken ist?

Die Rock-Opas sagen Goodbye, »The Last Night of the Electrics« ist, nomen est omen, die finale Tournee, die am 4. Dezember in Paris endet und am 23. Dezember in Liverpool auf der Insel Status Quo zur Geschichte macht. Von London haben sie sich 1965 aufgemacht, Francis Rossi ist das verbliebene Urgestein, sein kongenialer Partner Rick Parfitt erholt sich noch von seinem zweiten schweren Herzinfarkt.

Klasse-Auftritt von Richie Malone

Für Parfitt steht Richie Malone auf der Bühne, ein Klasse-Auftritt des Gitarristen aus Irland. Wer das, was Status Quo mit drei Gitarren, Keyboard und Drums auf die Bretter bringen, nicht mitreißend findet, sollte seine Abende anders verbringen. Rossi ist einer, der an Eleganz und Prägung gewonnen hat, aber bei »Whatever you want«, »Down, down« und »Paper Plane« wieder zu dem übermütigen Jungen wird, der der Gruppe früh die Richtung vorgab.

»Wir haben 30 Jahre lang gesagt, das ist die letzte Tournee, jetzt ist es eine endgültige Entscheidung«, sagt Rossi. Goodbye nach einer Zugabe, der 67 Jahre alte Musiker will weiter produzieren, aber die nervenaufreibenden Tourneen wollen sie sich nicht mehr zumuten. Parfitt geht es wieder gut, aber auch er wird nicht mehr zurückkehren. Sie werden fehlen, das ist keine Frage. Was Status Quo in den Jahren ihres Bestehens an Rock 'n' Roll geliefert haben, wird bleiben.

Noch einmal zeigen sie in Stuttgart, was sie drauf haben. Mal genügt das Schlagzeug von Leon Cave im Hintergrund, alle anderen an den Gitarren, Rossi, Malone, John Edwards und Keyboarder Andy Bown, einfach Klasse, was da rüberkommt und bei den Fans, die meisten zwischen 50 und 70, pure Begeisterung auslöst. Und ein paar Tränen, als es zu Ende ist. Sie haben Geschichte geschrieben mit ihrer Musik, obwohl man mit solchen Aussagen vorsichtig sein soll. Aber Rossi und Parfitt, von der Queen mit den höchsten Orden des Königreiches gewürdigt, sind prägende Gestalten der Szene gewesen. Und, das soll in diesen Zeilen nicht unberücksichtigt bleiben, sie waren an diesem wunderbaren, ein Stück weit unvergesslichen Abend, nicht die einzigen Rock-Opas, die den Saal rockten. Keine Geringeren als Uriah Heep machten in Stuttgart den Auftakt.

Bernie Shaw will weitermachen

Gitarrist Mick Box, ebenso legendär wie Rossi und Parfitt, ist von Beginn an bei Uriah Heep dabei. Und immer noch ist es ein großen Vergnügen, ihn spielen zu sehen. »Sunrise« von dem sagenumwobenen Album »The Magician's Birthday« – das Box mit dem großen Ken Hensley schuf und das Album von 1972 bis zum heutigen Tag völlig zu Recht als das beste Album bezeichnet, was Uriah Heep jemals auf den Markt brachte – ist, was es ist: großartig. Auch wenn die Stimme von Bernie Shaw nicht an das schneidende, unnachahmliche Organ von Hensley heranreicht. Was auch bei den Klassikern »Lady in Black« und »Easy Livin'« deutlich wird. Macht aber nicht wirklich etwas.

Francis Rossi wird vermutlich nicht mehr auftreten, Bernie Shaw dagegen kündigte, ein wenig runder geworden, am Abend nicht nur die nächste Tournee für 2017 an, sondern auch ein neues Album: »Wir gehen noch einmal ins Studio.«

Man darf gespannt sein, was Mick Box noch einfällt. Und wenn sie im kommenden Jahr in Stuttgart tatsächlich etwas Neues präsentieren sollten, wird man sich an den Abend mit Status Quo erinnern, an das Goodbye der Londoner Rock-Opas. Für alle, die in Stuttgart waren, ein lange nachwirkender Auftritt. (GEA)



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