Landesjazzfestival - Zum Abschluss ein heiß umtanztes Wiederhören mit der Balkan-Brassband Fanfare Ciocarlia

Blech in Aufruhr

VON HANS-JÖRG LUND

REUTLINGEN. Ursprünglich eine Art Balkan-Brass-Band aus dem ostrumänischen Dorf Zece Prjini, in dem jeder ohne Noten irgendein Blasinstrument autodidaktisch erlernte und sich daraus Romamusik ergab, ist die Fanfare Ciocarlia seit ihrer Entdeckung im Jahre 1996 durch den Berliner Toningenieur Henry Ernst mit CDs, DVDs, in Filmen (»Borat«), in Konzertsälen, auf Tourneen und auf Festivals weltweit präsent. Aus der »wildesten Band auf dem Planeten Erde« (Band-Selbstbeschreibung), die zunächst mit verbeulten Instrumenten und in individuell zerschlissener Kleidung auftrat, ist inzwischen eine professionelle Formation in schwarz-roter Banduniform geworden, die internationale Show- und Musikstandards erfüllt.

Mit Hut und Mantel

Bei ihrem Auftritt im franz.K zum Abschluss des Landesjazzfestivals zu 50 Jahren Jazzclub in der Mitte am Sonntagabend traten die Musiker aus dem dunklen Bühnenhintergrund in Mantel und Hut oder auch Pelzmütze nach vorn und heizten kräftig ein. Der Funke schien bereits vor der Veranstaltung übergesprungen zu sein, die Musiker begrüßten das Publikum auf Rumänisch herzlich im Sinne eines Wiedersehens.

Zwölf Männer mit Namen wie Costica, Radulescu, Bulgaru, Craciun, Oprica, Ivanca, Pinca, Monel, Calin, Laurentiu, Ursu und Nicolae standen auf der Bühne. Vier spielten Trompete, mehrere sangen, zwei spielten Klarinette oder Altsaxofon. Zwei Tubas, Tenor- und Baritonhorn vervollständigen die Brassband, für rhythmische Präzision sorgten ein Schlagzeuger und ein Perkussionist.

Aus der wilden Band ist ein perfekt agierender Klangkörper geworden, der durch Power und virtuos rasendes, Techno-ähnliches Dauertempo höchste Intensität vermittelt; man wäre vielleicht auch ohne Verstärkung ausgekommen.

Klar arrangierte Bläsersätze

Die Bläsersätze sind klar arrangiert, der Crew auf den Leib geschneidert und werden makellos und punktgenau und mit Selbstsicherheit präsentiert. Immer wieder reißt eine zusätzliche Stretta-Beschleunigung dieser Hochgeschwindigkeitsmusik auf den Schluss hin das sich mitbewegende Publikum im Saal zu heller Begeisterung hin.

Anfangs sanfte slawische rhapsodische Beschleunigungen und Verzögerungen, leise heranschleichende Fragen und überraschende Antworten entwickeln sich im Lauf des Abends zu wuchtigen emotionalen Wellen. Außer folkloristischen Themen wie »Lume Lume« (Leute) oder »Suita ciobanas« (Hirtensuite) fanden sich mit »Caravan« und »Summertime« auch Jazzthemen im über zweistündigen Programm - Letzteres auch programmatisch für die heiße Musik.

Kommunikation durch Musik

Was die tanzende Mehrheit in Schwung brachte, konnte für diejenigen, die vor allem zum Zuhören gekommen waren, durch die hohe Lautstärke und die zahlreichen oft formelhaften Wiederholungen doch auch ermüden; keine einfache Gratwanderung für die Musiker. Trotz der rumänischen Moderation war aber der Kontakt zum Publikum dicht und unverstellt. Verblüffend, was man über Musik mitteilen kann, selbst wenn man die Sprache nicht versteht. (GEA)



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