Bewegende Momente

VON REINBERT TABBERT

Reutlingen war eine Zwischenstation in seinem Leben – Dietrich Kirsch, Bildkünstler, Schriftsteller und eben hier auch Sänger im Grischkat-Chor. Geboren 1924 im schlesischen Bunzlau und viele Jahre zusammen mit seiner Frau, der Grafikerin Jutta Korn, schreibend und Bücher gestaltend in Ravensburg tätig, verbringt er seinen Lebensabend in Überlingen am Bodensee. Dort hat er nun nach einem Gedichtband (»99 künstliche Monde«, 2009) den Band »Briefe an den Augenblick« veröffentlicht, der elf autobiografische Prosastücke, ein Gedicht und 14 Linolschnitte versammelt.

Es sind buchstäblich bewegende Augenblicke, die nüchtern und anschaulich dargestellt werden: der Abschied des Kindes vom toten Großvater, der rettende Abtransport nach schwerer Verwundung in den letzten Kriegstagen, das Zusammentreffen mit einem einsamen Rentierhirten in Lappland.

Die beiden persönlichsten Prosastücke haben Reutlingen als Schauplatz, wo Kirsch in den 1950er-Jahren zum Künstlerkreis um Winand Victor gehörte: Es geht um die Begegnung mit Jutta Korn, die seine Frau wurde, und um ein nächtliches Gespräch über den Sinn von Tod und Leben mit einem Freund, in dem sich der Schriftsteller Günter Bruno Fuchs erkennen lässt, der wie Kirsch und wie der gemeinsame Freund Victor von der Erfahrung des Krieges geprägt wurde. Zu dritt gaben sie die Zeitschrift »telegramme« heraus (in der das Stück vom Rentierhirten zuerst erschienen ist).

Auch zwei der Linolschnitte des Bandes haben in den Reutlinger Jahren Kirschs ihren Ursprung: der Linolschnitt »Wolken über der Alb« und das Umschlagbild »Schwäbische Alb«, beide »dem Gang der Wolken« (Seite 47) viel Raum gebend – Zeichen für das Flüchtige der Augenblicke, aus denen ein Leben besteht. (GEA)



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