Interview - Sir Anthony über seine zweite Chance im Leben, über Glaube und Exorzismus

Anthony Hopkins: »Es gibt etwas Größeres«

Fuchsteufelswild kann er werden, besonders wenn ihm eine Frage nicht passt. Ob er den Teufel mag, will ein Journalist von Radio Vatikan von Anthony Hopkins wissen, weil er als diabolischer Hannibal Lecter in »Das Schweigen der Lämmer« weltberühmt wurde und in seinem neuen Film »The Rite - Das Ritual« einen Exorzisten spielt. Hopkins antwortet wutentbrannt: »Was für eine idiotische Frage? Lassen Sie mich damit in Ruhe!« Wie lässt sich der 73-Jährige jetzt noch besänftigen? Markus Tschiedert hat es versucht.

Anthony Hopkins als Exorzist in seinem Film "The Rite". FOTO: VERLEIH
GEA: Sir Anthony, was halten Sie persönlich von Exorzismus?
Anthony Hopkins: Darüber weiß ich nicht viel, weil ich Schauspieler bin. Man hat mir die Rolle angeboten, ich habe sie gespielt und persönlich weiß ich nicht, an was man glauben soll. Nicht, dass ich Atheist wäre, aber ich gehöre keiner Kirche an und weiß selbst nicht, woran man glauben sollte.

Was hat Sie dann an der Rolle des Pater Lucas fasziniert?
Hopkins: Nun, ich fand die Rolle höchst interessant, weil sie von einem guten Kirchenmann handelt, der mit dem Bösen konfrontiert wird und sich verwandelt. Es muss nicht immer eine tiefe Bedeutung dahinter stehen, warum ich eine Rolle annehme. Ich bin Schauspieler. Und wenn ich dafür gut bezahlt werde, würde ich auch das Telefonbuch lesen. So einfach ist das.

Im Vatikan finden sogar Seminare über Exorzismus statt. Haben Sie zur Vorbereitung auf die Rolle mal daran teilgenommen?
Hopkins: Nein, aber wir hatten einen Pater am Set, der sich damit auskannte. Ich stellte ihm die Frage, ob er an die Existenz des Teufels glaubt, die er mit »Ja« beantwortete. Er fragte natürlich auch, woran ich glaube. Ich erzählte ihm von einem Mann aus meinem College, der ganz normal erschien, aber unter Schizophrenie litt und schließlich in einer Anstalt landete. Ich würde sagen, er war geisteskrank, doch ein Exorzist würde behaupten, er war von einem Dämon besessen. Ich denke, alles ist möglich und letztendlich kann keiner von uns sagen, was stimmt.

Würden Sie es gern wissen?
Hopkins: Vielleicht ist es besser, überhaupt an etwas zu glauben, als sich vorzustellen, man würde in einer bedeutungslosen Welt existieren, in der es kein Licht, keine Hoffnung nach dem Tod gibt. Es hängt wohl von jedem selbst ab, aber man hat nichts zu verlieren, wenn man an etwas glaubt. Böse ist nur, wer sich anderen Religionen gegenüber als intolerant erweist. Egal ob Katholizismus, Hinduismus oder Islam - sie alle entsprechen dem menschlichen Verlangen nach einer höheren Macht. Früher sagte ich auch, dass das alles nur Märchen sind, bis ich eine Erfahrung machen musste, die mir klar machte, dass es doch etwas Größeres im Leben geben muss, und die mein Leben veränderte.
Wenn ich dafür gut bezahlt werde, würde ich auch das Telefonbuch lesen
 

Sie spielen darauf an, dass Sie 1975 nach einem Alkoholrausch irgendwo aufgewacht sind und nicht mehr wussten, wie Sie dahin gekommen sind.
Hopkins: Das ist viele Jahre her. Ich führte ein Leben, das schmerzlich und sicherlich nicht sehr smart war. Danach wollte ich es unbedingt ändern, denn ich war an einem Punkt, an dem ich schon längst hätte tot sein müssen. Aber ich lebte und sah das als zweite Chance. Deshalb glaube ich lieber als nicht zu glauben.

Beten Sie manchmal?
Hopkins: Ständig! Ich mache alles, um Gott zu danken. Ich bin am Leben und lebe auch noch ein glückliches Leben.

Kommen wir auf den Film zurück, indem Sie sich auch äußerlich in einen Dämon verwandeln. Haben Sie sich vor sich selbst gefürchtet?
Hopkins: Nein, ich war nur überrascht, was mit heutiger Computertechnik alles möglich ist, um dein Gesicht zu verwandeln. Früher musste man noch stundenlang in die Maske, heute wird das alles am Computer gestaltet. So ändern sich die Zeiten.

Aber Sie mögen es schon, Ihr Publikum das Fürchten zu lehren?
Hopkins: Wissen Sie, ich habe in meinem Leben schon so viele unterschiedliche Rollen gespielt. Hannibal Lecter war die einzige, mit der ich das Publikum erschrecken wollte, und ich fände es sehr schade, wenn man sich nur an diese eine erinnern würde.

Können Sie sich noch erinnern, wann Ihnen das erste Mal das Fürchten beigebracht wurde?
Hopkins: Bei mir war es die Hexe aus Walt Disneys Zeichentrickfilm »Schneewittchen«, die mich auf furchtbare Weise faszinierte. Ich war damals vier Jahre alt und sah mit meiner Mutter zusammen auch »Bambi«. Das war sogar meine erste Kinoerfahrung. Ich weiß noch, dass es im Film plötzlich zu regnen anfing und ich glaubte, wir müssten jetzt schnell gehen, weil es auch im Kino gleich regnen würde.

Was hätte aus Ihnen wohl noch werden können, wenn nicht Schauspieler?
Hopkins: Bestimmt Musiker! Ich liebe klassische Musik und komponiere sogar selbst. Im Juli gibt es in Birmingham mit dem dortigen Symphonie-Orchester eine Aufführung meiner Musik. Besonders stolz bin ich aber, dass ich demnächst mit André Rieu zusammenarbeiten werde. Das habe ich mir immer gewünscht, und meine Frau Stella hat, ohne es mir zu sagen, den Kontakt zu ihm hergestellt. Er wird meine Musik dirigieren, und das bedeutet mir mehr als der Oscar, den ich 1992 für »Das Schweigen der Lämmer« bekam. (GEA)

The Rite – Das Ritual:
ab Donnerstag im Kino
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