Konzert - David Garrett startet seine Klassik-Tournee in Stuttgart. Berührender Auftakt in der Liederhalle

»Dolce Vita« mit der Violine

VON ELISABETH WEIDLING

STUTTGART. Man kennt ihn als Virtuosen an der Violine, der mit neu arrangierten Pop-, Rock- und Heavy Metal-Nummern Tausende mitzureißen vermag. Vor allem die weiblichen Fans liegen dem attraktiven Geiger zu Füßen. David Garrett füllt ganze Hallen, geriet aber auch in die Kritik und musste Häme über sich ergehen lassen. Er sei zu kommerziell, verkaufe seine Seele, heißt es, wenn er als Schauspieler in die Rolle des legendären Geigers Paganini schlüpft. »Bleib bei deinen Saiten«, spottete die Berliner Morgenpost über den Kinofilm »Der Teufelsgeiger«.

Beim Auftakt seiner »Classical Tour« in der Stuttgarter Liederhalle am Samstagabend bewies der 33-Jährige jedoch, dass er in den anspruchsvollen Klassikstücken brillieren kann. Gemeinsam mit dem sehr jungen Verbier Festival Chamber Orchestra unter der Leitung von Christoph Koncz berührte er die Gäste im ausverkauften Beethoven-Saal.

Im Repertoire hatte der Künstler unter anderem Mozart, Vivaldi und, wie könnte es anders sein, Paganini. Das Konzert solle an das »Dolce Vita« Italiens erinnern, sagte Garrett zu Beginn.

Teufelstriller-Sonate

Er startete nach einer Einstimmung des Orchesters, das Mozarts »Hochzeit des Figaro«-Ouvertüre vortrug, mit einem, wie er anmerkte »teuflisch schweren« Stück. Es war Tartinis »Teufelstriller-Sonate«, die er in Begleitung des Orchesters mit Bravour meisterte. Bei seiner Solo-Einlage staunte so mancher Besucher über Garretts sensationelle Fingerfertigkeit.

Auf dem Programm standen unter anderem Paganinis »Io Ti Penso Amore«, Mozarts »Alla turca«: Allegretto aus der Sonate A-Dur und ein Satz aus der »Italienischen« (Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90) von Mendelssohn Bartholdy.

Immer wieder musste sich der Stargeiger den Schweiß von der Stirn wischen und nutzte die ausschließlich vom Orchester gespielten Stücke, um neue Kraft zu tanken. Mit kleinen Anekdoten sammelte er Sympathiepunkte beim Publikum. Etwa erfuhr der Gast, dass Garrett in New York beim Meister an der Geige, Itzhak Perlman, gelernt hatte.

Nach einer Pause ging es weiter mit »Die vier Jahreszeiten« von Vivaldi, zu denen der Dirigent und Geiger Koncz die passenden Gedichte vorlas. Nun spielte das Orchester in verkleinerter Besetzung mit Streichern und Klavier.

Das etwa zweistündige Konzert war der reinste Genuss und verursachte Gänsehaut-Feeling. Mit heftigem anhaltendem Beifall endete es, sodass David Garrett mehrmals auf die Bühne zurückkommen musste. Gemeinsam mit einer Violinistin trug er – offenbar ganz spontan – zum krönenden Abschluss ein schwungvolles Duett vor, für das er weiteren kräftigen Applaus erntete.

Rockiger wird es dann wieder am 8. Oktober in der Stuttgarter Schleyerhalle, wenn Garrett sein neues Cross-over-Programm präsentiert. (GEA)



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