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Wie Krabbeltiere und Menschen zusammenleben

Von Oliver Beckhoff, dpa

San Francisco/Kopenhagen (dpa) - Gruseln Sie sich vor kleinen Krabbeltieren und wohnen im Erdgeschoss? Dann sollten Sie jetzt ganz stark sein: Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass Insekten, Spinnen und andere Krabbler bevorzugt in den unteren Geschossen von Häusern kreuchen und fleuchen.

Marienkäfer tummeln sich am Fenster eines Strandpavillons in Binz auf der Insel Rügen. Foto: Stefan Sauer/Archiv
Marienkäfer tummeln sich am Fenster eines Strandpavillons in Binz auf der Insel Rügen. Foto: Stefan Sauer/Archiv
Sie hatten das in 50 Häusern der Stadt Raleigh in North Carolina untersucht. Besonders für Dachgeschossbewohner hält die Studie, die im Fachmagazin «Scientific Reports» veröffentlicht ist, Erbauliches bereit.

Je höher das Stockwerk, desto weniger und desto weniger unterschiedliche Tierchen gedeihen, teilen die Forscher mit. Ein Befund, den Thomas Loose vom Bundesverband der Schädlingsbekämpfer bestätigt. «Den fliegenden Insekten ist die Etage egal. Aber gerade die Fußläufigen finden wir vor allem im Erdgeschoss.»

Insekten leben in menschlichen Behausungen, seit es diese gibt. «Einmal eingedrungen, tendieren sie dazu, den neuen «Insel»-Lebensraum zu kolonisieren und sich im Haushalt zu verbreiten», teilen die Forscher der California Academy of Sciences und des dänischen Museums für Naturgeschichte, das zur Uni Kopenhagen gehört, mit.

Neben «festen» Mitbewohnern des Menschen gebe es «Streuner», die sich nur vorübergehend ins Hausinnere verirrten, aber auch solche Tiere, die quasi als Wandler zwischen Welten zwischen draußen und drinnen pendelten. Demnach bilden die Insekten in Wohnungen und Häusern richtige Ökosysteme aus - mit Nahrungsketten aus Jägern und Gejagten.

«Wir denken gerne, wir sind in unseren Häusern von der Außenwelt geschützt, aber während wir unserem Alltag nachgehen, können sich direkt neben uns wilde ökologische Dramen ereignen», sagt Misha Leong von der kalifornischen Wissenschaftsakademie. «Wir beginnen erst, zu verstehen, wie das Heim, das wir uns schaffen, zugleich ein komplexer Innen-Lebensraum für Käfer und andere Lebewesen ist.»

Doch die Wohnvorlieben der Krabbeltiere hängen nicht nur von der Stockwerksnummer ab. Demnach mögen sie es nicht nur erdbodennah, sondern legen anscheinend auch Wert auf Bewegungsfreiheit. So fanden die Forscher mehr unterschiedliche Insekten, Käfer und Spinnen in großen Räumen als in kleinen.

Daneben schienen Teppichböden die vielbeinigen Mitbewohner stärker zu locken als glatte Böden. Auch zwischen der Zahl der Fenster und der Zahl der verschiedenen Krabbeltiere in einem Raum stellten die Forscher einen positiven Zusammenhang fest. «Je mehr verschiedene Eintrittspunkte, also Fenster und Türen, es gibt, desto vielfältiger ist die Gemeinschaft, die im Inneren gedeiht» , sagt die Insektenforscherin Michelle Trautwein.

Auch mit Vorurteilen räumt die Studie auf. So war der Artenreichtum in Messi-Haushalten nicht ausgeprägter als in besonders ordentlichen Wohnungen und Häusern. Haustiere oder Pflanzen hatten ebenfalls keinen nennenswerten Einfluss auf die Diversität der Krabbeltier-Gemeinde. Den größten Einfluss habe die Natur vor der Haustür. Wo es draußen viele Insekten und andere Kleintiere gebe, verlegten auch mehr Tiere ihren «Lebensmittelpunkt» in die Haushalte von Menschen.

Trotzdem könnten Menschen, die in mit Teppichen ausgelegten Erdgeschosswohnungen mit großen Räumen und vielen Fenstern wohnen, am Ende die Gewinner sein: «Auch wenn die Idee von unerwünschten Insekten-Mitbewohnern wenig reizvoll klingt, könnten Krabbeltiere letztlich einen Beitrag zur Gesundheit leisten», sagt Trautwein: «Die Beweise verdichten sich, dass es einen Zusammenhang zwischen vielen modernen Krankheiten und einem Mangel an Kontakt mit Biodiversität und Mikroorganismen gibt.» Ein Mangel, den eine üppige Krabbeltier-Kolonie in den eigenen vier Wänden beheben helfen könnte.

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