Reisen
Familienurlaub - Skifahren mit der ganzen Kinderschar. Bleibt den Großen da noch Zeit zum Krafttanken?

Vierohrhasen im Glück

VON CHRISTINE KNAUER

An den Urlaub werden hohe Erwartungen gestellt. Sowohl der Single als auch das Paar und genauso die Familie erhoffen sich von dieser Zeit neue Kraft für Körper und Seele. In einem Kinderhotel wie dem Gut Wenghof im österreichischen Werfenweng, gelegen im Salzburger Land, werden von Seiten des Managements keine Mühen gescheut, für gute Stimmung unter den kleinen und großen Gästen zu sorgen. Dennoch muss man wissen - oder sich als Kinderloser zumindest eine leise Vorstellung davon machen - was es für einen Aufwand darstellt, mit den lieben Kleinen für eine Woche zum Skiurlaub zu fahren.

Dass die gemeinsam verbrachte Zeit mitunter recht stressige Begleitfaktoren vorweist, werden ehrliche Eltern eingestehen: »Fräulein, wenn du jetzt noch mal wegläufst, lernst du mich aber mal von einer ganz anderen Seite kennen«, zischt ein Vater seiner Filia hinterher. Mit kurzen, energischen Flip-Flop-Plitsch-Platsch-Schritten marschiert der Mann im Bademantel durch den Hotelkorridor, in Richtung Hallenbad - um dort die Wogen zu glätten? Im stark frequentierten Wasser stehen die Zeichen eher auf Whirl-Pool.

Zwei Paar Bunny-Löffel

Ein anderer Papa kämpft mit den Kinnriemen der Skihelme seiner kleinen Mädchen. Sie werden erst im Hotel von ihrem karnevalesken Rüstzeug für die Piste befreit: Zwei Paar rosafarbene Bunny-Löffel schmücken die Helme der Vierohrhasen.

Drei oder auch vier Kinder pro Paar - so unsere Beobachtung vor Ort - sind heute in einem Familienhotel gar nicht so ungewöhnlich. Wie sich dort das Kofferpacken, -befördern und -ausladen im Vorfeld gestaltet, lässt sich nur allzu gut ausmalen: Dick wattierte Skianoraks, sperrige Skistiefel, wärmende Pullis und spezielle Unterwäsche, dann die Bretter und die dazu gehörenden Stöcke, die bei all zu laxem Schultern zu spitzen Waffen werden, gehören ins Gepäckabteil.

Das Ein- und Ausladen der Ausrüstung wiederholt sich Morgen für Morgen auf dem Parkplatz der Talstation. Alle benötigen Handschuhe, Mütze, Schal. Kleinkinder sehen das freilich meist völlig anders. Ein Dreikäsehoch stapft einfach los, sein Brüderchen muss dringend zur Toilette. Die Eltern bekommen im Nu rote Köpfe, trotz der Minusgrade. Der jüngste Spross hat diese Saison bereits zum dritten Mal einen Fäustling irgendwo liegenlassen. Jetzt steht er - gerade mal eine Minute im Freien - fünf Meter vor dem Hoteleingang stocksteif im Schnee und streikt aus unersichtlichem Grund. Vater und Mutter warten ratlos, nur einen Steinwurf entfernt.

Jedes Alter

Jedes Alter hat seine schönen Seiten, so sagt man gerne über den Nachwuchs. In komprimierter Form, sprich in einem Kinderhotel zur Winterferienzeit, lassen sich die unterschiedlichen Entwicklungsphasen studieren. Ob Patchworkfamilie oder durchweg gemeinsame Sprößlinge - eine große Tafel ist von solch einem Clan schnell besetzt. Am Nachbartisch, inmitten des Salons, hat sich eine mehrköpfige Familie zum Apres-Kaffee niedergelassen. Ihre kompletten Ski-Klamotten, nass und schwer, befinden sich gesammelt in einem riesigen blauen Ikea-Beutel - schätzungsweise zehn Kilogramm an Ausrüstung, die täglich durch die Gegend zu wuchten ist.

Da kommt Appetit auf. Aber auch bei den Nicht-Skifahrern, denn für die ist der Tag im Hotel länger. Essen ist eine schöne Beschäftigung, vor allem dann, wenn alles im Preis inbegriffen ist und man nicht selber kochen und abräumen muss.

Kinder im Hochstuhl benötigen jedoch immer eine spezielle Fürsorge. Die Mütter füttern geduldig und essen deshalb auch im Wintersportort selbst meist als Letzte. Außerhalb der Mahlzeiten, vor allem am frühen Abend, wenn die Skipisten leer sind, räkeln sich einige der jüngsten Gäste - allesamt noch nicht im schulpflichtigen Alter - auf dem Kuschelsofa in der Lobby und traktieren ihre Spielkonsolen japanischer Herkunft. Das Piepen und Quitschen, das aus den kleinen Geräten dringt, erfüllt den Raum.

Zappelnde Schar

Die noch deutlich jüngeren Steppkes hingegen haben im »Baadingoo«-Kinderklub einen wilden Alpen-Formationstanz einstudiert. Im Foyer hat sich ein Halbkreis von stolzen Eltern um die zappelnde Schar gebildet. Das lauteste Organ hat - gezwungenermaßen - die junge Animateurin aus dem »Baddi«-Team, die in ihrer Rolle als Vorsängerin mühelos über Textunsicherheiten bei den angehenden Mini-Showstars hinweghilft.

Kinderbetreuung hin oder her, viele Eltern spielen im gemeinsam verbrachten Skiurlaub letzten Endes doch mal wieder die zweite Geige und dies fast durch die Bank auch ganz klaglos. Irgendwie scheint es die Natur so einzurichten, dass die kleinen Prinzessinen und Prinzen den Großen automatisch und unumstößlich beibringen, wer jetzt wichtig ist.

Aber: Schließlich sind die Kleinen im Glück, und das ist für viele Eltern die Hauptsache. Und so ist man als alter (Schnee-)Hase auch willens, die Erwartungen an den persönlichen Erholungswert einfach in den Hintergrund zu drängen. (GEA)


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