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Über die »Wellen« des Allgäus

Von Emanuel K. Schürer

Es gibt jenen Witz vom Manager, der auf die Taxifahrerfrage nach seinem Fahrziel sagt: »Egal, ich werde überall gebraucht.« Abgewandelt könnte man das aufs Allgäu als Fahrrad-Revier anwenden. Wo soll man dort Rad fahren? Egal, es ist überall schön. Die Landschaft ist abwechslungsreich hügelig bis bergig. Viele Straßen sind von Autos kaum befahren. Es gibt schmucke Städtchen und Dörfer und viele gute, bezahlbare Restaurants.

Historische Bauernhäuser, Dörfer und Städtchen, die hügelige Landschaft und viele kaum befahrene Straßen machen das Allgäu zum Radlerparadies.
Historische Bauernhäuser, Dörfer und Städtchen, die hügelige Landschaft und viele kaum befahrene Straßen machen das Allgäu zum Radlerparadies. FOTO: Emanuel K. Schürer

Runde in die Ecken


Wer aber nicht einfach drauflos radeln, sondern etwas planen will, für den gibt es die »Radrunde Allgäu – die Runde in die schönsten Ecken« mit vielerlei Tipps und Informationen. Für den insgesamt 450 Kilometer langen Radfernweg haben sich die Allgäu-Tourismusorte zusammengeschlossen. Der Rundkurs wird von zwei Achsen durchschnitten – dem Iller- und dem Allgäu-Radweg. So lassen sich je nach Vorliebe viele verschiedene Rundtouren planen. Broschüren, Karten und natürlich die Beschilderung am Weg erleichtern die Orientierung.

Einen enormen Schub für den Radtourismus im Allgäu hat es durch die E-Bikes gegeben. »Flache Strecken gibt es hier eigentlich nicht«, sagen die Einheimischen. Die vielen Hügel gelten den radelnden Allgäuern als »Wellen«, für manchen Gast, besonders für Norddeutsche, sind es hingegen schon Berge, und die verlieren dank Elektrounterstützung ihren Schrecken.

»Kühe, Käse, heile Welt«, so sieht das traditionelle Image des Allgäus aus. Ganz falsch ist dieses idyllische Bild auch heute nicht, höchstens etwas unvollständig. Die schwäbisch-bayerische Region zwischen Ravensburg im Westen und der Grenze zu Österreich im Osten ist noch immer ländlich geprägt, Kühe grasen bilderbuchmäßig auf den Weiden und in Restaurants gibt es Kochkurse für Kässpätzle. Ganz so nostalgisch, wie das klingt, geht es aber auch im Allgäu nicht mehr zu. Viele Restaurants haben sich dem Zeitgeist entsprechend auf regionale Speisen und Bio verlegt, es gibt Angebote für Gesundheitsküche oder auch Wirte, die ganz auf die Vielfalt der Kräuter setzen.

Hangen in Wangen


Ein Ort an der Radrunde Allgäu ist Wangen. Das ist schon lange eng mit Radsport verbunden. Seit 1929 findet dort im September das Radrennen um das »Goldene Rad der Stadt« statt – laut Veranstalter das älteste Radkriterium Deutschlands. Das über 1200 Jahre alte Städtchen hat radelnden und nicht-radelnden Besuchern aber auch sonst viel zu bieten. Die mittelalterliche Stadt lebte einst unter anderem von Leineweberei und einer Bleiche und verfügte über viele Weiher, um für die Fastentage genügend Fische zu produzieren.

Sehenswert ist zudem die aufwendig renovierte mittelalterliche Badstube. »In Wangen bleibt man hangen«, lautet ein alter Spruch. Selbst die Wangener wissen aber nicht so recht, wie er gemeint ist. Er könnte sich auf Zugezogene beziehen, die nicht wieder weg wollen, oder aber auch auf Damen mit Stöckelschuhen, die im Pflaster der Stadt hängen bleiben. Sogar die Hinrichtungen einiger Übeltäter in früheren Jahrhunderten kämen als Erklärung infrage.

Stadtführer berichten von »Schildwirtschaften«, in denen im 16. Jahrhundert die Kaufleute auf ihrem Weg von Augsburg nach Mailand Wein tranken, während in den einfacheren »Schankwirtschaften« eher Handwerker und fahrenden Gesellen verkehrten und vornehmlich Bier konsumierten. Heutzutage profitiert Wangen von der Weltlage, wie die Touristiker einräumen. »Hier ist die Welt noch in Ordnung und immer mehr Menschen wollen das eigene Land kennenlernen.« Radfahren liegt im Trend und der Radtourismus ist im Westallgäu schon lange bedeutend. (GEA)

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