Reisen
Erlebnis - Unterwegs im Moseltal und der unbekannten Luxemburgischen Schweiz

GEA/DAV-Wanderreise: Felsen, Farn und Traumpfade

VON IRIS GOLDACK

Dass jeder sechste Luxemburger Portugiese ist, das wissen wohl nicht viele. Diese überraschende Erkenntnis ist nur eine von vielen, die 49 GEA-Leser der Wanderreise aus der Luxemburgischen Schweiz gewonnen haben. Organisiert vom Alpenverein Reutlingen in Kooperation mit dem Reutlinger General-Anzeiger geht es vier Tage dorthin, wo die wenigsten von alleine hingefahren wären.

Impressionen vom Müllerthal-Trail: Spektakuläre Felsschluchten.
Impressionen vom Müllerthal-Trail: Spektakuläre Felsschluchten.
Warum sich bislang keiner in Eigenregie diesem nahe gelegenen Wandergebiet näherte, dafür hat keiner eine Erklärung – umso größer ist der Reiz und die Neugier darauf. Vier Tage
mit einer Auftaktwanderung eines Moselsteig-Abschnitts mit Blick auf Trier, und drei Tagestouren auf landschaftlich herausragenden Teilstücken des Müllerthal-Trails, brachten die Teilnehmer letztlich ins Schwärmen.

Ausgebremst. Gleich nach der Busfahrt ins Zielgebiet und Ankunft in Trier-Ehrang wird die Gruppe ausgebremst. Eine Fronleichnams-Prozession stoppt die Wander-Prozession und kurz darauf eine Bahnschranke. Also wirklich. Die Vorzeichen ändern sich schlagartig nachdem wir keine 20 Meter auf dem Anstieg durch ein Waldstück gehen. Ein vierblättriger Glücksklee erfreut eine Teilnehmerin ganz besonders, weil sie durch eine nicht abheilende Fußverletzung bis zwei Tage vor Antritt der Reise dachte, sie müsse daheimbleiben.

Herr der Ringe. »Das hätte ich nie erwartet« bis hin zu »Hier sieht’s aus wie in den Filmen von Herr der Ringe«, so lauten die spontanen Äußerungen der Mitreisenden. Die Fotos der Ausschreibung toppt die Realität. An drei von vier Tagen sind wir auf verschiedenen Abschnitten des Müllerthal-Trails unterwegs – Sandsteinfelsen in kilometerlangen Formationen und -Labyrinthen, Traumpfade zumeist bewaldet, Farne und Moose, die ein eigenes Klima erzeugen.

Dinner for 49. Wanderreiseleiter Rolf Wizgall hat einen Traum. Im heutigen Amphitheater, den Höhlen von Hohlay in Luxemburg, die vor über 2000 Jahren durch die Hände der Römer entstanden, erleben wir eine Weinprobe. Wir rasten, packen Vespersachen aus und hören zu. Die Römer hauten damals riesige Mahlsteine aus dem Fels und wir probieren vor dieser Kulisse nun feinen Moselwein aus Neumagen-Dhron, dem ältesten Weinort Deutschlands. Und weil der Winzer seinen Wein so lecker findet, überprüft auch er regelmäßig die Qualität. Es wird immer lustiger, ein Wanderer befürchtet gar, dass einer unserer Rucksäcke zur »Tigerkopf-Stolperfalle« wie im Film »Dinner for One« werden könnte.

Kriegsgeschichten. Vom Stützpunkthotel in Irrel auf deutscher Seite ist es nur ein Katzensprung nach Echternach in Luxemburg. In der 5000-Einwohner-Stadt machen wir eine Führung mit zwei deutschen lebenserfahrenen Herren. »Die Luxemburger mögen uns nicht, das Verhältnis ist schwierig«, sagt einer. Kein Wunder. Die Befreiung Echternachs im Zweiten Weltkrieg durch die Amerikaner, die sich im Februar 2017 zum 70sten Mal jährte, wurde am Grenzfluss Sauer erschütternd nachgestellt. Dieser Krieg war zugleich der Auslöser dafür, dass Luxemburg heute Europas Finanzplatz Nummer eins ist, weil die Amerikaner ihre damals wertvollen Dollars sicher lagern wollten. Dieses geschichtliche Entlanghangeln an Kriegen findet in der Gruppe nicht nur Zustimmung.

Luxemburgsplitter. Über Jahrhunderte von verschiedenen Nationen einverleibt, hat das Großherzogtum heute folgenden Vorteil: Vier bis fünf Sprachen seien normal, französisch, deutsch, luxemburgisch, englisch, niederländisch und eben manchmal noch portugiesisch. Von den rund 580000 Einwohnern ist jeder sechste Portugiese, der Ausländeranteil liegt bei rund 47 Prozent. Nicht wenige denken deshalb, dass wenn sich dereinst Brüssel und Strasbourg um den Titel europäische Hauptstadt streiten, Luxemburg lachender Sieger sein könnte. Wohnen und leben in Luxemburg ist teuer, weshalb etliche Luxemburger in Nachbarländern residieren. Zum 18. Geburtstag stellt der Luxemburger seinem Kind gern ein nagelneues Auto hin, eher Mittelklasse. Die Straßen sind in gutem Zustand – bei Tempolimit 130 und rund 150 Autobahnkilometer im Land, ist das ganz schön luxuriös.

Nicht Alpin. Vom Reutlinger Alpenverein betreuen die Tourenführer Karl-Heinz Griesinger, Heinz Riebandt und Karin D’Ettore vorbildlich ihre Gruppen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die Herausforderungen sind diesmal nicht die Höhenmeter, sondern die Distanzen – in der Spitzentour addieren sich die Schritte auf 16 Kilometer. Karin D’Ettore lobt am Ende ihren Vereinskollegen Rolf Wizgall für seinen Mut, eine Wanderreise in dieses moderate Mittelgebirge organisiert zu haben und den Reutlinger General-Anzeiger für die Unterstützung.

Interessen bedient. Trotz der Terminlage über Fronleichnam mit Brückentag sind die Begegnungen mit anderen Wanderern übersichtlich. Das ändert sich auch nicht am letzten Tag, als die sportive Wandergruppe ihre Tour auf der Hochfläche von Rennepad beginnt, nachdem das Gruppenfoto vor Chateau dê Beaufort entstanden ist. Kultur lockt die zweite Gruppe, die die attraktive Burgruine aus dem 12. Jahrhundert ausgiebig erkundet. Noch eine Burg thront imposant für die wiedervereinte Gruppe am Zielpunkt der Schlusswanderung in La Rochette.

Diese Entdeckung neuen Wanderlands lässt den einen oder anderen Teilnehmer sicher noch mal zurückkehren. Die Fahrt von rund vier Stunden lohnt: In der Luxemburgischen Schweiz sind die Traumpfade noch nicht ausgetrampelt. (GEA)


Galerie

Wanderreise

GEA-Leser im Moseltal und in Luxemburg

GEA Wanderreise Moseltal und Luxemburg
Fotos: Baral/Goldack/Wessely/Wizgall
 
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