Reisen
Dolomiten - Am Fuß des Rosengartens teilen Skifahrer und Schneeschuhwanderer die Natur

Dornröschen ist wachgeküsst

VON PHILIPP FÖRDER

Früher, ja, da waren die Winter noch ruhig. War die Wandersaison Anfang November vorbei, dauerte es ein paar Monate, bis die nächsten Gäste mit geschnürten Stiefeln und Rucksäcken in Tiers anrückten. Doch seit ein paar Jahren ist es für Artur Obkircher vorbei mit der winterlichen Gemütlichkeit. Seit sich diese komischen Treter von einem belächelten Außenseiter-Sportgerät zum Zubehör füe einen Trendsport entwickelt haben. Vier, fünf Tage ist er jetzt jede Woche unterwegs mit Schneeschuhwanderern, die sich neben den Skifahrern ihren Platz am Fuß des Rosengartens erobert haben.

»Die Menschen schätzen die Ruhe abseits des Pistentrubels.« Was Artur Obkircher meint, wird schnell klar. Vom Parkplatz an der Straße geht es einen Wirtschaftsweg durch den Wald. Langsam nur steigt er an, aber bald ist von der Straße nichts mehr zu hören. Dann ist nur noch das Knirschen des Schnees unter den ovalen Kunststoffbrettern zu vernehmen. Und das Atmen, wenn es vom Weg weg in gerader Linie über die Almwiesen hinaufgeht in Richtung Vajolettürme und Laurinswand.



Hier, im Norden des Rosengarten-Massivs, sind die Schneeschuhwanderer unter sich. Noch. Doch Andreas Mair, der in dritter Generation den Gasthof Edelweiß in Tiers führt, merkt, dass die Nachfrage steigt: »Wir bieten unseren Gästen fünfmal in der Woche geführte Touren an. Es wird immer mehr.« Für das kleine Dorf eine bemerkenswerte Entwicklung, war es bisher doch vom Wintersport weitgehend abgeschnitten, weil es außer dem Skibus keinen direkten Zugang zu den Pisten unterhalb des Rosengartens hat.

Aber auch dort war es in der Vergangenheit ziemlich ruhig. Als eines der ältesten Skigebiete Südtirols hatte es schwer mit dem Erbe der Tradition zu kämpfen. Jedes der Hotels - auch das Grand Hotel, wo Kaiserin Sissi abstieg, steht noch - hat seinen eigenen Lift. So begannen modernere Skigebiete, die einen großen Verbund bilden wie das nahe Obergeggen, dem Rosengarten den Rang abzulaufen. Mühsam versuchte man dort, die Lifte zu verbinden, konnte sich aber nicht immer einigen mit der Folge, dass manche Lifte gar nicht mehr fuhren.

Doch Dornröschen ist jetzt wachgeküsst. Der Prinz heißt Georg Eisath, seine Kraft - auch die finanzielle - holt er sich aus dem Schnee. Als Maschinenbauingenieur wurde er bei den Bergbahnen in Obereggen mit den ersten Beschneiungsanlagen konfrontiert. Die kamen damals aus Amerika, überzeugten den Südtiroler aber überhaupt nicht. »Das können wir besser«, sagte sich Einath und gründete mit Freunden sein eigenes Unternehmen Technoalpin. Das ist heute eine Topadresse in der Branche und beliefert Skigebiete in der ganzen Welt.

Einath übernahm die Skilifte am Rosengarten, ist heute Chef des Betreiberkonsortiums und treibende Kraft bei der Modernisierung des Skigebiets. Der sind im Weltnaturerbe Dolomiten Grenzen gesetzt. Um neue Lifte bauen zu können, müssen andere abgebaut werden. Das aber ist für Einath kein Problem. »Ein Schwachpunkt ist heute die Verbindung von der Moseralm zur Frommeralm. Dafür braucht man heute drei Lifte und 15 Minuten. Künftig macht das ein Lift in vier Minuten«, verspricht er.

Mehr noch treibt Georg Einath aber eine andere Vision um: die von einem »alpinen Klimaskigebiet«. Dafür stecken Carezza und der schweizerische Partner Arosa viel Gehirnschmalz und Geld - auch von der EU - in Pilotmaßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. 365 000 Euro wollen die beiden Skigebiete investieren, gefördert zu 70 Prozent aus Brüssel.

Dabei sind Skilifte mit Stand-by-Modus, solarbetriebene Displays oder Energieteppiche an den Einstiegen, wo die herantrampelnden Skifahrer Strom erzeugen, eher die untergeordneten Projekte. Richtig teuer sind dagegen Verbesserungen an den Pistenraupen, die etwa 40 Liter Diesel in der Stunde verbrauchen. Über eine elektronische Steuerung sollen sie künftig die Schneehöhen unter ihnen erfassen, damit nicht immer wieder die gleichen Stellen befahren werden.

Außerdem will Einath die Beschneiungsanlagen optimieren. Einschließlich der Amortisation der Anlagen kostet ein Kubikmeter Kunstschnee derzeit 3,50 bis 5 Euro. Bei 600 000 Kubikmeter produziertem Schnee pro Saison kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Das Ziel des Projekts: »Wir wollen 30 Prozent Energie einsparen«, sagt Georg Einath.

Da kann sich auch Artur Obkircher mit dem wieder erwachenden Skizirkus in der südlichen Ecke des Rosengartens und am Karerpass anfreunden. »Es gibt immer welche, die dagegen sind«,sinniert er. »Aber wir leben doch vom Tourismus.« (GEA)

www.rosengarten-latemar.com



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