Beruf - Da tüftelt man einen Vorschlag aus, und der Kollege verkauft ihn als seinen eigenen: Was tun?
Strategien gegen den Ideenklau im Job
Von Berit Waschatz
Der eine Kollege hat sich wochenlang das Hirn zermartert und eine Idee ausgetüftelt. Das Lob erhält ein anderer Kollege, der sie dem Chef vorträgt. Oder der Teamleiter, der sie dem Kunden unterbreitet und den Vertragsabschluss übernimmt. Das ist nicht nur ungerecht. Es schadet der Karriere, wenn Mitarbeiter sich die Show stehlen lassen.
Heimlich abgucken gilt nicht. Foto: tmn
Dass manche Kollegen sich mit fremden Federn schmücken, gehört zum Berufsleben dazu. »Man darf sich nur nicht in die Opferposition begeben«, findet die Freiburger Psychologin Barbara Hofmann-Huber aus Freiburg. Jedes Mal »Wer hat's erfunden?« zu fragen, wenn die Ergebnisse eines Teams vorgestellt werden, geht indes auch nicht.
Zunächst ist daher zu klären, ob es tatsächlich eine bewusste Strategie des Kollegen war oder einfach passiert ist. »Manchmal wird etwas nur als Ideenklau wahrgenommen«, hat die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert beobachtet. So komme es vor, dass eine Idee einfach in der Luft liegt, weil ein Mitarbeiter sie einmal im Gespräch erwähnt hat. Dann kommt ein Kollege und bringt sie als seine an: Eventuell denkt er oder sie wirklich, dass es die eigene Idee war.
Wirklich schützen kann man sich vor einem solchen Ideenklau nicht. »Um dem vorzubeugen, wäre es natürlich am besten, man sagt gar nichts mehr«, sagt der Psychologe Roland Wichmann-Kopp aus Heidelberg. »Das geht aber nicht.« Sein Rat: Wer weiß, dass die Kollegen gerne Ideen klauen, sollte Vorschläge in Teamsitzungen erst mal nur vage skizzieren. Eine andere Lösung ist, Ideen immer klar als die eigenen zu bezeichnen. »Wenn ich das nicht mache, laufe ich Gefahr, dass mir ein anderer meine Idee klaut«, sagt Hofmann-Huber. Denn meist passiert das, wenn man den Vorschlag nicht deutlich genug als Ergebnis eigener Überlegungen ins Gespräch bringt.
Stiehlt einem ein Kollege dann trotzdem die Idee, sollte man das Gespräch suchen - unter vier Augen. Beim Chef petzen kann nach hinten losgehen: Wer sich den Kollegen gegenüber missgünstig zeigt, rückt sich selbst in ein schlechtes Licht. Erst wenn man Kollegen schon mehrmals beim Ideenklau ertappt und darauf angesprochen hat, kann man eine Ebene höher gehen. »Das ist dennoch riskant, je nachdem, wie die eigene Beziehung und die des Beschuldigten zum Chef ist«, meint der Psychologe.
Auf keinen Fall tolerierbar ist es, wenn ein Kollege einem ein Strategiepapier oder Konzept vom Schreibtisch stiehlt. Damit es gar nicht so weit kommt, sorgen Mitarbeiter am besten vor. »Man sollte nichts auf dem Schreibtisch liegen lassen«, rät Hofmann-Huber - und den Computer mit einem guten Passwort sichern. (tmn)
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