Heimat und Welt
Die Lästerspalte

Rückrufe sind in Mode

Die Autobauer wollen uns weismachen, dass das Elektrofahrzeug die neueste Mode in ihrer Branche ist. Stimmt aber gar nicht. In die Schlagzeilen kommen derzeit nur jene Autofirmen, die ihre Wagen in die Werkstätten zurückrufen. Sei es wegen klemmender Bremspedale oder poröser Ölschläuche wie bei Toyota, schwergängiger Servolenkungen wie bei GM oder kaputter Schlösser wie bei Hyundai.
Frei nach dem Motto »Lieber schlechte Werbung als keine Werbung« scheinen Rückrufaktionen der letzte Schrei zu sein. Und das nicht nur im Straßenverkehr. Auch im Lebensmittelbereich kommt es immer wieder dazu. Mal finden sich Glassplitter im Marmeladeglas, dann wieder Reinigungsmittel im Saft. Oder denken Sie nur an den Ekelkäse beim Discounter vor wenigen Tagen! Genau betrachtet, scheint unser ganzes Leben von solchen Nachbesserungen bestimmt zu sein. Wieviel tausend Ehepartner im Jahr rufen sich vor dem Scheidungsrichter ihren Ledigen-Status zurück? Und wieviele Schüler werden nach den Sommerferien in dieselbe Klassenstufe zurückgerufen?

Ja, selbst die Medienbranche ist vor solchen Aktionen nicht gefeit. So haben die Macher der TV-Talkshow »3 nach 9« die Moderatorin an der Seite des smarten Giovanni di Lorenzo zurückgerufen, indem sie Charlotte Roche (das ist die mit den »Feuchtgebieten«) nach ein paar Sendungen den Laufpass gegeben haben. Oder jetzt die Zeitschrift »Bunte«: Bespitzelungen von Politikern hätte die Redaktion doch nie in Auftrag gegeben!

A propos Politik. In diesem Geschäft ist man ja auch schon längst an Rückrufe gewöhnt. Da gibt irgendein Hinterbänkler irgendwelche Tiraden zum Besten, wird daraufhin abgewatscht und sagt am nächsten Tag, dass er eigentlich nur falsch verstanden worden sei, sicher auch falsch zitiert. Wer ihn kenne, wisse, dass er doch genau fürs Gegenteil stehe.

Solche alltäglichen Formen von Lug und Trug im politischen Geschäft sind wir gewohnt. Neu hingegen ist, dass sich die Politik auch Rückrufe im großen Stil bedient. So wie diese Woche, wo die Justizministerin mit dem lustigen Bindestrich-Nachnamen mithilfe des Bundesverfassungsgerichts das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung zurückgerufen hat. Ach, würde doch jemand auch den Westerwelle mit seinem losen Mundwerk zurückrufen ...

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