Heimat und Welt
Beruf - Wer sich immerzu Arbeit aufladen lässt, kriegt jede Menge Stress und schadet sogar der Karriere

Nein sagen ist gar nicht so schwer

Von Tobias Schormann

Stress im Job ist oft hausgemacht. Denn manche Menschen können einfach nicht Nein sagen. Dadurch halsen sie sich ständig zu viel auf. Zu einer gesunden Arbeitsweise gehört es aber, Kollegen auch einmal eine Bitte abzuschlagen - auf diplomatische Art.

Alle wollen was? Da hilft nur ein beherztes "Nein!". Foto: tmn
Ja-Sager sind oft Harmonietypen: Sie wollen anderen gefallen. Sich selbst tun sie damit in der Regel keinen Gefallen. Denn am Ende seien sie »die Deppen, weil sie alles für die anderen machen«, sagt Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Dresden.

Wer anderen nichts abschlagen kann, bekomme in doppelter Hinsicht Probleme: »Zum einen hat er immer den Schreibtisch voll und stresst sich dadurch«, erklärt der Psychologe. Zum anderen falle sein guter Wille negativ auf ihn zurück, wenn er sich übernimmt und seine Arbeit nicht schafft. Das wirkt sich auch auf die Karriere aus: Ja-Sager verausgabten sich zwar, »versacken aber letztlich oft auf ihrer Stelle, ohne befördert zu werden«, hat Svenja Hofert beobachtet, die als Coach in Hamburg arbeitet. Außerdem gerieten Ja-Sager schnell in einen Teufelskreis, erläutert Windemuth. Ihnen werde immer mehr Arbeit von anderen zugeschoben. Die schwierigen Kollegen hätten es dagegen leicht: »Die werden immer mehr in Ruhe gelassen.

Wie aber geht Neinsagen, ohne Chef und Kollegen zu vergrätzen? Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft in Hamburg rät, dem Bittsteller zu erklären, warum man keine Zeit hat, eine Aufgabe zu übernehmen. Dann fühlten sich andere nicht gleich vor den Kopf gestoßen. Auch kommt es schlecht an, andere einfach mit ihrem Anliegen allein zu lassen. "Nicht mein Problem" ist also die falsche Antwort. Besser ist es, Alternativen aufzuzeigen, rät Svenja Hofert. Das könne das Angebot sein, sich zu einem späteren Termin um das Anliegen zu kümmern. Oder man einigt sich auf einen Kompromiss, indem man die Aufgabe sinnvoll aufteilt. Auch ein Tauschhandel ist denkbar: Wer eine Sache übernimmt, gibt dafür etwas anderes ab.

Eine andere Variante: Den Ball weitergeben. »Man kann ja sagen: Geh doch mal zum Kollegen Meier, der kennt sich da aus und kriegt das schneller hin als ich«, rät Windemuth. Recht einfach lässt sich eine Aufgabe delegieren, wenn die Zuständigkeit nicht ins eigene Gebiet fällt. »Da brauche ich gar nicht lange argumentieren, das ist ein Nein mit Ausrufezeichen!« sagt Hofert.

Notorischen Ja-Sagern, die sich immer wieder überrumpeln lassen, kann es auch helfen, um Bedenkzeit zu bitten. Ein Aufschub macht aber nicht immer Sinn. Wenn ein »Nein« eigentlich als Antwort feststeht, sollten Beschäftigte lieber sofort absagen, meint Windemuth. Auch von unverbindlichen Äußerungen wie »Da muss ich noch mal schauen« rät er ab: »Damit verschiebt man das Problem nur.« Je länger Arbeitnehmer dann mit einem klaren Nein warten, desto schwieriger wird die Absage.

Ja-Sager haben oft Angst davor, dass ihnen ein Nein als Schwäche ausgelegt wird. Diese Angst sei oft unrealistisch, meint Karriereberaterin Svenja Hofert. Eine Aufgabe abzulehnen, könne sogar souveräner wirken. Schließlich zeigen Mitarbeiter damit, dass sie den Überblick behalten und Grenzen setzen können. (tmn)

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