Heimat und Welt
Leben - Sieben Fragen und Antworten zum Thema Zeit

Moment mal

Schon wieder hat ein neues Jahr hat begonnen. Und viele wundern sich, wo denn nur die Tage geblieben sind. Das wissen wir auch nicht. Dafür beantworten wir aber ein paar andere Fragen zum Thema Zeit. Immerhin liegen ja jetzt zwölf frische Monate vor uns.

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Wann hat die Zeit begonnen?

Tick, tack. Tick, tack. Die Zeit vergeht ohne unser Zutun, und sie ist unendlich. Unendlich? Stimmt das? Und gibt es sie schon immer? Physiker kommen da ins Grübeln. Die Standardtheorie der Physiker sieht tatsächlich einen Beginn der Zeit vor. Die Rede ist vom »Big Bang«, dem Urknall vor ziemlich genau 13,7 Milliarden Jahren. Damals soll unser ganzes Universum mit all dem Zeugs darin entstanden sein, und seit der Zeit dehnt es sich immer weiter aus.
Vor dem Urknall ist für Physiker eine unsinnige Formulierung, denn die Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie brechen für diesen Zeitpunkt in sich zusammen. Die Physiker sprechen daher von Singularität: Der Beginn unseres Universums ist ein unendlich kleiner Punkt mit unendlich hoher Dichte.
Nun gibt es aber andere Physiker, die durch den Urknall hindurchschauen. Etwa den 36 Jahre alten Deutschen Martin Bojowald, einen der wichtigsten Theoretischen Physiker. Mit anderen mathematischen Gleichungen kann er beschreiben, was vor dem Urknall war: nämlich ein schrumpfendes Universum. Seiner Ansicht nach leben wir also in einem über Milliarden Jahre pulsierenden Raum. Leider verschiebt sich damit wieder die Frage, wann das Ganze mit dem Aufblähen und dem Schrumpfen denn nun angefangen hat. (ski)

Liegt die Zukunft vorn oder hinten?

Na, ist doch klar, wo die Zukunft liegt: vor uns. Wir stellen uns die Zeit als einen Weg vor, auf dem wir in eine Richtung schlendern. Alles, was vor uns liegt, ist die Zukunft, in die wir hineingehen. Der Weg hinter uns ist die Vergangenheit. Dieses sprachliche Muster ist uns so geläufig, dass wir es gar nicht mehr hinterfragen. Und nicht nur wir: So gut wie alle Völker, egal ob in Europa, Afrika, Asien oder Polynesien, knüpfen diese Verbindung.
Nicht so die Aymara, ein Volk in den südamerikanischen Anden. Deren Zeitkonzept ist genau andersherum gestrickt. In der Sprache, aber auch in der Gestik, blicken die Aymara in die Vergangenheit und kehren der Zukunft den Rücken zu. Schließlich ist die Zukunft noch unbekannt, niemand kann sie sehen, während die Vergangenheit bekannt ist.
Bei genauerer Betrachtung ist unser Sprachgebrauch übrigens auch nicht korrekt. Denn wenn wir beispielsweise einen Termin in der Zukunft, sagen wir am kommenden Mittwoch, um einen Tag vorverlegen, wird dieser Termin nicht etwa am Donnerstag (also weiter in der Zukunft) stattfinden, sondern bereits am Mittwoch. (ski)

Wie lange dauert die Gegenwart?

»Verweile doch! Du bist so schön!« So hat Goethes Faust schon versucht, den Augenblick festzuhalten. Aber das »Jetzt« ist eine ziemlich flüchtige Angelegenheit, oder? Anders gefragt: Wie lange dauert die Gegenwart? Drei Sekunden, sagt die Wissenschaft. Mehr »Gegenwart« kann unser begrenztes Bewusstsein nicht verkraften, fand der Münchner Hirnforscher Ernst Pöppel heraus. So lange kann das menschliche Kurzgedächtnis Eindrücke speichern, bevor die Informationen entweder weiterverarbeitet werden oder entschwinden. Dann ist der Augenblick für unser Hirn schon wieder Vergangenheit. Auch wenn er noch so schön war. (sä)

Sind Zeitreisen möglich?

Von Zeitreisen träumen Menschen immer wieder. Im Rom Caesars spazieren zu gehen, oder einen mittelalterlichen Kreuzzug zu beobachten, wäre reizvoll. Auch wäre es interessant, wie die Debatte im Jahr 2119 über die Verlagerung des Stuttgarter Bahnhofs an die Erdoberfläche verläuft. Viele Schriftsteller und Filmemacher haben schon mit der Idee einer Zeitreise gespielt.
Bisher hat es aber noch kein Wissenschaftler geschafft, eine Zeitmaschine zu bauen. Zumindest ist es bisher nicht bekannt geworden. Und ein Besucher aus der Zukunft ist bisher auch noch nicht aufgefallen. Theoretisch scheinen Physiker die Möglichkeit von Zeitreisen nicht auszuschließen. Um das zu verstehen, müsste man Einsteins Relativitätstheorie kapiert haben. Die besagt wohl, dass sich die Zeit bei sehr hohen Geschwindigkeiten ausdehnt, und dass ihr Lauf auch von Gravitation und Beschleunigung abhängt. Laut Internetlexikon Wikipedia ist der am weitesten »zeitgereiste« Mensch der Kosmonaut Krikaljow. Er habe 784 Tage in der Raumstation Mir verbracht und sei dabei im Vergleich zu seiner erdgebundenen Verwandtschaft etwa eine Fünfzigstelsekunde in die Zukunft gereist.
Zeitreisen in die Vergangenheit, heißt es, sind nach dem Stand der Wissenschaft prinzipiell nicht möglich. So wird auch die Überlegung ein Gedankenspiel bleiben, wie sich Eingriffe eines Zeitreisenden in die Vergangenheit auf seine Gegenwart auswirken würden. Was also zum Beispiel passiert, wenn ein Zeitreisender in der Vergangenheit verhindert, dass sich seine (späteren) Eltern überhaupt kennenlernen. Zeitreisen bleiben aber eine faszinierende Vorstellung. (eks)

Vergeht die Zeit im Alter schneller?

Zu Grundschulzeiten erschienen einem die großen Ferien mit ihren sechs Wochen unendlich lange. Ist man ein paar Jahrzehnte älter, scheint die Zeit hingegen zu rasen. Gerade hat man noch Silvester gefeiert, da ist schon wieder Weihnachten. Diese verbreitete Empfindung hat mehrere Gründe, sagt der Münchner Zeitforscher Karlheinz Geißler. Einer davon ist die Endlichkeit des Lebens. Einem 17-Jährigen erscheine die Wartezeit auf seinen Führerschein mit 18 sehr lange, während ein 80-Jähriger sich mit einer Fernreise besser beeilen sollte, so der Pädagoge.
Außerdem begegnet einem im Alter Vieles, das man schon kennt. Es bleibt also nicht mehr im Gedächtnis. Das heißt, die Zeit verrinnt »wie in einem Loch«. In der Jugend hingegen erlebt man viel Neues, das man sich merkt, weshalb die Zeit einem dann im Rückblick länger erscheint.
»Älter werden besteht darin, langsamer zu werden«, sagt Geißler. Auch deshalb scheint dann die Zeit schneller zu vergehen. Um diesen Effekten ein Schnippchen zu schlagen, empfiehlt der Pädagoge, »das Neue im Alten zu sehen«. Man solle sich vor Sätzen wie »Das kenne ich schon« oder »Das ist so wie ...« hüten und sich stattdessen mehr auf die Unterschiede, die Andersartigkeiten konzentrieren. (eks)

Kann man Zeit sparen?

Heute gibt es fast alles »to go«: Internet für unterwegs, Kaffee zum Mitnehmen, Handys, um permanent erreichbar zu sein. Wir wollen alles immer mit uns herumtragen, um jederzeit darauf zurückgreifen zu können. Warum das so ist, erklärt der Zeitforscher und Wirtschaftspädagoge Karlheinz Geißler: »Wir wollen mehr von der Welt mitbekommen.«
Dass wir heute eine Vielzahl von Möglichkeiten dazu haben, definieren wir als Freiheit. Mit den Freiheiten steigen aber auch die Zwänge, sich damit zu beschäftigen, sagt Geißler. »Wir versuchen, die Zeit zu verdichten und wollen so mindestens zwei Leben in eines packen. Wir leben in einer Spirale, die kein Genug kennt.«
Geißler spricht sogar von einer Form, den Tod zu verdrängen. »Wir tun so, als ob wir unsterblich wären, um nicht am Leben selbst zu verzweifeln.« Dabei, ist er sich sicher, belügen wir uns jedoch nur selbst. Statt Zeit zu sparen, indem wir alles gleichzeitig erledigen und noch mehr in den Tag stopfen, verlernen wir, uns bewusst Zeit für etwas zu nehmen. Auf lange Sicht sind die Konsequenzen dieses Stresses gesundheitliche Probleme - und somit steuern wir eher schneller auf unser Ende zu, als es herauszuzögern. (ste)

Wo ist gestern schon morgen?

An der internationalen Datumsgrenze im Pazifik ist die Sache mit der Zeit ganz schön kompliziert: Da kann morgen schon gestern sein. Als auf der Insel Samoa in der Südsee am Silvesterabend die Sektkorken knallten, war der Neujahrstag auf Tonga ein paar Inseln weiter schon 24 Stunden alt.
Zwischen den Inseln im Pazifik liegen rund 900 Kilometer. Sie haben zwar die gleiche Uhrzeit, aber andere Wochentage. Will heißen: von Tonga aus gesehen ist es am Freitag noch gestern auf Samoa, also Donnerstag. Die Samoaner können ihrerseits am Freitag die Freunde in Tonga schon »morgen« anrufen, also Samstag, weil es dort auf dem Kalender immer einen Tag später ist. Verwirrt?
Es funktioniert so: Vom Nullmeridian durch Greenwich in London wird die Uhrzeit rund um den Globus berechnet: Nach Westen wird es immer früher, nach Osten später. Um 11 Uhr in London ist es in Deutschland schon 12 Uhr, in Singapur 19 Uhr und auf Tonga Mitternacht. Westlich von London, auf den Azoren etwa, ist es dann erst 10 Uhr, in New York erst 6 Uhr, an der US-Westküste 3 Uhr, und auf Samoa bricht der Tag mit null Uhr gerade erst an. Zwischen Tonga und Samoa verläuft die internationale Datumsgrenze. Da kann man also leicht zwei Tage hintereinander Geburtstag feiern. (dpa)

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