Mädchenträume und die Realität
VON EMANUEL K. SCHÜRER
Viele junge, und auch manche ältere Mädchen träumen selbst 90 Jahre nach Abschaffung der Monarchie noch davon, adelig zu sein. Manche schafft es durch Heirat auch in diesen republikanischen Zeiten, wenigstens dem Namen nach zur Freifrau aufzusteigen. Andere aber müssen weiter träumen, wie es so wäre als Prinzessin. Man hieße nicht mehr Müller-Meier-Schulze, wäre nicht mehr eine unter Vielen, sondern etwas Besonderes. Sie müsste sich nicht mehr mit dem Hausputz herumschlagen, sondern könnte sich unter den Reichen und Berühmten tummeln.
Doch Träume sind Schäume, hat irgendein unromantischer Realist mal formuliert und angesichts dessen, was man diese Woche von der Herzogin von York vernommen hat, muss man ihm wohl zustimmen. Die ehemalige Gattin des Briten-Prinzen Andrew habe einen Lebensstil wie eine Prinzessin, sei aber in Wirklichkeit arm wie eine Kirchenmaus. Sie ist wohl eher noch ärmer, denn sie soll arg verschuldet sein, was Kirchenmäuse bekanntlich selten sind. Von zwei bis fünf Millionen britischen Pfund ist die Rede, mit denen sie in der Kreide stehen soll. Selbst Fergies persönlicher Fitnesstrainer wartet angeblich auf 80 000 Euro, und ihre eigenen Anwälte sollen versuchen, 220 000 Euro bei ihr einzutreiben.
Kenner der Szene behaupten, die Herzogin habe damals bei ihrer Scheidung von Andrew nicht hart genug verhandelt. Deshalb bekomme sie gerade mal knapp 20 000 Euro Unterhalt pro Jahr. Und eine Einmalzahlung der Queen von 350 000 Pfund habe auch nicht lange vorgehalten. Schließlich müsse so eine Herzogin ja standesgemäß dauernd zwischen New York, London und Schloss Windsor hin- und herreisen, für Designerkleider pro Woche über 25 000 Euro ausgeben und Unmengen Champagner einkaufen.
Angesichts solcher Ausgaben muss selbst eine Herzogin anfangen zu arbeiten. Fergie warb für Abnehm-Produkte, schrieb Kinderbücher und investierte Geld in eine inzwischen Pleite gegangene Firma. Mal wurde sie fotografiert, als ein Finanzmanager gerade an ihrem Zeh saugte, mal musste sie von einer Umfrage lesen, nach der über 80 Prozent lieber mit einer Ziege schlafen würden als mit ihr. Zuletzt hieß es sogar, dass sie ihre elf Angestellten vor die Tür gesetzt habe und ihren Schmuck versilbere. Gut möglich, dass die Herzogin jetzt davon träumt, Müller-Meier-Schulze zu heißen und eine unter Vielen zu sein.