Heimat und Welt
Haustiere - Den Hamster, die Meersau und das Kaninchen in ein Gehege? Das geht sehr wahrscheinlich schief

Kleine Nager brauchen Artgenossen

Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen: Es kommt immer wieder vor, dass Menschen verschiedene Kleintierarten gemeinsam in einem Gehege halten. Wer jedoch glaubt, dass kleine Fellknäuel allein wegen ihrer Größe bestens zusammenpassen, irrt gewaltig. Experten warnen sogar davor, unterschiedliche Kleintierarten gemeinsam zu halten.

Foto: Fotolia
Von Aliki Nasouffis

»Früher dachte man, dass es gut sei, Kaninchen mit Meerschweinchen zusammen zu halten«, erinnert sich Klaus Kutschmann vom Ausschuss Kleintiere der Bundestierärztekammer. »Man glaubte, dass Kaninchen dann aus irgendeinem Grund nicht so oft krank werden.« Das stimmt jedoch nicht, wie man heute wisse. »Keine Kleintierart schützt eine andere vor bestimmten Krankheiten, nur weil beide in ein und demselben Gehege sitzen.«

Im Gegenteil: Meist bringe die gemeinsame Haltung sogar schwere Probleme mit sich, sagt Klaus Oechsner, der Präsident des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands. »In der Natur funktioniert es meist zwar ganz gut, doch in privater Haltung kann ein Tier aus so einer Gemeinschaft nicht einfach ausweichen, und das kann schwierig werden.« Der Experte urteilt daher: »Die dauerhafte gemeinsame Haltung von Kleinsäugern ist äußerst schwierig.«

Dafür gibt es teilweise ganz offensichtliche Gründe. »Ein Hamster sollte beispielsweise schon allein deswegen nicht mit einem Meerschweinchen gehalten werden, weil er einen engmaschigeren Käfig braucht, um nicht entwischen zu können«, sagt der Tierarzt Jan Balzar. Hinzu komme, dass Hamster nachtaktiv seien, was sich mit tagaktiven Tieren nicht vertrage.

Ähnliches gilt für die eher nachtaktiven Chinchillas, die nicht zu tagaktiven Tieren passen. Doch auch tagaktive Arten dürfen nicht einfach miteinander gehalten werden. »Degus zum Beispiel bauen Höhlen, das mögen Meerschweinchen nicht«, erklärt der Veterinär Kutschmann. Außerdem müsse man grundsätzlich beachten, dass verschiedene Arten unterschiedliches Futter bräuchten. »Das kann man in einem gemeinsamen Gehege nicht gewährleisten.«

Noch problematischer könnte es werden, wenn es zu Kämpfen kommt. »Die Tiere wollen die Rangordnung klären«, erklärt Kutschmann. »Das kann zu blutigen Kämpfen führen.« Balzar bestätigt: »Es gibt manchmal Fälle, wo ein Kaninchen ein Meerschweinchen attackiert.« Laut Kutschmann kommt es zudem vor, dass beispielsweise Meerschweinchen oder Kaninchen den Nachwuchs der Hamster fressen. Doch auch erwachsene Tiere greifen sich äußerst heftig an, wie Oechsner sagt. »Die Tiere können sich gegenseitig totbeißen.«

Nur mit zahlreichen Einschränkungen und nur sehr zögerlich sehen die Experten daher lediglich eine Möglichkeit bei der gemeinsamen Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen. »Wenn sie von klein auf zusammengehalten werden, könnte es klappen«, sagt Oechsner. »Doch sobald die Tiere geschlechtsreif werden, besteigen sie sich gegenseitig und können bitterböse zubeißen.« Kutschmann rät daher, die Tiere in einem ausreichend großen Gehege zu halten und die Männchen kastrieren zu lassen. Außerdem sollten jeweils zwei Meerschweinchen und zwei Kaninchen zusammenleben, damit jede Art einen Artgenossen habe.

Dabei bleibe das Grundproblem jedoch bestehen, betont Balzar. »Verschiedene Arten haben unterschiedliche Formen der Kommunikation.« Ein Meerscheinchen verstehe kein Kaninchen und umgekehrt. Das sei vergleichbar mit Hunden und Menschen: »Das ist häufig eine sehr schöne Beziehung, aber irgendwann möchte man als Mensch ja mit einem anderen Menschen sprechen - die Unterschiede sind einfach zu groß.« Deshalb gelte: »Am besten werden nur Artgenossen zusammen gehalten.«

Und dennoch gibt es auch bei der Haltung von Kleintieren seltene Ausnahmen. »Es kommt immer wieder vor, dass es besondere Tierfreundschaften gibt«, erzählt Klaus Oechsner vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands. So habe er selbst schon erlebt, dass sich eine Katze bestens mit Meerschweinchen verstehe. »Doch so etwas ist wirklich eher die ungewöhnliche Ausnahme.« (tmn)

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