Küche - Berliner, Krapfen oder Kreppel: Diese leckeren, gefüllten Kalorienbomben lassen sich auch gut selbst herstellen
Frische Berliner zu Fasnacht
VON EVA NEUMANN
Immer ein Hochgenuss, jetzt zur Fasnachtszeit aber ein Muss: Frische Berliner.
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Kreppel und Berliner, Krapfen, Pfannkuchen und Fasnetsküchle sind Varianten derselben kulinarischen Tradition: Jahrhundertelang galten hierzulande recht strenge Fastenregeln. So waren Eier und Fett in der Fastenzeit tabu. Sie konnten jedoch nicht sechs Wochen lang gelagert werden, mussten also vor Aschermittwoch verbraucht werden. Also entstanden entsprechende Rezepte.
Die Grundzubereitung ist bei den meisten Faschingsgebäcken ähnlich. »Der Teig ist ein süßer Hefeteig. Anders als ein Brotteig enthält er zusätzlich Eigelb«, erläutert Erika Wahlenmeier, Vorsitzende des Landfrauenvereins Neckarrems. In der Regel wird helles Mehl verwendet, zum Beispiel Weizenmehl Typ 405. Entscheidend ist, dass der Teig so locker wie möglich gearbeitet wird. Will heißen: Er muss ausreichend geknetet werden und lange genug gehen, sowohl nach dem Kneten als auch nach dem Formen der Gebäckstücke.
Zum Portionieren bieten sich unterschiedliche Methoden an: »Bei uns in der Region wird der Teig ein bis zwei Zentimeter dick ausgerollt und dann mit einem Glas ausgestochen«, erzählt Wahlenmeier. Alternativ wird mit kreisenden Bewegungen zwischen der Arbeitsplatte und der Hand eine dicke Rolle geformt. Von ihr werden dann Teigscheiben abgeschnitten.
Besser flüssige Fette nehmen
Die Wahl des Fettes zum Ausbacken ist nicht so einfach. Feste Kokos- oder Palmfette sind zwar sehr praktisch in der Handhabung, enthalten jedoch einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, wie Sabine Klein, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, erläutert. »Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind flüssige Fette, die speziell als Frittieröl gekennzeichnet sind, die beste Wahl. Sie zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an einfachen, ungesättigten Fettsäuren aus.« Auch Oliven- oder Rapsöl kann verwendet werden.
Das Fett wird in der Fritteuse oder einem hohen Topf erhitzt. »Die ideale Temperatur liegt zwischen 160 und 170 Grad«, sagt Klein. »Wenn das Fett nicht heiß genug ist, nimmt das Frittiergut zu viel davon auf. Dann liegt es später schwer im Magen.« Umgekehrt besteht bei zu starker Hitze die Gefahr, dass das Fett verbrennt, stinkt und leicht bitter schmeckt. »Außerdem kann sich verstärkt Acrylamid bilden, dessen Krebs erzeugende Wirkung in Tierversuchen nachgewiesen wurde.«
Fruchtige Füllung
Sobald das Fett die richtige Temperatur erreicht hat, werden so viele Teigballen hineingegeben, dass diese noch gut frei schwimmen können. Vorsicht - der Hefeteig geht beim Ausbacken noch etwas auf. »Während des Backens sollten die Teiglinge zweimal gewendet werden. So entsteht der schöne weiße Rand in der Mitte«, erklärt Rainer Hahn, Obermeister in der Konditoren-Innung Rheinland-Pfalz aus Vallendar. »Der wird nur kurz angebacken, indem man die Krapfen kurz vor dem Ende der Backzeit noch mal ganz ins Fett hinunterdrückt.« Zum Herausnehmen eignet sich eine Schaumkelle gut. So kann überschüssiges Fett abtropfen. »Dann werden die Kugeln auf Küchenkrepp gelegt und vorsichtig abgetupft«, rät Klein.
Die ausgebackenen Teigkugeln werden am besten gefüllt, wenn sie noch warm sind. »Bei uns im Rheinland wird gerne Himbeer-Johannisbeer- oder Drei-Frucht-Konfitüre verwendet«, berichtet Hahn. »Aber auch Aprikosenkonfitüre oder Pflaumenmus ist beliebt.« Für sogenannte beschwipste Berliner wird meist eine Füllung aus einer Konfitüre, Sahne und Eierlikör zubereitet. Cremig im Inneren wird der Krapfen schließlich mit einem Puddingklecks. »Ein bis eineinhalb Teelöffel der Füllung werden entweder in einen Spritzbeutel mit einer langen Tülle oder eine Kuchenspritze gegeben. Damit die Füllung gleichmäßig in den Teigling gedrückt werden kann, darf sie keine größeren Fruchtstückchen enthalten«, erklärt Wahlenmeier.
Ist der Berliner abgekühlt, folgt die Verzierung. Mindestens für Kinder ist sie die Hauptsache. »Eine gute Basis für farbenfrohe Dekorationen ist Zuckerguss«, sagt Hahn. Er kann mit etwas Zitronensaft oder anderem Fruchtsaft, aber auch durch Alkohol oder Gewürze aromatisiert werden. Die Krönung der glatten Gussfläche sind zum Beispiel bunte Zuckerstreusel oder Schokoladenstreifen.
Die zarte Alternative zum Bestreichen mit Zuckerguss ist das Bestäuben mit Puderzucker oder mit einer Mischung aus Puderzucker und Zimt. »Hierfür wird nur etwa ein Fünftel oder Sechstel der Zuckermenge benötigt«, sagt Hahn.
Auch mit Puderzucker ist und bleibt ein Faschingskrapfen allerdings eine gehaltvolle Köstlichkeit. »Als Traditionsgebäck hat er dennoch seine Berechtigung«, lautet das Fazit der Ernährungswissenschaftlerin Klein. »Man sollte den Genuss nur nicht übertreiben.« (tmn)
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