Heimat und Welt
Ein Bürostuhl ist ein Bürostuhl? Nicht für einen Hersteller: Er wirbt mit Stühlen, die an die Geschlechter angepasst sind

"Frauen sitzen anders als Männer"

Von Barbara Forro

Angenommen, man sitzt bei einem 40-Stunden-Job rund sieben Stunden täglich. Nach einem Arbeitsjahr ergeben sich daraus bereits 1 540 Sitz-Stunden, nach einem Arbeitsleben von rund 40 Jahren etwa 61 000 Stunden. Zusammengerechnet wären das ungefähr sieben Jahre, die man rund um die Uhr sitzend verbringt. Je nach Arbeitgeber sind die Bürostühle, auf denen man diese sieben Jahre ab-sitzt, mal mehr, mal weniger komfortabel. Ob auf einem Stuhl männliche oder weibliche Arbeitnehmer sitzen, wird aber wohl in den wenigsten Fällen beachtet.

Dabei sollte das aber der Fall sein, betont der Stuhlfabrikant Gernot-M. Steifensand, der im bayerischen Wendelstein die Firma "1 000 Stühle" betreibt. Unter den "1 000 Stühlen" finden sich nicht nur solche gegen Bandscheibenprobleme, sondern in der Sitwell-Kollektion auch "Lady"- und "Mister"-Bürodrehstühle, die speziell auf männliche und weibliche Bedürfnisse zugeschnitten sein sollen. "Denn Frauen sitzen anders als Männer", sagt Steifensand und führt Beispiele an: Frauen würden - bedingt durch ein breiteres Becken - eher zum Hohlkreuz neigen, Männer hingegen zum Rundrücken. Auch hätten Frauen einen höheren Bewegungsdrang und ein lockereres Bindegewebe als Männer.

So weit, so bekannt. Steifensand hat in den Unterschieden jedoch "eine Marktlücke erkannt" und geforscht - mit wissenschaftlichem Beistand: Er bezieht sich auf den Arbeitsmediziner Professor Theodor Peters, "der für uns drei Studien erstellt hat, warum Frauen anders sitzen". 2002 feierte der "Lady Sitwell" Premiere, etwa 20 000 "Lady"-Stühle wurden seither verkauft, so Steifensand. Denn das Bürostuhlgeschäft sei ein Massengeschäft: Statt Qualität zähle oft der Preis, teure Stühle - wie ein Sitwell-Stuhl, der bei rund 300 Euro beginnt - seien Luxus.

Was kann nun der Frauen-Wunderstuhl alles? "Lady Sitwell verbessert vor allem die Atmung", sagt der Fabrikant. Dadurch und durch eine verkürzte Sitzfläche soll eine bessere Durchblutung der Beine ermöglicht und Cellulite vorgebeugt werden. Nachprüfen ließ sich das im GEA-Test nicht: Der Großteil der probesitzenden Frauen bestätigte zwar, dass es sich auf dem "Lady Sitwell" sehr gut sitzt. Vor allem die Lordosestütze im unteren Lendenwirbelsäulenbereich und die Pendingtechnik, die eine Bewegung in alle Richtungen ermöglicht, werden dafür angeführt. Dass es sich auf dem Stuhl leichter atmet, konnte aber keine GEA-Mitarbeiterin bestätigen. Auch Mediziner wie der Tübinger Professor für Orthopädie, Nikolaus Wülker, sind gegenüber solchen Angaben skeptisch.

Steifensand ist jedoch unbeirrt. Zum Stuhl hat er mit dem Tischlermeister und Ergonomieberater Tilman Shastri einen passenden Schreibtisch entwickelt, der nicht nur höhenverstellbar ist, sondern auch über ein Schuh- und Handtaschenfach sowie einen Mini-Kühlschrank verfügt. Klischeehaft? "Wir haben zuvor 70 Frauen befragt, wie man einen Arbeitsplatz attraktiver gestalten kann", begründet Shastri die Ausstattung. Auf der Büromesse Orgatec habe es schon Bestellungen gegeben. Einige Leute seien zwar skeptisch gewesen, sagt Steifensand. "Aber viele haben gesagt: 'Das ist so doof, dass es schon wieder gut ist.'" (GEA)

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